Wenn Du sie nicht schlagen kannst,…

…dann mußt Du sie kaufen. So oder ähnlich dürften die Überlegungen von Garmin gewesen sein, als man sich auf den Mitbewerber Navigon aus Deutschland stürzte. Seit Anfang Juni nimmt eine Übernahme des deutschen Herstellers durch den weltweiten Marktführer in Sachen Navigation immer konkretere Züge an. Nun wurde am 14.06.2011 dies auch seitens Garmin offiziell bestätigt. Angeblich soll diese bis Ende Juni/Anfang Juli 2011 abgeschlossen sein. Was dann kommt, darüber schweigen sich aber beide Firmen konsequent aus.

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Eine Option ist, dass ähnlich wie bei United Navigation mit den Marken Becker und Falk eine Zweimarkenstrategie gefahren werden soll. Dafür spricht vor allem, dass Navigon in den letzten 2 Jahren konsequent in Europa vor allem zu Lasten des niederländischen herstellers TomTom Marktanteile gewonnen hat, welche man zumindest halten möchte. Außerdem hat Navigon einen exzellenten Ruf als Softwareschmiede für Android und iOS (also Apple). Hier einfach das Label zu wechseln könnte fatale Folgen haben, und eingefleischte Navigon-Fans schnell mal verprellen. Zudem könnte es kartellrechtliche Probleme in manchen Ländern geben, da z.B. in Österreich oder auch in Deutschland der Marktanteil von Garmin und Navigon zusammengerechnet knapp über 50% ergibt (auf Basis der letztjährigen GfK-Zahlen).

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Eine andere Überlegung, die von vielen Analysten geteilt wird, ist Navigon „back to the roots“ zu führen. Bedeutet konkret aus dem Hamburger Unternehmen wieder das zu machen, was es einmal war: eine Software-Schmiede. Überhaupt liegen die Stärken des deutschen Herstellers in der Entwicklung und Programmierung zuverlässiger Navigationsanwendungen. Features wie die 3D-Gebäudeansicht oder die fotorealistische Kreuzungsansicht haben entweder bei den Norddeutschen ihren Anfang genommen, oder wurden von diesen perfektioniert.

Eine dritte Überlegung ist die klassische Variante: Garmin schluckt Navigon, und läßt die Marke über kurz oder lang sterben. Hier geht man zwar ein gewisses Risiko ein, würde aber langfristig die Stammmarke stärken. In jedem Fall aber bedeutet diese Übernahme einen weiteren Angriff auf den in Europa führenden Hersteller TomTom.

Dieser hat in Österreich seit Jahren einen Marktanteil um die 40 – 45%, auch in Deutschland und vor allem in den Benelux-Ländern verhält es sich ähnlich. Geschwächt von der Übernahme des Kartenlieferanten Teleatlas taumeln die Holländer seit gut einem Jahr angeschlagen im hart umkämpften Navigationsmarkt, und haben immer mehr und mehr zu kämpfen. Ein Indiz dafür ist der Versuch von TomTom im Freizeitmarkt Fuß zu fassen, und mit einer Sportuhr welche in Kooperation mit Nike entwickelt wurde ein zusätzliches Standbein zu bekommen. Auch gehen in den klassischen Stammländern des österreichischen Marktführers momentan die Verkaufszahlen etwas zurück. Hier wird wohl Garmin mit der Übernahme von Navigon versuchen nochmals nachzulegen, und einen weiteren Schlag gegen die Holländer anzusetzen.

Und was bedeutet das alles für den Kunden? Vorab bleibt abzuwarten wie die Übernahme über die Bühne gehen wird, und welches Modell der US/Taiwanesische Hersteller für die Eingliederung verwenden wird. So viel ist jedenfalls sicher: es kommt wieder weiter Bewegung in den Markt, und Bewegung wirkt sich eigentlich immer positiv für den Kunden und dessen Brieftasche aus. Am besten behaltet Ihr die Preisentwicklung der Navigationsgeräte einmal im Auge…