Virtual Reality: Auswirkungen in der Gesellschaft

Virtual Reality Brillen gibt es in den verschiedensten Ausführungen und von verschiedensten Herstellern.

VR Brillen gibt es in den verschiedensten Ausführungen und von verschiedensten Herstellern. (Quelle: „Jumpgate VR“ von TheLeadSA, Lizenz: CC BY 2.0)

Virtual Reality könnte die Welt, wie wir sie heute kennen, für immer verändern – auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Wie? Wir haben etwas orakelt.

VR – die nächste große Computer- und soziale Plattform

Auf Samsungs MWC-Pressekonferenz trommelte Facebook-CEO Mark Zuckerberg ordentlich für Virtual Reality: die nächste große Computer-Plattform sei VR – und eine soziale ebenfalls, erklärte Zuckerberg. Tatsächlich kann sich die Gesellschaft enorm verändern, wenn virtuelle Realitäten Einzug halten in unsere heutigen Realitäten. Positive wie negative Folgen könnte es geben, wenn Virtual Reality die letzte Lücke vernetzter Welten geschlossen hat und endlich salonfähig geworden ist.

So sieht eine Virtual Reality Brille für kleines Geld und zum selbst zusammenbauen aus.

So sieht eine VR Brille für kleines Geld und zum selbst zusammenbauen aus. (Quelle: „Exploring Virtual Reality“ von Fabrice Florin, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

In ihrer Ästhetik sind sie schon noch gewöhnungsbedürftig, die monströsen VR-Brillen, die in diesem Jahr den Markt im Sturm erobern möchten. Das allerdings ist nur Hardware, und Hardware schrumpft, wie die Vergangenheit zeigt. Wir können also schon mal davon ausgehen, dass VR-Hardware optisch noch deutlich ansprechender wird. Schauen wir uns auch die Veränderungen im gesellschaftlichen Kontext an:

Menschliche Muster bei neuen Technologien

Telefon, Fernsehen, Internet – und nun Virtual Reality: all diese Technologien wurden zunächst angefeindet oder zumindest bezweifelt. Brian David Johnson, Futurist bei Intel, hat nach diversen Forschungen zum Thema Technologie und Menschen verschiedene kulturelle Muster aufgedeckt: „People are frightened about things that they don’t have a lot of information about“, stellt Johnson fest und zeichnet diesen Ablauf:

  1. allgemeine Panik: In Stufe 1 verflucht der Mensch die neue Technologie und ist überzeugt: das wird uns alle noch mal umbringen. Medien greifen lediglich Bruchstücke wissenschaftlicher Erklärungen auf und verbreiten Halbwahrheiten, die diese Panik wunderbar unterstützen. Es fehlt an Kontexten zum Begreifbar-machen und zum Verstehen des Potenzials einer neuen Technologie. So wird eine Innovation zu einer globalen Dystopie.
  2. moralische Panik: Ebbt die allgemeine Panik dadurch ab, dass einige Nerds die neuen Technologien bereits einsetzen, entsteht langsam, aber sicher eine Art Kontext, entsteht Stufe 2 – die moralische Panik, aktuell wunderbar im Bereich Künstlicher Intelligenz zu beobachten. Ein bisschen Weltuntergangsstimmung, ein bisschen „das versaut uns unser Kind“-Stimmung ist noch zu vernehmen – Eltern jeder Generation fragten sich immer und immer wieder, ob denn ihre Kinder noch normal erwachsen werden dürfen oder ob diese Technologie der Untergang der Kindheit sein wird. Wenngleich die neuen Technologien bereits auf Alltägliches und Routinen einwirken, geht das Gros der Gesellschaft noch nicht mit ihr um.
  3. persönliche Ablehnung: Rückt die Technologie noch weiter in die gesellschaftliche Mitte – wie nun bei VR – geht die mediale Berichterstattung so langsam, aber sicher einen positiveren Weg: man höre und staune – die verfluchte Technologie hat ja doch Vorteile! Nun gut, erhält der Sprössling etwas mit dieser neuen Technologie eben zu Weihnachten, aber die persönliche Ablehnung steht noch im Vordergrund: für mich ist dieser neue Schnickschnack nichts, ist eh nur eine Modeerscheinung, in drei Jahren kräht kein Hahn mehr danach. Na ja, und dann, dann kommt plötzlich Stufe 4 …
  4. „Kann ich auch mal?“: Wenn selbst die eigene Großmutter die neue Technologie problemlos in den Alltag integriert hat, werden anfängliche Berührungsängste nicht nur irrelevant, sondern zuweilen hartnäckig geleugnet. Irgendwie erwies die Technologie plötzlich als dermaßen nützlich, dass die persönliche Ablehnung in Interesse überging. Wenn anfängliche Bedenken abgestritten werden, darf man wohl mit Fug und Recht behaupten, dass eine Technologie es in die Mitte der Gesellschaft geschafft hat.

Sprechen wir von Virtual Reality, befinden wir uns wohl gerade irgendwo zwischen Stufe 3 und 4: VR wird salonfähig und verändert nach und nach unseren Alltag.

Spaßbremse: ein bisschen moralische Panik – aber richtig, bitte

Virtual Reality kommt also in der Gesellschaft an. Eine der Auswirkungen, die VR – wie jede Technologie vor ihr – mitbringen wird, ist der Gedanke an mögliche Süchte. Erinnern wir uns an die Diskussionen, die Ballerspiele oder auch soziale Netzwerke ausgelöst haben und zuweilen noch auslösen: die Jugend von heute wird süchtig von dem Zeug, wir müssen das alles verbieten. Eine Diskussion auf sachlicher Ebene wäre angebrachter. Denn eben dieser Gedanke wird auch bei Virtual Reality neu gedacht werden:

Fachmessen und Konferenzen versuchen den Menschen den Nutzen und Spaß an den Virtual Reality Brillen näher zu bringen und Ihnen den Zweifel davor zu nehmen.

Fachmessen und Konferenzen versuchen den Menschen den Nutzen und Spaß an den VR Brillen näher zu bringen und Ihnen den Zweifel davor zu nehmen. (Quelle: „Samsung Gear VR Experience“ von Maurizio Pesce, Lizenz: CC BY 2.0)

Menschen, die sozial isoliert sind, sind in der Tat gefährdet, in ihre virtuelle Welt abzutauchen und dort das Leben zu führen, was sie in der Realität nicht führen können – aus welchen Gründen auch immer. Die Flucht in unechte Realitäten birgt in der Tat Gefahren. Jedoch wäre es falsch, Virtual Reality dafür verantwortlich machen zu wollen, denn sie ist keineswegs der Auslöser. Neigt ein Mensch zu Suchtverhalten, wird er schon einen Weg finden, aus seiner Realität zu fliehen – ob durch Games, VR oder Genussmittel: er findet seinen Weg.

Es ist zweifelsfrei wichtig, sich mit dem Suchtpotenzial auseinanderzusetzen. Es muss allerdings eine Debatte geführt werden, die nicht die Fluchtwege, sondern die Fluchtgründe thematisiert – wir müssen darauf vorbereitet sein und uns suchtgefährdeten Menschen annehmen, wie man sich spielsüchtigen Menschen annimmt. In der Folge dieses Suchtpotenzials steht VR einer möglichen Stigmatisierung gegenüber. Ein bisschen moralische Panik ist also durchaus gesund, jedoch nicht gegenüber Technologien, sondern aus Sorge über suchtanfälligen Menschen.

Virtual Reality: so schön können Veränderungen sein

Unsere echte Realität bringt einigen Mitmenschen diverse Probleme. Kranke, die ans Bett gefesselt sind, alte Menschen in Altenheimen, die keine Alltagsfreuden mehr haben: ihnen kann therapeutisch geholfen werden. Eine junge Amerikanerin erfüllte im Jahre 2014 ihrer krebskranken Großmutter einen Lebenstraum: sie erklärte dem mittlerweile von Facebook aufgekauften Unternehmen Oculus VR die Situation und fragte, ob sie das bald erscheinende Oculus Rift-Headset zweckentfremden dürfe, um ihrer Großmutter ihre letzten Wochen zu verschönern.

Oculus VR zögerte nicht lang und stattete die Amerikanerin mit allem nötigen aus. Die Rentnerin ging in den entlegendsten Orten der Welt auf Entdeckungsreise und erklärte, für sie sei das wie eine Therapie. Virtual Reality gab der Großmutter Lebensfreude zurück – ihre letzten Wochen auf Erden wurden noch mal bedeutungsvoll, wie dieses Video zeigt:

Auch in Altenheimen oder Krankenhäusern könnte VR Menschen helfen, ihre Lebensfreude zurückzubekommen. Gehbehinderte Menschen können Mobilität wiedererlangen – nur virtuell, das ist klar, aber allein das Gefühl wiederzuentdecken, kann therapeutisch von hohem Nutzen sein.

Sozial isolierte Menschen können ihren sozialen Kreis auf Distanz, aber doch persönlich erweitern. Entfernungen, die in unserer realen Welt unüberwindbar scheinen, werden komplett bedeutungslos. Und die negativen Entwicklungen in der Kommunikation, die sich in den letzten Jahren aufgetan haben, lassen sich rückgängig machen: trotz großer Distanzen können wir einander Face-2-Face begegnen und direkt miteinander kommunizieren. Überwiegend kommunizieren wir heute in Textform via Smartphone. Da es immer schnell gehen muss oder Zeichen begrenzt sind, flachen die sprachlichen Fähigkeiten ab, unsere Ausdrucksfähigkeit ist leider verkümmert. Verlagert sich die Kommunikation in virtuelle Räume, lassen sich diese Nachteile der schnellen Art unserer heutigen Kommunikation wieder korrigieren. Mimik und Körpersprachen werden wieder bedeutsamer.

Zeit und Raum werden sich relativieren – und wenn die VR-Technologien ausgereift genug sind, können wir virtuell an jeden Ort der Welt reisen. Klar, die bittere Wahrheit ist, dass wir diese Orte in unserer Realität nicht bereist haben. Jedoch wird dieses Wissen allein durch die Kosteneinsparung und die Tatsache relativiert, dass wir immerhin das Gefühl hatten, wirklich da zu sein. Die soziale Basis eines Individuums spielt in unserer jetzigen Realität eine riesige Rolle: viele Menschen können sich weite Reisen einfach nicht leisten, selbst Reisen innerhalb unseres Kontinents sind für viele nicht machbar. Virtual Reality wird das ändern. Womöglich werden reale Reisen sogar deutlich abnehmen. Und das ist ein Traum für die Umwelt, denn es wirkt sich äußerst positiv auf die CO2-Emissionen aus.

Wohin führt uns Virtual Reality?

Virtual Reality ist schon Teil unserer jetzigen Realität; sie verändert den Alltag zusehens. Wir stehen vor einer äußerst spannenden Reise, in der reale und virtuelle Welten verschmelzen. In der wir keineswegs zu blauäugig sein, aber eben auch nicht schwarzmalen dürfen. Noch ist der VR-Weg steinig, wir wissen noch nicht, ob Virtual Reality die gesellschaftliche Mitte erobert und sich somit entfalten wird oder ob wir einem Hype hinterherrennen. Eines aber steht fest: Virtual Reality ist ein spannendes Phänomen, das unseren Alltag, unsere Gesellschaft und sämtliche Lebensbereiche beeinflussen könnte.

Wie siehst du das: hat VR eine Chance, unsere Gesellschaft und unser Leben zu ändern? Welche Gefahren siehst du und worauf freust du dich schon jetzt?


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