TechNostalgie: Vom Röhrenfernseher zum Flat TV

Der Griff zur Fernbedienung ist heute selbstverständlich, doch wie lief das früher? Woher kommt das TV-Gerät?

Woher kommt das Fernsehen?

Für uns ist ein gemütlicher Abend vor dem TV nichts Außergewöhnliches. Wir sind gewöhnt an ausgezeichnete Bildqualität, eine große Programmvielfalt und Sendungen rund um die Uhr. Da vergisst man schnell, dass die Anfänge des Fernsehens noch ganz anders aussahen. Ein guter Anlass, um einen Blick zurück zu werfen in die Geschichte des Fernsehens. Ab 1950 trat das Fernsehen seinen Siegeszug an und entwickelte sich zum Massenmedium. Doch was geschah vorher? Wem haben wir diese Erfindung zu verdanken? Die letzte Frage lässt sich gar nicht so leicht beantworten, da sehr viele Tüftler an der Entwicklung und Weiterentwicklung der Fernsehtechnologie beteiligt waren. Doch beginnen wir von vorne.

Der Anfang des Fernsehens waren Experimente zur Bildzerlegung. Schon 1883 schaffte es der deutsche Techniker Paul Nipkow, Bilder in Hell-Dunkel-Signale zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen. Dazu erfand er eine mit Löchern versehene, rotierende Scheibe, welche später nach ihm benannt wurde. Das hat noch sehr wenig mit Fernsehen zu tun, werdet ihr euch jetzt zurecht wundern. Dennoch gilt Paul Nipkow als Begründer des Fernsehens, da er mit der Nipkow-Scheibe die technische Grundlage schuf. Er meldete sogar ein Patent auf dieses Prinzip der mechanischen Bildübertragung, also auf eine Vorform der Fernsehübertragung an. Von der Nipkow-Scheibe hin zum bewegten Fernsehbild war es jedoch noch ein weiter Weg.

Das steckt im Röhrenfernseher

So sah ein typisches Fernsehgerät im Jahr 1976 aus.

So sah ein typisches Fernsehgerät im Jahr 1976 aus. (Quelle „Raduga 706 – Sowjetischer Farbfernseher von 1977“ von Eckhard Etzold, Lizenz: CC BY-SA 2.0 de)

Die etwas älteren unter uns werden mit dem Begriff „Röhrenfernseher“ noch etwas anfangen können. Vor dem Flachbild-TV waren die klobigen Kästen in fast jedem deutschen Wohnzimmer zuhause. Aber warum Röhre? Das hat etwas mit der Technologie zu tun, die im Gerät steckt und  für die Bildwiedergabe verantwortlich ist. Die Kathodenstrahlröhre oder auch Braun’sche Röhre wurde 1897 von Ferdinand Braun gemeinsam mit Jonathan Zenneck entwickelt.  Diese Röhre funktionierte so: Ein Elektronenstrahl wurde mit elektrostatischen Ablenkplatten oder elektromagnetischen Spulen gesteuert. Damit konnten Braun und Zenneck aufeinander folgende Bildpunkte auf eine mit Leuchtstoff beschichtete Glasscheibe projizieren. So wurden schnell wechselnde Spannungen beziehungsweise Ströme sichtbar gemacht. Wie kommt man von dieser Darstellung von Strömen zu einem vernünftigen Fernsehbild?

Je nach gewünschter Helligkeit eines Bildpunktes werden mehr oder weniger Elektronen von der Kathode im hinteren Teil der Röhre nach vorne zur Anode, dem eigentlichen Bildschirm beschleunigt. Ablenkeinheiten führen dann den Elektronenstrahl in der gewünschten Bildfrequenz zeilenweise über den Fernsehbildschirm. Wie oft dieser Vorgang wiederholt wird, wird in Hertz (Hz) angegeben. Diese Einheit in Zusammenhang mit dem TV-Gerät wird nun doch vielen bekannt vorkommen. Für alle anderen: 100 Hertz bedeutet, dass der Elektronenstrahl 100-mal pro Sekunde über den kompletten Bildschirm fährt. Auch in Messapparaten wie dem Oszilloskop werden Kathodenstrahlröhren verwendet. Bis zum Ende der Röhrenfernseher in den frühen 2000ern wurde die im Jahre 1897 erfundene Röhrentechnologie stetig weiterentwickelt. Gut 100 Jahre lang begleitete uns somit die Röhre – ein wirklich langer Zeitraum!

Von der ersten Fernsehvorführung zum Massenmedium

Wie ein Röhrenfernseher funktioniert, wissen wir jetzt. Doch was passierte nach 1897, wie hat es das TV-Gerät in unser aller Zuhause geschafft? In den 1920ern gelang es mehreren Tüftlern, Bilder über einige Kilometer zu übertragen. Ein erster wichtiger Schritt zur Verbreitung von TV-Geräten war schließlich die weltweit erste richtige Fernsehvorführung im Jahr 1926 durch den Briten John Logie Bird. Dessen Testsendungen wurden durch den britischen TV-Sender BBC fortgesetzt. In Deutschland erfolgte der Start des Fernsehens mit einer Erstübertragung am 31. August 1928. Wer jetzt glaubt, dass es ab diesem Tag bereits eine richtige TV-Show zu sehen gab, irrt sich. Ein ungarischer Entwickler versuchte in den 30ern erstmals, ein TV-Gerät in Deutschland zu verkaufen. Damit hatte er allerdings nur mäßigen Erfolg. Grund war nicht allein die schlechte Bildqualität oder der exorbitante Preis des „Telehors„. Nein, es gab schlicht und einfach nichts, das es sich gelohnt hätte anzusehen. Mehr als einige Versuchssendungen der Reichspost gab das deutsche Fernsehen zu der Zeit nicht her! Kein Wunder also, dass das Interesse am Telehor eher gering war.

Wer von euch kennt die Geschichte des Testbilds?

Wer von euch kennt die Geschichte des Testbilds? (Quelle „Skizze eines FuBK-Fernsehtestbildes, dieses wurde vor allem in Deutschland verwendet“ von FuBK-Testbild.png, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Bis zu den 50er Jahren ging es so weiter, verschiedene Sender experimentierten mit Versuchssendungen. Aus dieser Zeit stammt auch das bekannte Testbild. Solche Testbilder dienten zur Beurteilung der Bildqualität und zur Fehlersuche. Das oben dargestellte Universal-Testbild wurde 1950 von der ARD konzipiert. 1952 war dann die traurige Zeit von Versuchssendungen und Dauer-Testbildern endlich vorbei. In der DDR wurde erstmals die aktuelle Kamera, ein Nachrichtenprogramm, ausgestrahlt. Die ARD erweiterte das TV-Programm stetig, 1963 kam dann auch das ZDF hinzu, später folgten Regionalsender.

Farbfernsehen auf Knopfdruck

Ein weiteres Highlight in der Geschichte des Fernsehens war der Start des Farbfernsehens. Auf der internationalen Funkausstellung in Berlin startete der damals amtierende Bürgermeister Willy Brandt per Knopfdruck die TV-Übertragung in Farbe. Im Video könnt ihr diesen historischen Moment miterleben:

In den 80ern eroberten die Privatsender die deutschen Wohnzimmer. Damit hielten vielfältige Programme, aber auch Werbeunterbrechungen Einzug in die deutsche Fernsehwelt.

Fazit – Eine Fülle an TV Innovationen

In den vergangen 15 Jahren hat sich die TV-Technologie rasend weiterentwickelt. Und so sehen die Fernseher heutzutage aus.

In den vergangen 15 Jahren hat sich die TV-Technologie rasend weiterentwickelt. Und so sehen die Fernseher heutzutage aus.

In den vergangen 15 Jahren hat sich die TV-Technologie rasend weiterentwickelt. In den 2000ern wurde die Fernsehübertragung digitalisiert – dadurch wurde die Bildqualität merklich verbessert. Auch die Tage der klobigen Röhrenfernseher waren gezählt. Wer etwas auf sich hielt, legte sich so schnell wie möglich eines der modernen Flachbildgeräte zu. Im Anschluss jagte eine Innovation die nächste. Man muss sich nur einmal ansehen, welche Features moderne TV-Geräte anbieten. Zum Beispiel kann man sich mit einem 3D-fähigen TV-Gerät Kinofeeling direkt nach Hause holen. Auch gebogene Geräte – sogenannte Curved TVs – sieht man immer häufiger. Oder, eine noch relativ neue Technologie, Geräte mit Ambilight. Dabei wird die Wand hinter dem TV mit den Farben des aktuellen TV-Bilds angestrahlt. Am auffälligsten ist aber wohl der Trend zu immer größeren Bildschirmen. Oder hatte jemand von euch einen Röhrenfernseher mit 40 Zoll, also gut 1 Meter, Bildschirmdiagonale zuhause? Bedenkt man, wie lange die Entwicklung und Perfektionierung des Röhren-TVs dauerte, ist es doch wirklich beeindruckend, wie viele Innovationen wir in den letzten Jahren erleben durften.

Was ist dein persönliches Highlight in der TV-Geschichte?


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