TechNostalgie: Geräte, die ausgedient haben

Mir gefällt die Weiterentwicklung der Technik, aber zu gern erinnere ich mich an die Wählscheibentelefone mit minutengenauer Abrechnung zurück. TehchNostalgie pur.

Mir gefällt die Weiterentwicklung der Technik, aber zu gern erinnere ich mich an die Wählscheibentelefone mit minutengenauer Abrechnung zurück. (Quelle: „Old Phone 2“ von Jan-Hendrik Caspers, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Wählscheibentelefon, Kassette, pfeifende Modems, Disketten: einige Geräte haben definitiv ausgedient. Komm mit – auf eine Reise in die Vergangenheit!

TechNostalgie: Technik zwischen den Generationen

Es hat schon etwas Amüsantes: mit Anfang 30 fühle ich mich eigentlich nicht alt. Nichtsdestotrotz beginne ich, hin und wieder von „früher“ zu reden. Früher, als wir noch vor unseren Doppel-Kassettendecks saßen und Musik aus dem Radio aufgenommen haben. Früher, als wir uns nicht via WhatsApp verabredet haben, sondern einfach die Hausklingel unserer Freunde bedienten. Früher, als wir via Wählscheibentelefon nur innerorts Gespräche führen durften, weil es sonst zu teuer wurde. Früher, als wir uns laut piepsend ins Internet eingewählt haben. Ja, liebe Generation Y, wir haben uns noch eingewählt. Vorausgesetzt, wir gehörten schon zu den „cool people“, die Internet hatten. Das war nicht selbstverständlich – und mobil, wie wir es heute als selbstverständlich kennen, gleich gar nicht.

Von früher zu reden, hat etwas merkwürdiges. Die Entwicklungen der Technik zu erleben, ist jedoch befreiend – denn seien wir ehrlich: das Schnurlos-Telefon mit Weiterleitung aufs Smartphone mit mobilem Web ist schon angenehmer als das Tuten und Wählen alter Modems. Speichersticks sind praktischer als riesige Disketten mit viel zu geringem Speicherplatz. Wobei … für „früher“ hat es gereicht, denn unsere Daten reichten lang noch nicht an die heutigen Datenmengen. Welche Geräte sind es, die nun ausgedient haben? Wir erinnern an folgende:

Musik: von riesigen Abspielgeräten zu portablen Musikbibliotheken

TechNostalgie: Die Kassetten sind heutzutage nahezu ausgestorben. Schade - Ein Bleistift genügte als Reparaturwerkzeug.

Die Kassetten sind heutzutage nahezu ausgestorben. Schade – Ein Bleistift genügte als Reparaturwerkzeug. (Quelle: „Kostenloses Foto: Kassette, Band, Musik, Retro, Audio – Kostenloses Bild auf“ von Wokandapix, Lizenz: CC0 1.0)

Die gute, alte Kassette – sie kittete so manche Beziehung, verhalf aber auch in regelmäßigen Abständen zu halben Nervenzusammenbrüchen. Ich hatte ein Doppelkassettendeck, konnte also von Kassette A sogar auf Kassette B überspielen. Der Hammer in den 90er Jahren! Ein Bleistift genügte als Reparaturwerkzeug. Philips war es, der den Datenträger auf der IFA 1963 präsentierte – unter dem klangvollen Namen „Compact Cassette“.

Ans Haus gebunden waren wir mit unseren coolen Abspielgeräten aber keinesfalls. Denn der Walkman war unser mobiles Abspielgerät: mit Bügelkopfhörern ausgerüstet, wurde der einstige Markenname von Sony bald schon zum Synonym für mobile Kassettenabspielgeräte. Sehr gute Modelle hatten sogar UKW-Empfang und eine Aufnahmefunktion.

Als Mitte der 90er Jahre das MP3-Format den Markt eroberte, verschwand die Kassette langsam aber sicher. Musik wurde komprimierter, neue Abspielgeräte erblickten das Licht der Technikwelt und aus dem Kassetten-Walkman wurde der CD-Walkman, bis auch dieser durchs MP3-Format abgelöst wurde. Mittlerweile haben wir unsere Musik immer dabei: die komplette Musikbibliothek, die oftmals aus mehreren 1.000 Songs besteht, liegt in der Cloud und ist dank mobiler Internetverbindung jederzeit via Smartphone abrufbar oder lässt sich offline synchronisieren. Schöne neue Soundwelt!

Fotografie: von schweren Kisten zu winzigen Allroundern

6996974372_7455afbfa2_kWer in den 80er und 90er Jahren fotografiert hat, hatte es schwer: Es dauerte zuweilen wochenlang, später dann "nur noch" tagelang, bis man die entwickelten Bilder vom Fotolabor abholen konnte. TechNostalgie pur.

Wer in den 80er und 90er Jahren fotografiert hat, hatte es schwer: Es dauerte zuweilen wochenlang, später dann „nur noch“ tagelang, bis man die entwickelten Bilder vom Fotolabor abholen konnte. (Quelle: „F.I.N.D. – Film is not dead“ von Karsten Seiferlin, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Wer in den 80er und 90er Jahren fotografiert hat, hatte es schwer: das Motiv wollte sehr gut ausgewählt sein und erst, als der 24er oder 36er Farbfilm voll war, konnte man seine gesammelten Werke zum Entwickeln bringen. Es dauerte zuweilen wochenlang, später dann „nur noch“ tagelang, bis man die entwickelten Bilder vom Fotolabor abholen konnte. Fotografieren war ein zeitaufwändiges Hobby! Und ein teures noch dazu: allein das Anschaffen eines Films kostete nicht wenig. Mir sind keine Preise aus den 90er Jahren bekannt, jedoch existieren noch heute Shops für Analog-Fans. Hier beginnen die Preise für Farbfilme mit 36 Aufnahmen bei 3 bis 4 Euro. Fürs Entwickeln der Farbfotos zahlt man heute 15 bis 20 Euro – je nach Anbieter und Qualitätswünschen. In den 90er Jahren war die Fotografie für Endverbraucher noch ziemlich teuer; ich erinnere an Entwicklungskosten von um die 18 DM. Für damalige Verhältnisse viel Geld, vor allem für Schüler, wie ich es in den 90er Jahren war.

Heute existieren DSLR-Einsteiger-Kits für um die 400 Euro. Filme müssen nicht mehr entwickelt werden, Folgekosten entstehen also nur dann, wenn die Kamera gewartet oder repariert werden muss. Und es muss nicht mal eine gesonderte Anschaffung her: für Schnappschuss-Fotografen sind Smartphone-Kameras mehr als ausreichend. Das Smartphone ist ohnehin ständiger Begleiter und die Technik der Smartphone-Cams kann locker mit der damaliger Analog-Cams mithalten, ist sogar noch deutlich ausgereifter. Warten auf die Bilder? Das war gestern – heute sind wir digital unterwegs und knipsen, was das Zeug hält. Weil wir es können.

Fax: surrend, ratternd und pfeifend für den Dokumentenversand

Das Fax war damals eine technische Revolution.

Das Fax war damals eine technische Revolution. (Quelle: „74/465+1 Send/Fax“ von Dave Crosby, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Faxgeräte erstürmten in den 70er Jahren den Markt – nie war es so einfach, ein Dokument von A nach B zu senden, eine technische Revolution! Die aber war begleitet von den schlimmsten Geräuschen: es ratterte, es surrte, es pfiff. Geräuschtechnisch waren sich Fax und Modem also nicht so unähnlich. Zutage förderte das Fax der früheren Generation einen schlecht leserlichen Ausdruck auf glänzendem Papier, der idealerweise sofort an der Schreibmaschine oder – für ganz moderne Betriebe – sogar am Computer abgetippt wurde, denn zu schnell verblasste die ohnehin kaum sichtbare Schrift auf den Dokumenten. Wer etwas auf sich hielt, sagte Sätze wie: „Packen Sie mir das doch eben aufs Fax.“

Lächerlich aus heutiger Sicht, denn Cloud-Services und die E-Mail haben den Dokumentenversand erneut revolutioniert. Und seien wir mal ehrlich: es ist schon fein, konzentriert bei der Sache zu bleiben und sich nicht von den üblen Faxgeräuschen ablenken zu lassen. Ausgestorben ist das Fax noch nicht. Es ist deutlich leiser geworden und gefaxte Dokumente sehen Juristen ähnlich wie einen Brief. Immer mehr Firmen steigen jedoch auf Webformulare um und unterschreiben lieber mittels digitaler Signatur. Und im Privatbereich dürfte das Fax längst ausgedient haben.

Modem: „Du kannst jetzt nicht telefonieren, ich möchte ins Internet“

Diesen Satz kennen Kinder der 80er und 90er nur zu gut! Nach gefühlten drei Stunden des Einwählens führte das Modem seinen Anwender auf eine Datenautobahn mit Höchstgeschwindigkeiten von maximal 14,4 kBit/s – bahnbrechend war das! Telefonieren konnte man in dieser Zeit nicht. Und man zahlte auch noch Minutenpreise, die es in sich hatten. Bis zu 1,30 DM pro Minute zahlte man dafür, darauf zu warten, dass diese Website doch endlich fertig geladen sein möge.

Ende der 90er kam eine kleine Revolution: mit dem 56 kpbs-Modem sauste man deutlich zügiger durchs World Wide Web. Auch dieses Modem war jedoch mehr als unangenehm in seinem Sound:

Nachdem AOL Internet-CDs versendet und „uns Bobbele“ fragte: „Bin ich da schon drin oder was?!?“, wurde es allmählich einfacher. Mit dem Entstehen von DSL-Verbindungen dankte das analoge Modem glücklicherweise ab. Heute gehen wir nicht mehr ins Internet, wir sind ganztägig online: mit dem Smartphone, dem Tablet, natürlich auch auf dem stationären Rechner, wenn der denn überhaupt noch vorhanden ist, denn auch der gute, alte Desktop-Rechner hat Konkurrenz bekommen. Heutzutage ist es schwieriger, einmal nicht online zu sein, als sich ins World Wide Web einzuwählen.

Diskette: „Floppy“ speicherte bis zu 3.520 KB

TechNostalgie - Sagenhafte 80 bis 3.520 KB Speicherplatz brachten die Floppy-Discs, besser bekannt als Disketten.

Sagenhafte 80 bis 3.520 KB Speicherplatz brachten die Floppy-Discs, besser bekannt als Disketten. (Quelle: „Party Floppy“ von Jeff Robbins, Lizenz: CC BY 2.0)

„Floppy“ – das ist kein Hundename, sondern so nannte IBM die Datenträger, die der Konzern im Jahre 1969 auf den Markt schmiss. Sagenhafte 80 bis 3.520 KB Speicherplatz brachten die Floppy-Discs, besser bekannt als Disketten. Das Gerät, das IBM seinerzeit mit vorstellte, war zwar in der Lage, Disketten zu lesen, jedoch konnten sie damit nicht beschrieben werden – es war sehr kompliziert.

Nichtsdestotrotz hielt sich die Diskette sehr lange. Als gängisten Speichermedium schrumpfte der einstige 8-Zoll-Brocken auf akzeptable 3,5 Zoll. Jedoch war die maximale Speicherkapazität von bis zu 3,4 MB der Genickbrecher, denn die CD konnte doch deutlich mehr. Und selbst die wird heute nicht mehr zum Speichern großer Datenmengen verwendet.

Wir leben im Zeitalter von Cloudlösungen, von USB-Sticks, die rasend schnell riesige Datenmengen speichern und schreiben. Wir laden hoch und runter, wie es uns gerade beliebt. Undenkbar in den 90er Jahren – aber: damals genügte die Speicherkapazität, denn so viele Daten hatten wir nicht. Dokumente wurden auf der Schreibmaschine verfasst; noch ein technisches Ungetüm aus der Vergangenheit, die einst den Technikmarkt revolutionierte. Na ja, immerhin war die Schreibmaschine quasi eine Kombination aus Drucker und Tastatur. In den 80er Jahren effizient in der Industrie eingesetzt, verschwand die Schreibmaschine mit dem Erfinden des Computers nach und nach, bis sie im Jahre 2003 sogar aus dem Verbraucherindex gestrichen wurde.

TechNostalgie: auch diese Geräte sterben aus

„In die Röhre“ schaut man schon länger nicht mehr: der Röhrenfernseher ist Geschichte. Heute wird auf Plasma- und LED-TVs gestreamt. In 4K, versteht sich. So stirbt auch langsam der DVD-Player aus – zumindest fristet er ein Schattendasein und kann längst nicht an die großen Erfolge anknüpfen, die der VHS-Rekorder einst feierte. Das einstige Navi wird vom Smartphone abgelöst, anstelle von Festplatten verwenden wir Flash- und Cloudspeicher oder SSDs.

Technik wandelt sich ständig, und das ist gut so, denn immer besser werden einstige technische Revolutionen. Flatrates ersetzen das Festnetztelefon, anstelle winziger Datenpakete versenden wir gigantische Datenmassen – und auch, wenn nicht alles tadellos funktionieren mag, ist es großartig, inmitten dieser technischen Revolution aufgewachsen zu sein. Früher soll alles besser gewesen sein? Für mich nicht – denn heute macht uns Technik alles einfacher. Dank Retro-Trends und Emulatoren werden wir nicht alles aus der Vergangenheit los. Sonic, Super Mario oder Alex the Kidd zockst du sicherlich nicht mehr, wie früher, auf lautstarken Konsolen, dafür aber in zügiger Spielegeschwindigkeit und optional in Retro-Optik.

Mir gefällt die Weiterentwicklung der Technik, aber zu gern erinnere ich mich an laute Modems, knackende Faxgeräte und Wählscheibentelefone mit minutengenauer Abrechnung zurück. TechNostalgie macht Spaß! Welche Technik hat dich in ihrem Ursprung begeistert? Bei welchen Gedanken wirst du tech-nostalgisch?


Produkte, die Sie interessieren könnten


Sag uns deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.