Sprachsteuerung – das Ende der Privatsphäre

2017 – das Jahr der Sprachsteuerung

Apple Siri, Amazon Alexa bzw. Echo, Google Home, Microsoft Cortana und wie sie alle heißen: längst schon nutzen wir Sprachsteuerung wie selbstverständlich. Sprachassistenten sind auch wahnsinnig praktisch: Wie wird das Wetter im Urlaub? Was steht morgen im Kalender? Kannst du mich rechtzeitig daran erinnern, die Wäsche aus der Waschmaschine zu nehmen? – Sie assistieren, sie helfen und sie sparen aufwändigere Websuchen. Der Nutzen von Sprachsteuerungen ist unumstritten!

Erst waren Sprachsteuerungen im Smartphone verbaut. Seit geraumer Zeit gibt es zusätzlich eine zweite Kategorie: die smarten Lautsprecher wie eben Amazons „Echo“ oder auch Google Home. Diese Geräte haben den Sprachassistenten nicht einfach integriert, sondern dieser Sprachassistent ist zur Benutzerschnittstelle geworden. Kein Touchscreen, nur wenige Tasten – du kommunizierst vorrangig über Sprache.

Anstelle des einstigen „Mobile first„, wo das Hauptaugenmerk auf mobilen, nicht auf stationären Geräten lag, kommen wir in die Ära des „Voice first„. Dementsprechend waren auf der CES 2017 diverse Sprachsteuerungen zu bestaunen. Google und Apple sind eher eigenbrötlerisch unterwegs. Amazon hingegen hat seine Lösung „Alexa“ für Drittanbieter geöffnet. In den letzten zwei Jahren wurden rund 10 Millionen Geräte verkauft. In 2017 soll sich das ändern, wie VoiceLabs Analyses in seinem „2017 Voice Report“ erklärt.

Sprachassistenten greifen Privatsphäre an

Die meisten User sehen in Sprachassistenten nette Helferlein für den Alltag. Doch da gibt es auch die Skeptiker, die Sprachassistenten als Angriff auf die Privatsphäre sehen. Einer Studie des Branchenverbands Bitkom zufolge erklären 52 % der Befragten, die kein Interesse an Sprachassistenten haben, dass sie Angst vor Hackern hätten.

Vielleicht wäre mehr Angst – oder besser: Vorsicht – nicht nur Hackern gegenüber angebracht. Die Hersteller intelligenter Sprachsteuerungen selbst sind es, die sich in Sachen Privatsphäre nicht gerade mit Ruhm bekleckern. So wurde im Jahre 2013 aufgedeckt, dass Apple die Siri-Daten bis zu zwei Jahre lang speichert! Zwar werden die Aufzeichnungen nach einem halben Jahr anonymisiert, dennoch weiß Apple, was vor zwei Jahren an Siri diktiert wurde.

Die Verbraucherzentrale warnt vor dem lauschenden Lautsprecher „Echo“ von Amazon. Mit jedem Echo-Lautsprecher bringen User sagenhafte sieben Mikrofone in den Raum. Via WLAN mit dem World Wide Web verbunden, soll Echo auch bei lauten Geräuschen von der anderen Seite des Zimmers aus bestens hören. Das Verknüpfen mit Fremdanbietern wie Spotify, dem Kalender von Google oder TuneIn sorgt zweifelsfrei für Bequemlichkeit. Sobald der Lautsprecher das Wort „Alexa“ vernimmt, wird aufgezeichnet. Die Aufnahmen landen in der Cloud, wo sie analysiert werden, damit Alexa antworten kann.

Sprachsteuerung abschalten – und dann?

Amazon möchte aufgebrachte Datenschützer damit besänftigen, dass das Dauerlauschen auch ausgeschaltet werden kann. Leider kannst du dann auch die wesentliche Funktion, nämlich die Sprachsteuerung nicht mehr nutzen. Sehr sinnvoll ist die Option des Ausschaltens also auch nicht.

Was passiert nun, wenn wir Alexa lauschen lassen? Wir nehmen Alexa lediglich als Beispiel, andere Sprachsteuerungen arbeiten keineswegs anders. Wenn du nach dem „Alexa“-Zuruf das Gerät besprichst, sendet es Audiodateien in die Cloud. Amazon ist ein US-Unternehmen, sodass deine Sprachnachrichten auch auf US-Servern landen können. In den USA ist das Datenschutzniveau leider nicht mit dem europäischen vergleichbar.

Amazon selbst schreibt in den Nutzungsbedingungen, dass du die Aufnahmen löschen kannst. Während du dies tust, können deine Anweisungen aber längst auf US-Servern weiterverarbeitet werden. Weiter erklärt Amazon, mit den Aufnahmen wolle man die Fragen durch Alexa beantworten lassen, aber eben auch „Dienste verbessern“.

Gespeichert werden jedoch nicht nur die Befehle, die du an Alexa schickst. Auch „sonstige Informationen“ werden laut den Nutzungsbedingungen gespeichert. Das kann alles Mögliche und Unmögliche sein; Amazon selbst nennt als Beispiele Einkaufs- oder Musikwiedergabelisten, aber auch To-do-Listen.

Praktische Lauscher

Die Sprachassistenten – ob von Google, Amazon oder Apple – sind zweifelsfrei sehr praktisch! Allerdings darf man eines nicht verdrängen: Mit jeder Bestellung holt man sich freiwillig ein lauschendes Gerät ins Haus. Jedes Wort, das gesprochen wird, wird erlauscht. Ginge es nur um die Diensteanbieter, wäre das noch halb so wild. Aber ein Blick ins mediale Umfeld zeigt, dass die Nachrichten voll von Sicherheitslecks sind. Kein Sprachassistent ist bisher sicher vor Cyberangriffen – geschweige denn vor staatlicher Überwachung.

Die Datenschutz-Zweifel sind keine Banalität. Die Hersteller werden sich damit auseinandersetzen müssen. Denn seit Edward Snowden haben sich Gedanken um Privatsphäre sowie Datensicherheit in die Köpfe der Verbraucherinnen und Verbraucher gesetzt. Das wird mit Kaufzurückhaltung bei lauschenden Geräten gestraft – so interessant die Technik auch ist.

Noch antworten viele Hersteller mit einem Achselzucken: es gibt schließlich noch genügend Verbraucher, die die Geräte bedenkenlos verwenden. Ein zunehmender Bevölkerungsanteil jedoch zeigt sich kritisch. Dass Voice first unter den gegebenen Voraussetzungen nicht dieselben Chancen hat wie Mobile first, sollte klar sein.

Mich persönlich würde es brennend interessieren, die Sprachsteuerungen auszuprobieren. Noch bin ich jedoch keineswegs bereit, mein Leben mit einer Maschine zu teilen und nicht nur ihr, sondern auch dem Großkonzern dahinter und wer weiß, wem noch meine persönlichen Details anzuvertrauen. Wie ist das bei dir?

Lebst du längst mit einer Sprachsteuerung? Für welche hast du dich warum entschieden? Hast du auch Sicherheits- und/ oder Datenschutz-Bedenken? Diskutiere mit uns auf Facebook!


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3 Kommentare

  • Irgendwer sagt:

    Bezüglich dem Artikel 2017 – das Jahr der Sprachsteuerung von Bianca Wellbrock

    Die liebe Dame zählt richtigerweise den Einbruch und die Missbrauchmöglichkeiten dieser Geräte in die Privatsphäre zumindest teilweise auf.
    Das Lustige daran ist allerdings der letzte Satz … diskutiere mit uns auf FACEBOOK … praktisch eine Aufforderung zum beenden der Privatsphäre.

  • Anonym sagt:

    Jahaaha..
    Und um hier antworten zu können, ist Name und emailadresse ein Pflichtfeld 😉

    • Andreas sagt:

      Ist leider notwendig um den Kommentarspammern, die im Netz unterwegs sind, halbwegs Einhalt gebieten zu können. Und natürlich um unsere Welteroberungspläne realisieren zu können. Aber keine Sorge, du bist ja „Anonym“. 😉 Andreas

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