Smartphones für Kinder – Worauf muss ich achten?

Eltern sollten darauf achten, auf den Smartphones altersgerechte Apps zu installieren, die für ihr Kind geeignet sind.

Eltern sollten darauf achten, auf den Smartphones altersgerechte Apps zu installieren, die für ihr Kind geeignet sind. (Bild: „the little girl.. technology spoil Girl“ von daveynin, Lizenz: CC BY 2.0)

Nach der Diskussion über Smartphones für Kinder zeigen wir euch nun, mit welchen Kniffen das Smartphone in Kinderhänden vom Fluch zum Segen wird.

In der Diskussion, die ich mit meinem Conrad-Redaktionskollegen Alex über Smartphones in Kinderhänden geführt habe, wurde deutlich, dass Medienkompetenz das Geheimnis ist: es bringt nichts, Technik für Kinder zu verteufeln, da Technik nicht nur allgegenwärtig, sondern sehr nützlich ist.

Kinder können lernen, sich verabreden, Eltern wissen, wo ihre Kinder sind – kurzum: Smartphones sind einfach praktisch. Vorausgesetzt jedoch, der Umgang mit den mobilen Alleskönnern verläuft verantwortungsbewusst.

Funktionen noch und nöcher

Ein Smartphone, das ausschließlich zum Telefonieren und SMS-versenden eingesetzt wird, ist kaum vorstellbar, viel zu umfangreich sind die Möglichkeiten: die mittels Klingelton, Widgets und Hintergrundbildern personalisierten Smartphones sind fast schon zum Accessoire für kreative Selbstdarstellung geworden.

Der MP3-Player ist mit an Bord, Kamera, Spielkonsole, TV-Ersatz, mobiler Internetzugang, Ortungs- und Navigationsgerät sowie digitale Geldbörse: all das und noch mehr vereinen moderne Smartphones. Während wir Erwachsenen noch damit beschäftigt sind, die Bedienungsanleitung zu studieren, haben experimentierfreudige Sprösslinge längst den Dreh raus und erklären uns die mobile Welt.

So kann Medienkompetenz auch entstehen. Studien geben diesem Eindruck Recht: die Kommunikationswissenschaftlerin Teresa Correa von der Universität Diego Portales, Satniago de Chile, hat in ihren Untersuchungen herausgefunden, dass 30 – 40 % der Eltern von ihren Sprösslingen lernen, wie digitale Elektronik funktioniert.

„Aber alle haben ein Handy!“

85 % der 12- bis 13-Jährigen in Deutschland besitzen ein Smartphone.

85 % der 12- bis 13-Jährigen in Deutschland besitzen ein Smartphone. (Bild: „Jugendliche“ von Bankenverband – Bundesverband deutscher Banken, Lizenz: CC BY 2.0)

Eltern bekommen Probleme mit ihrer Anti-Haltung, wenn sie ihrem Kind das Smartphone vorenthalten möchten, denn es stimmt: fast alle haben ein Handy oder Smartphone.

Statista hält Zahlenmaterial bereit: 20 % der 6- bis 7-jährigen Kinder besitzen ein Smartphone. Zwischen dem 10. und 11. Lebensjahr steigt der Anteil bereits auf 57 % und gigantische 85 % der 12- bis 13-Jährigen besitzen ebenfalls eines. Es kann also nicht Sinn und Zweck sein, Kindern ein Smartphone zu verbieten, denn tatsächlich stimmt das Argument, dass so ziemlich jeder mit den mobilen Alleskönnern herumläuft.

Tatsächlich existieren auch genügend Argumente, die dafür sprechen – auf diese müssen wir nicht erneut im Detail eingehen, es reicht, wenn wir das Smartphone als Beziehungsmedium und personalisierten Alltagsbegleiter begreifen.

In unserem Artikel „Smartphones für Kinder – Fluch oder Segen?“ haben wir die Argumente für Smartphones für Kinder und die Argumente gegen Smartphones für Kinder diskutiert.

Wie aber können Eltern nun dem Wunsch des Filius nachkommen und dennoch darauf achten, dass das Smartphone sinnvoll eingesetzt wird?

Verglichen mit Fernseh-Erziehung ist Smartphone-Erziehung schwierig: zum einen, weil viele Kinder deutlich besser Bescheid wissen als ihre Eltern. Zum anderen aber auch, weil das Mobiltelefon etwas sehr Persönliches ist. Finanzielle Reglementierungen sowie Kontrollen in diesem sehr persönlichen Medium können nicht ausreichen. Eltern sollten das Gespräch suchen und gerne mit den Kindern diskutieren, um den Umgang mit dem Smartphone zu reflektieren und sinnvoll zu gestalten.

Welches Gerät ist überhaupt das richtige?

Die für Smartphones typische Oberfläche, die auf bloßes Berühren, Wischen oder Tippen reagiert, ist bereits für kleine Kinder spannend und schnell verständlich.

Die für Smartphones typische Oberfläche, die auf bloßes Berühren, Wischen oder Tippen reagiert, ist bereits für kleine Kinder spannend und schnell verständlich. (Bild: „Boys on a Plane“ von Juhan Sonin, Lizenz: CC BY 2.0)

Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Smartphone beginnt bereits bei der Geräteauswahl. Es erscheint fraglich, ob junge Kinder einen Internetzugang benötigen, bei älteren geht es hingegen kaum ohne.

Welche Bedürfnisse hat das Kind? Es macht Sinn, ältere Kinder in diese Diskussion mit einzubeziehen, um sich möglichst sachlich zu entscheiden. Jugendlichen ist es in aller Regel wichtig, Musik hören zu können und sich mit Freunden via WhatsApp oder anderen Messengern zu verabreden – mobiles Internet wird also unabdingbar.

Kleinere Kinder hingegen sollten erreichbar sein und auch mal durchklingeln können. Die eine oder andere App zum Spielen darf nicht fehlen, mobiles Internet ist jedoch kein Muss.

Nachdem das Smartphone ausgewählt und angeschafft ist, gilt es, das Gerät zu erproben und seine Möglichkeiten auch zu nutzen:

  • Sicherheitseinstellungen anpassen
  • besprechen, wann und wieso GPS, Bluetooth und WLAN ein- und ausgeschaltet werden sollten
  • Anwendungen heraussuchen, die gewollt sind, jedoch auf den Datenschutz achten (hier helfen einige Antiviren-Apps weiter, die oftmals auch Kindersicherungen inkludieren)
  • sichere Passwörter wählen und erklären, dass die Passwörter regelmäßig geändert werden sollten
  • den sorgsamen Umgang mit eigenen und fremden privaten Daten erklären
  • bei Apps auf In-App-Käufe achten und über etwaige anfallende Kosten aufklären
  • Nutzungsregeln festlegen

All das kannst du zusammen mit deinem Kind ausführen, um so gleich seine Verantwortung zu schulen. Denn Hilfsmittel wie Jugendschutz-Apps oder die Smartphone-eigenen Sicherheitseinstellungen können die Begleitung durch die Eltern keineswegs ersetzen, wohl aber effektiv umrahmen.

Nutzungsregeln idealerweise schriftlich festhalten

Im Technik-Zeitalter gehören Smartphones auch für Kinder zur üblichen Medienausstattung.

Im Technik-Zeitalter gehören Smartphones auch für Kinder zur üblichen Medienausstattung. (Bild: „Hiding place“ von Hernán Piñera, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Nachdem ihr gemeinsam die Funktionen des Smartphones erkundet habt, sollten Nutzungsregeln aufgestellt werden. Du kannst das durchaus als Vertrag sehen und es deinem Kind auch so erklären, denn somit steigt das Verantwortungsgefühl beim Sprössling: Hey, das haben wir vertraglich vereinbart.

Fairness ist auf beiden Seiten gefragt: geht dein Kind verantwortungsvoll mit seinem Smartphone um, darfst du gerne Vertrauen in dein Kind investieren. Wichtige „Vertragsregeln“ können sein: Downloads, generelles Verhalten (beispielsweise auch Ruhezeiten, in denen das Smartphone ausgeschaltet wird), Sicherheit und Datenschutz sowie Kosten.

Auch die möglichen Konsequenzen solltet ihr festhalten. Einige Ideen für einen solchen Nutzungsvertrag findest du auf frauenzimmer.de – nicht alle werden vielleicht deinen Geschmack treffen, werde selbst kreativ und wandle so ab, dass die Regeln zu dir und deinem Kind passen. Auf mediennutzungsvertrag.de kannst du zusammen mit deinem Kind solche Nutzungsverträge anlegen – setzt euch gemeinsam hin und überlegt nach Regeln, die euch beiden sinnvoll erscheinen.

Ab einem gewissen Alter, meist ab der Pubertät, wird es deinem Kind sehr wichtig sein, dass du seine Privatsphäre respektierst. Halte auch das vertraglich fest!

Heimliches Spionieren könnte das Vertrauen zerstören, dass du gerade aufbauen möchtest. Denke an den Brief, den deine Mutter damals „beim Putzen zufällig“ in deiner Jackentasche gefunden hat – dein erster Liebesbrief, wie peinlich! Heute gibt es all das eben in digitalisierter Form, also vertraue deinem Kind. Nur so wird es dich ansprechen, wenn es Probleme hat.

Vorbild sein

Kinder lernen den korrekten Umgang mit Smartphones nur dann, wenn die Eltern als Vorbildfunktionen dienen.

Kinder lernen den korrekten Umgang mit Smartphones nur dann, wenn die Eltern als Vorbildfunktionen dienen. (Bild: „Montreux #8“ von ClearFrost, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Alle Regeln und guten Vorsätze nützen übrigens wenig, wenn du selbst der Smartphone-Junkie schlechthin bist. Der letzte Tipp kann also nur lauten: sei ein Vorbild!

Die Erwartungen, die du an dein Kind stellst, können nur erfüllt werden, wenn du ihnen selbst entsprichst. Achtest du beispielsweise selbst darauf, bestimmte Nutzungszeiten einzuhalten, bleibt mehr gemeinsame Zeit mit deinem Kind, die du dafür nutzen kannst, mit ihm an die frische Luft zu gehen und gemeinsam Spaß zu haben.

Smartphone für Kinder: wie regelst du es?

Hast du noch Tipps für unsere Leserinnen und Leser? Welche Regelungen habt ihr mit euren Kindern bzw. Eltern getroffen? Gab es Stolpersteine und Überraschungen? Konntest du vielleicht auch von deinem Kind lernen?

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