Smartphone vs. Navi

Das deutsche Konsumentenmagazin der „Stiftung Warentest“ – „test“ – hat in seiner neuesten Ausgabe (6/2012) einen Vergleichstest zwischen Navigationsgerät und Smartphone abgedruckt. Dabei kommen die Redakteure zum Fazit, dass die Navigation am Smartphone bis auf kleine Abstriche in der Zwischenzeit der am Navigerät überlegen ist. Grund genug für mich als zuständigen Category Manager mich mehr mit den Hintergründen dieses Tests auseinander zu setzen und die abgedruckten Fakten zu hinterfragen.

Was mir als erstes ins Auge sticht sind die mit einander verglichenen Navigationslösungen. Während die Redakteure bei den Smartphones alle gängigen Navi-Apps mit den entsprechenden Endgeräten verwendeten, wurden bei den damit verglichenen Navigationsgeräten Produkte von Navigon, Medion, a-rival und Mio verwendet. Hier beißt sich aus meiner Sicht das erste Mal die Katze in den Schwanz, und es kommt mir so vor als ob Äpfel mit Birnen verglichen werden. Oder anders gesagt: wäre es nicht logisch die TomTom-App am iPhone mit einem TomTom Navi und die Garmin App mit einem Garmin-Gerät zu vergleichen? Überhaupt fällt auf, dass die drei Großen am deutschsprachigen Markt – also TomTom, Garmin und United Navigation (Becker & Falk) – in diesem Vergleich komplett bei den Navis fehlen. Dies ist insofern wichtig, da diese drei Marken zusammen in Österreich (und wohl auch in Deutschland) einen Marktanteil von weit mehr als 65% der verkauften Geräte haben.

Auch spannend finde ich, dass eine Marke die seit Anfang des Jahres mehr oder minder in den letzten Atemzügen liegt und die momentan am Markt befindlichen Geräte der Abverkauf des letzten Sortiments sind in diesem Vergleichstest prominent Niederschlag finden. Wurde trotz Marktführerschaft nicht getestet: TomTom VIA130Die Rede ist von Navigon, die ja bekanntlich von Garmin letztes Jahr gekauft wurden (siehe dazu auch meinen Blogbeitrag), und nun mit Beschluss von Anfang des Jahres als eigenständige Marke aufgelassen werden. Bei näherer Betrachtung macht die Berücksichtigung dann durchaus wieder Sinn, wurde ja auch die Navigon App (für viele User immer noch die beste App fürs Smartphone) getestet. Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack, wenn man fast 2/3 des Navi-Marktes außen vor lässt.

Was noch auffällt: auf die verwendete Technik wird kaum eingegangen. Oder anders ausgedrückt: es entsteht der Eindruck, dass es sich bei Smartphones und Navis um ein und dieselbe Technologie handelt, nur eben auf verschiedenen Plattformen eingesetzt. Dies stimmt leider nicht wirklich. Smartphones benutzen durch die Bank so genanntes A-GPS (Assisted Global Positioning System) bei denen die Positionsfindung mit Hilfe von Funkzellen der Handy-Provider und anderer Funkstandards (z.T. auch WLAN) Navigiert ebenso wie alle anderen Smartphones mit A-GPS: das iPhone 4s von Appleerrechnet wird, und die eigentlichen GPS-Signale auf diesen Daten aufsetzen. Dieses System funktioniert hervorragend innerorts vor allem in Ballungszentren. Je weiter man jedoch aufs Land kommt, umso ungenauer werden die ermittelten Positionsdaten, da meist am Land die nötigen Funkzellen größere Radien beschreiben. Zwar errechnen alle Smartphones eine logische Position und korrigieren somit diese Ungenauigkeit, dennoch kann es schon vorkommen, dass ein A-GPS-Gerät bei einer heiklen Kreuzung im ländlichen Gebiet den Fahrer plötzlich auf der anderen nicht gewollten Straße sieht. Navigationsgeräte dagegen verfügen über reine GPS-Chips mit meist mehr als 24 Kanälen. Somit ist immer eine gleichbleibende Qualität beim Empfang gewährt, die Genauigkeit auch außerorts gegeben.

Was weiters noch ins Auge sticht: das „test“ schreibt davon, dass man bei Smartphone-Apps Kartenaktualisierungen meist gratis mitbekommt, während dies bei Navis bis zu € 100,– kostet. Wird mit gratis Kartenupdates ausgeliefert: Garmin nüvi 1390T mit LifetimeDies mag vielleicht für die oben genannten getesteten Produkte stimmen (wobei mir schon des Längeren kein Kartenupdate um € 100,– untergekommen ist), hat aber für Produkte von Becker und Garmin keine Richtigkeit mehr. Bei beiden Marken kommen bei einigen ausgewählten Modellen so genannte LifetimeUpdates zum Einsatz – also gratis Kartenupdates ein Geräteleben lang. Und auch bei TomTom und Falk gibt es Kartenupdates um weit weniger als die geschriebenen € 100,–.

Sehr gut dagegen wird im Artikel die generelle Zukunftsaussicht und der echte Vorteil von Smartphone-Lösungen behandelt: Navigationslösungen am Handy sind bequem und bereits gut ausgeführt. Und diese Lösungen machen nur auf starken Smartphones Sinn. iPhone 4s und Samsungs Galaxy S II und S III sind gute Endgeräte für Navilösungen. Ältere Units gehen gerne einmal in die Knie, ebenso Units, die wenig internen Speicher aufweisen bzw. auf extra zu kaufende MicroSD-Cards angewiesen sind. Das beständige Nachrechnen der Navigation, der Kartenaufbau im Display und das zeitgleiche Verwalten aller anderen Anwendungen können ältere oder schwächere Geräte v.a. bei langen Reisen schnell mal in die Knie zwingen. Zudem sind einige Apps nicht für das Ausland geeignet, benötigen diese zur Kartendarstellung eine aktive Datenverbindung. Die dabei im Ausland entstehenden Roaming-Kosten sind immens. Als Österreicher weiß man daher auch, dass dies im Grenzbereich zu unseren Nachbarländern ebenso gilt.

Mein pers. Fazit: ich schätze die deutsche „Stiftung Warentest“ wirklich, und greife beständig auf deren Erkenntnisse in meiner Arbeit ebenso zurück wie auf die Artikel und Berichte des VKIs (Verein für Konsumenteninformation) in Österreich. Beim vorliegenden Artikel aber wurde aus meiner Sicht schlampig gearbeitet. Vor allem das Vergleichen von Äpfel und Birnen verfälscht den Artikel und dessen Ergebnisse. Hier bin ich definitiv besseres gewohnt. Schade, da das Thema an sich mehr als spannend ist, haben doch Navis einen fixen Platz in unserer Arbeitswelt gefunden und sind Handys gleichzeitig nicht mehr wegzudenken. Eine Symbiose aus beiden Geräten ist nur eine Frage der Zeit, und wird auch von den großen Herstellern von Navigationssystemen als die vorrangige Produktherausforderung für die kommenden Jahre gesehen.

Der vollständige Test der „Stiftung Warentest“ ist auf deren Website abrufbar. Leider ist dieser Artikel kostenpflichtig, und es ist uns leider untersagt ein pdf des Artikels online zu stellen.


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