Raspberry Pi Retro PC

Retro PC

Wie Ihr euch einen Retro PC auf Raspberry Pi Basis (im 80iger Charme) bauen könnt, zeigt euch unser Blogger Clemens Mayer von MAYER MAKES.

Irgendwann am Ende der Achtziger Jahre haben Computer begonnen sich von schicken Brotkästen (wie dem Commodore 64) in graue langweilige Kisten zu verwandeln. Die praktischen All-in-One Rechner, die jüngere Jahrgänge oft nur für klobige Tastaturen halten, sind verschwunden. In meiner PC-Sammlung finden sich dutzende hässliche Kisten in grau oder schwarz, zwar mit massiver Rechenleistung, aber ohne jeglichen Charme.

Die Computer der 8-Bit und 16-Bit Ära haben trotz ihrer Schwächen einen besonderen Platz in den Herzen der Computer-Freaks. Das Glücksgefühl nach dem Eintippen vieler Zeilen an kryptischem Code (den ich nie ganz verstanden habe) den Startbildschirm eines Spieles zu sehen, lässt sich nicht mit einem Doppel-Klick vergleichen. Obwohl die aus heutiger Sicht gähnend langsamen Computer mühsam zu bedienen waren, hatten sie doch einen ganz eigenen Charakter. Gerade die Reduktion auf das Wesentliche fehlt heutigen PCs.

Ich bin es leid graue Kisten und kantige schwarze Klötze anstarren zu müssen, mein Alltagscomputer soll wieder so cool wie damals sein.

Raspberry Pi 3 – Lautlos, Leistungstark und Linuxbasierend

Um heutige Anforderungen an Hard- und Software erfüllen zu können, brauche ich natürlich eine moderne Basis für meinen Retro PC. Die perfekte Lösung dafür ist der Raspberry Pi 3. Durch den sparsamen ARM-Prozessor lässt er sich ganz ohne aktiven Lüfter betreiben, wodurch der PC wie seine Ahnen aus den Achtzigern völlig lautlos ist. Den Raspberry Pi 3 habe ich im praktischen Raspberry Pi Set von Renkforce erworben. Darin sind nicht nur Kühlkörper und das richtige Netzteil enthalten, sondern auch eine SD-Karte mit NOOBS. Eine günstige Tastatur-& Maus-Kombination sowie ein USB-Hub werden ebenso verbaut.

NOOBS ist ein vorinstalliertes Programm, das dir dabei hilft mit wenigen Klicks dein gewünschtes Betriebssystem (z.B.: Raspbian) auf dem Raspberry Pi zu installieren. Raspbian ist eine spezielle Version von Debian-Linux, die perfekt auf den Raspberry Pi abgestimmt ist. Weil Debian und die vielen mit ihm verwandten Linux-Varianten (z.B.: Ubuntu) sehr weit verbreitet sind findest du eine gewaltige Auswahl an Software für deinen Raspberry Pi im Internet. Die wichtigsten Programme wie der Webbrowser Chromium und das Office-Paket Libre-Office sind bereits vorinstalliert, wenn du deinen Raspberry Pi mit Raspian zum ersten Mal startest.

Auf eine Festplatte verzichte ich, um den Retro PC geräuschlos zu halten, wobei mir dennoch Speicherplatz auf der SD-Karte für Programme zur Verfügung steht.Meine persönlichen Dateien sind ohnehin über das Netzwerk bzw. über das Internet aus der Cloud abrufbar. Mein Retro-PC ist in Sachen Speicherplatz also sehr modern orientiert.

Raspberry Pi 3 im Retro PC

Startknopf schnell selbst nachgerüstet

Der Raspberry Pi startet sofort jedes Mal, wenn man das Netzteil an den Micro-USB-Port ansteckt. Um diese Prozedur nicht bei jedem Start durchführen zu müssen, habe ich in die auf der Platine unbestückten Reset (RST) Anschlüße einen 2-poligen Header eingelötet. Diesen Header habe ich mit einem Kabel an einen schicken Taster aus Edelstahl angeschlossen.Wenn der Raspberry Pi heruntergefahren wurde, genügt nun ein kurzer Druck auf den Taster um ihn wieder zu starten.

Retro PC Gehäuse nach Art des Hauses

Das Gehäuse baute ich aus 3mm Polystyrol-Platten, die ich mit 3D gedruckten Teilen kombinierte.Hier zeigt der Renkforce RF 500 seine Stärken: Die Abstandshalter & Raspberry Pi Logos waren in wenigen Stunden Druckzeit fertiggestellt. Mit weissem 1,75mm PLA Filament, 200°C Düsentemperatur und ein wenig Printafix direkt auf dem 50°C warmen Alu-Heizbett produzierte der RF 500 auf Anhieb saubere Drucke.

Beim Zusammenbau musste ich aber öfter mit Feile und Dremel an den händisch zugeschnittenen Teilen nacharbeiten, damit alle Anschlüsse von aussen erreichbar sind. Meine Hände arbeiten leider nicht mit der selben Genauigkeit wie ein 3D Drucker. Mit mittelflüssigem Sekundenkleber und reichlich Kreppband wurde aus einer Ansammlung an Polystyrol- und PLA-Teilen ein Computergehäuse. Der Activator Spray ist für mich dabei zum unverzichtbaren Werkzeug geworden, denn er sorgt für volle Festigkeit nach nur wenigen Sekunden.

Mit Sprühlack aus der Modellbauabteilung und Maskierband habe ich der Tastatur und dem Gehäuse einen schicken schwarz-blauen Look verpasst. Die 3D-gedruckten Raspberry Pi Logos überdecken die originalen Windows-Symbole auf der Tastatur und das größte der drei Logos dient als Lüftungsgitter an der Oberseite des Gerätes.

Verbindung in die weite Welt – Bluetooth und Wlan

Die Tastatur ist zwar per Bluetooth mit dem Computer verbunden, aber dennoch untrennbar montiert. Die Tastatur benötigt zwei 1,5V AAA- Batterien um zu funktionieren. Die vom GPIO-Header Pin bereitgestellte Spannung von 3,3V genügt also um die Tastatur über den Raspberry Pi mit Strom zu versorgen. Der Batteriewechsel entfällt somit in Zukunft.

Der Raspberry Pi 3 verfügt im Gegensatz zu seinen Vorgängern über ein Wlan-Modul direkt auf der Platine. Ohne zusätzlichen Wlan-Dongle oder Kabelverbindung erreichen wir mühelos das Internet .

Immer Up to date: Hackerfeeling inklusive

Nach dem ersten Start ist es sehr wichtig, das Betriebssystem zu aktualisieren. Dabei lernen wir die mächtige Kommandozeile kennen und schnuppern ein wenig Retro-Feeling.

Linux-Systeme lassen sich mit der folgenden Anleitung bequem und schnell auf den neuesten Stand bringen.

  1. Drücke STRG+T
    Ein Terminal-Fenster öffnet sich und die Kommandozeile erscheint.
    Unter Raspbian steht nun am Beginn der Zeile pi@raspberrypi:
  2. Tippe folgenden Befehl ein (Achte auf Groß- und Kleinschreibung)
    sudo apt-get update
    Ein Druck auf die Eingabetaste lässt den Rechner automatisch im Internet nach Updates suchen. Benötigte Dateien werden automatisch heruntergeladen.
  3. Tippe folgenden Befehl ein (Achte auf Groß- und Kleinschreibung)
    sudo apt-get upgrade
    Bestätige den Befehl wieder mit der Eingabetaste und bestätige auch die nach einiger Zeit erscheinende Frage mit J und der Eingabetaste.
  4. Gratulation, dein Raspberry Pi ist auf dem neuesten Stand.

Allrounder mit Suchtfaktor

Alltagsaufgaben meistert der Raspberry-Pi-Retro-Pc mit Bravour und auch das bereits vorinstallierte Minecraft läuft ruckelfrei.
Die hässliche graue Kiste namens PC wird vom Schreibtisch verbannt und endlich kehrt wieder der Enthusiasmus der glorreichen Tage der Computer ein.
Anstatt die Früchte meiner Arbeit zu geniessen suche ich sofort nach weiteren Möglichkeiten den Raspberry-Pi einzusetzen, denn dieses Projekt hat in mir die Neugier geweckt. Die ersten Ideen für neue Basteleien mit dem Rechner im Kreditkartenformat schwirren bereits in meinem Kopf herum.

Gastautor:
Clemens Mayer von MAYER MAKES


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