Vom RC Buggy zum Hot Rod

RC Buggies sind schnell, hüpfen über Stock und Stein und lassen dich für kleines Geld Rennfeeling erleben. Ein riesen Spaß ist es allerdings auch fertige Modelle selbst zu modifizieren! Der Blogger Clemens Mayer von MAYER MAKES zeigt euch wie aus einem REELY Dart brushless ein Hot Rod ensteht.

Als mir Conrad Österreich anbot, mich als Maker an ihrem neuen REELY Dart brushless auszutoben, schoß mir sofort ein Gedanke in den Kopf: HOT ROD!

Schon jemals einen 2WD Buggy in einen waschechten Hot Rod umgebaut?

Kann aus einem Offroad-Boliden, der durch den Dreck heizt und spektakuläre Sprünge vollführt, ein tief liegender Straßen-Dragster werden? Wie ändert man das Fahrwerk so ab, dass auch das typische Fahrverhalten eines Hot Rods zustande kommt? Woraus baut man die Karosserie? Ihr musst wissen, 30er Jahre Fords gibt es nicht von der Stange aus Lexan.
Um alle diese Fragen zu beantworten und auch den REELY Dart genau auf seine Umbautauglichkeit zu prüfen, habe ich mich auf den Weg gemacht in den Conrad Megastore Vösendorf SCS.

Nach ein paar Überlegungen konnte ich die passenden Teile zusammentragen. Ein Teil nach dem anderen fand seinen Weg in meinen Einkaufskorb. Bei einigen Teilen wusste ich schon genau, wo sie montiert werden. Für andere hatte ich nur eine vage Ahnung, wie sie einmal eine Hot Rod Karosserie formen könnten. Die zahlreichen Kunststoffteile, die es nicht fertig zu kaufen gibt, habe ich mit dem 3D-Drucker Renkforce RF500 produziert. Daher benötigte ich auch 2 Rollen PLA-Filament.

Um eine Vorstellung von den Proportionen des Wagens zu bekommen, habe ich den Reely Dart als Schablone für eine grobe Skizze im Maßstab 1:1 verwendet. Die Position der Reifen markierte ich an ihrer zukünftigen Position mit dem Lackstift. Die Form der Karosserie und der Anbauteile habe ich freihändig skizziert um den angestrebten Look grob festzulegen.

Erste Schritte des Umbau´s

Hot Rod Modellauto

Der eigentliche Umbau beginnt damit den Reeyl Dart zu zerlegen. Die Buggy Karosserie sowie die Räder und die Federbeine werden abmontiert. Um aus dem flinken Buggy einen Straßen-Dragster zu machen, muss das Chassis deutlich tiefer liegen.

Außerdem muss die Federung für asphaltierte Straßen optimiert werden. An der Hinterachse genügt es die originalen Stoßdämpfer mit härteren Federn (Reely 1:8 Truggy Federn) auszustatten und sie in einem steilen Winkel zu montieren.Die neuen oberen Aufnahmepunkte waren bereits vorhanden. An diesen Punkten wurde vormals der Träger für den Heckspoiler des Buggys montiert. Ich musste die vorhandenen Befestigungen nur durch längere M3-Schrauben ersetzen. So konnten die Federbeine und die Halterung mit denselben Schrauben befestigt werden. An der Vorderachse war ein vollständiger Tausch der Federbeine notwendig. Im Reely Sortiment finden sich 1:10er Federbeine für Straßenfahrzeuge. Diese sind perfekt geeignet, wenn man die mitgelieferten Federn vor dem Einbau etwas dehnt. Doch die Positionierung der neuen Federung an der Vorderachse musste ich etwas eigenwillig vornehmen. Die Federn sind vertikal montiert um später hinter dem Kühlergrill fast zu verschwinden. Dadurch wird der Hot Rod Look nicht verwässert und die Achse hoch genug gehalten. So schleift sie nicht schon bei kleinsten Unebenheiten am Boden.

Von der Skizze abgeleitete Maße habe ich auf 3mm Polystyrol-Platten übertragen. Daraus wurde die grobe Form der Karosserie ausgeschnitten. Um zwei gleiche Exemplare zu erhalten, habe ich zuerst eine Platte in Form gebracht. Diese dann mit Kreppband an die 2. Platte geklebt. Die entstandene Form danach als Schablone zum Ausschneiden der 2. Seite verwendet. Eine Klebebandrolle bildet die Schablone für die Größe der Radkästen. Nach mehreren Fehlversuchen mit diversem Elektrowerkzeug habe ich die Radkästen schließlich mit der altbewährten Laubsäge ausgeschnitten. Aus 2mm Polystyrol-Platten habe ich die weitere Grundform der Karosserie geformt und sie mit speziellem Acrylkleber und Aerobond Sekundenkleber vereint. Dabei hat sich vor allem Aerobond mittelflüssig und das Fixieren der verklebten Teile mit Kreppband bewährt. Mit einer Heißluftpistole habe ich die 2mm Polystyrol-Platten langsam erwärmt und damit weich gemacht um sie in runde Formen zu biegen. Besonders belastete Stellen habe ich an der Innenseite noch mit schmalen Streifen aus 3mm Polystyrol verstärkt.

Während der Kleber durchtrocknet, habe ich aus Alu-Riffelblech Trittbretter ausgeschnitten. Diese lassen sich auch mit etwas Druck an die Rundungen des Chassis anpassen. Später werden sie mit je einer M3 Schraube am Chassis fixiert. Dafür wurde ein   ein M3-Gewinde in den Boden der Chassiwanne geschnitten.

Als Nächstes habe ich Löcher, Risse und Kratzer an der Roh-Karosserie mit Kunstharzspachtel gefüllt und geglättet. Dazu eignet sich jeder handelsübliche KFZ-Spachtel. Aber spezielle Modellbauspachtelmaßen führen zu besseren Ergebnissen bei derartig kleinen Fahrzeugen. Der Spachtel bindet sehr schnell ab, daher solltet ihr nur sehr kleine Mengen anmischen und zügig arbeiten. Ich habe leider bei meinen ersten Versuchen viel zu viel Spachtel angemischt und konnte daher einiges an Menge nicht mehr sinnvoll verwenden.

Aus einem Reststück Polystyrol habe ich Schablonen für die vorderen und hinteren Seitenscheiben angefertigt. Die damit markierten Seitenscheiben habe ich mit einer Mini Trennscheibe ausgeschnitten. Dabei sollte man immer in kurzen Schnitten vorgehen und den dabei entstehenden halb geschmolzenen Kunststoff direkt nach jedem Schnitt entfernen. Ebenfalls aus einem Polystyrol Reststück habe ich einen kleinen Halter ausgeschnitten, der auf den ehemaligen Montagepunkt des Heckspoilers aufgesteckt wird und den ESC des Modells trägt.

Um den neuen Conrad Energy 7,4V 2s Lipo mit 5000mAh im Chassis unterzubringen muss ein Haltepunkt der alten Karosserie entfernt werden.  Wenn der Spachtel völlig durchgetrocknet ist, wird die Karosserie geschliffen (Sandpapier K180-240) und mit Spiritus entfettet. Die Lackierung besteht aus einer Lage Sprühgrundierung von Tamyia und mehreren Lagen Rot (PS-2) und Rot metallic (PS-15) und einer Schicht Klarlack matt (TS-13).

Nun hat der Renkforce RF500 seinen ersten großen Einsatz. Nach dessen Absolvierung hat er bis zum Ende des Projektes kaum mehr stillgestanden und zuverlässig Teil um Teil des Reely Dart Hot Rod gefertigt. Zuerst wurde der 4 Zylinder Reihenmotor gedruckt. In seinem Inneren ist sogar Platz für Kolben und Ventile. Doch davon ist im zusammengeklebten Zustand nichts mehr zu sehen.

Die dazugehörigen Auspuffkrümmer und Rohre habe ich aus Messingprofilen hergestellt und mit einer Gasflamme, Lötfett und reichlich Lötzinn verbunden. Mit derselben Technik habe ich ebenfalls die Stoßstange an der Front produziert und später die im Video zu sehende Dragster Ampel gebaut.

Dem Motor habe ich noch einen typisch amerikanischen Luftfilter spendiert, der aus einer Filzpolierscheibe, zwei Dremel-Trennscheiben und einer winzigen Schraube besteht.
Der 3D-Druck der Zierleisten um die Fenster des Reely Dart Hot Rod hat fast die gesamte Fläche des Renkforce RF500 eingenommen. Das rechteckige Druckbett hat sich als durchaus praktisch erwiesen. Der Kühlergrill und die Lampen mitsamt ihrer Einsätze wurden binnen weniger Stunden aus weissem, rotem und orangem PLA gedruckt. Danach habe ich die Löcher für die Beleuchtung gebohrt und die Lampen mit Sekundenkleber fixiert.

Die Sonnenblende im typischen 30er-Jahre-Look und die nach vorne ausgeklappte Frontscheibe habe ich aus Messing und Polycarbonat gefertigt. Die Frontscheinwerfer entstammen einem Reely Crawler Beleuchtungskit. Mit ein paar Schnitten wurden aus einer 5-Fach-Zusatzbeleuchtung zwei typische Frontscheinwerfer im Hot Rod Stil.

Nun sieht der Reely Dart Rod wie neu aus dem Schauraum aus

Das entspricht aber ganz und gar nicht meiner Vorstellung von einem Veteranen der Landstraße, der seine Konkurrenz in einer Staubwolke stehen lässt. Der richtige Look entsteht erst mit dem „Weathering“. Das ist das künstliche Altern des Modells.

Dazu habe ich im ersten Schritt zwei Tassen kräftigen Espresso aufgebrüht. Eine Tasse für  mich und eine um die Karosserie damit einzupinseln. Dadurch wurde „Dreck“ an die schwer zu reinigenden Stellen gebracht. Danach habe ich die besonders stark beanspruchten und für Steinschlag anfälligen Stellen mit Eisengrundierung bemalt. Dabei handelt es sich um eine spezielle Farbe, die hochkonzentrierte Eisenpartikel enthält. Diese werden später unter Einwirkung einer Säure zum rasanten Rosten gebracht. In mehreren Schichten aufgebracht entsteht so ein glaubwürdiges Bild einer stark gebrauchten, abgenutzten und oft geflickten Karosserie.

Um eine möglichst realistische Beleuchtung zu erzielen, habe ich ein Carson Truck Light Kit verwendet. Denn dieses bietet mir genug Beleuchtungselemente um überzeugende Blinker, Bremslichter und auch die Innenraumbeleuchtung zu realisieren.

Als Nächstes habe ich ein 3D-gedrucktes Lenkrad auf einen kleinen Servo montiert und ein Armaturenbrett aus Conrad Holzrührspateln gemacht. Diese günstigen Spatel bestehen aus relativ schön gemasertem Buchenholz.

In dieser Form war der Reely Dart Rod auf der Maker Faire Vienna 2017 zu sehen. Doch ein paar Details habe ich nach diesem Auftritt noch ergänzt.

Aus weiteren 3D-Druck-Teilen, Lederresten und einem weiteren Servo habe ich die Fahrerin gebastelt. Sie folgt mit ihrem Blick und ihren Armen der Lenkbewegung des Fahrzeugs. Um die Arme flexibel aber auch fest genug zu machen besteht ihr „Skelett“ aus einem Stück ABS-Filament.

Hot Rod Modell von hinten

Der letzte Feinschliff

Zur Verwendung des Conrad Dieselgeräusch-Bausteins in diesem Modell musste ich ein wenig in meine Trickkiste greifen. Das Geräuschmodul ist zum Betrieb mit Bürstenmotoren ausgelegt und ändert sein Geräusch in Abhängigkeit von der Gleichstrom-Fahrspannung. Doch ein Brushless-Motor, wie er im Reely Dart verbaut ist, wird ganz anders gesteuert.
Um eine verwendbare Fahrspannung zu erzeugen habe ich ein Servo gehackt. Die Platine wird entnommen und statt des Potentiometers ein Spannungsteiler aus zwei gleichen Widerständen angelötet. Die beiden Drähte, die bisher mit den Polen des winzigen Motors im Servo verbunden waren, werden nun an die FS+ und FS- Ports des Geräuschmoduls angeschlossen.

Um den Look zu perfektionieren und die Fahreigenschaften zu verbessern, habe ich mich spontan doch noch für andere Hinterreifen entschieden. Hier ergab sich aber ein neues Problem: Die auserkorenen Reifen gehören zu einem 1:8er Truggy und ihre Sechskantaufnahme passt natürlich nicht zu den Felgenmitnehmern des Reely Dart im Maßstab 1:10. Nachdem ich mir stundenlang den Kopf zerbrochen hatte, fiel mir plötzlich ein, dass ich ja über einen RF500 3D Drucker verfüge. Mir ist wirklich lange Zeit nicht eingefallen dass ich mir passende Felgenadapter selbst konstruieren und 3D drucken könnte. Eine Online-Recherche und einige Anpassungen in Openscad und Tinkercad später konnte ich die Felgen nach dem Druck verschiedenster Versionen endlich montieren.

Stolz ergänzte ich das rostige Weathering auf den Felgen und Anbauteilen und lies den Motor kurz darauf beim Test aller Funktionen aufheulen. Spontan baute ich noch eine richtige Dragster-Start-Ampel mit LED-Beleuchtung. Am Folgetag machte mich auf den Weg zur ersten Probefahrt mit dem Reely Dart Rod. Entgegen aller Befürchtungen liegt er toll auf der Straße, vollführt beim Anfahren mit Vollgas freudig Wheelies und driftet auch bereitwillig um so manche schnelle Kurve.

Der Reely Dart Rod zaubert schon beim Blitzstart ein hämisches Grinsen in mein Gesicht. Meine Leidenschaft ist aber das Bauen und Tüfteln. Daher wird das nächste RC-Projekt bestimmt nicht lange auf sich warten lassen.

Text & Bild:
Clemens Mayer
alias MAYER MAKES


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