R.I.P. Steve Jobs

Als ich heute morgen gegen 5:00 schlaftrunken auf mein Smartphone (nicht von Apple) starrte, und mir die neuesten News aus aller Welt anzeigen ließ, stach eine Meldung sofort in meine noch getrübten Augen: „Steve Jobs gestorben“. Der von vielen als „Retter“ und „Mastermind“ des wohl berühmtesten Elektronikkonzerns der Welt titulierte ehemalige CEO von Apple ist seinem langen Krebsleiden in der Nacht vom 05.10. auf 06.10. erlegen. Auch wenn ich definitiv kein „Applehead“ bin, so hat mich Jobs seit Jahren fasziniert.

Was wäre Apple ohne Jobs wohl gewesen? Vielleicht hätte es die Firma mit dem angebissenen Apfel auch ohne ihren Visionär geschafft, und wäre zumindest in die Weltspitze der Elektronikkonzerne aufgestiegen. Aber eines wäre definitiv nicht passiert: nämlich dass ein einziger Konzern mit seinen Produkten seit Jahren die Schlagzahl in der IT-, Telekom- und Unterhaltungselektronikbranche derart vorgibt, wie dies Apple in den letzten Jahren getan hat.

Steve Jobs bei der Präsentation des MacBook Air - Photocredits: www.wikipedia.de

Egal ob iPad, iPhone, iPod oder die Generationen von Macs (Air, iMac, etc.), alle diese Produkte haben ihre Fans – und davon nicht wenige. Die Philosphie von Jobs und Co mit bester Haptik, toller Bedienung und gutem Design neben technisch anspruchsvollem und zuverlässigem Innenleben den Menschen Produkte zu bieten, die diese zumindest glauben zu benötigen ist eine Meisterleistung von Idee, Vision und vor allem guter Marketingstrategie. Jobs stieg in den letzten Jahren zur Ikone des kalifornischen Unternehmens auf, von manchen Applefans auch schon als Säulenheiliger der Branche verehrt. Er war es, dem der Erfolg der Produkte zugeschrieben wurde. Dem Vernehmen nach nicht ganz zu Unrecht, galt Jobs doch als akribischer Arbeiter und als jemand, der sich durchzusetzen wußte und nur selten echte Kompromisse zuließ. Er war überzeugt von seinen Produkten, auch wenn diese einmal nicht von den Konsumenten so angenommen wurden, wie er sich das wohl wünschte.

Vor allem aber die Verschmelzung von Hardware, Software und Content war die wohl größte Meisterleistung seiner Tätigkeit. Es ist schlichtweg genial den Konsumenten nicht bloß nur das Produkt samt Software anzubieten, wie dies andere Konzerne auch tun. Es war vor allem das Sichern von Patenten, Urheber- und Vertriebsrechten, so dass ein in sich abgeschlossenes System der Content-Beschaffung entstand, welches in der Branche eine Revolution einleitete. Dieser ganzheitliche Ansatz wurde von den Kunden entgegen vieler anfänglicher Expertenmeinungen angenommen, und machte so aus einem Konkursfall wieder ein florierendes Unternehmen.

Und noch etwas machte ihn zur Ikone: seine meist ruhige und dennoch charismatische Art öffentlich aufzutreten. Ganz im Gegensatz zum CEO von Microsoft – Steve Balmer – verzichtete Jobs zumeist auf laute und fast schon hysterische Keynotes oder Pressekonferenzen. Ruhig, das Produkt in den Mittelpunkt stellend waren die Produktpräsentationen von ihm. Die Worte, die er meistens dabei fand waren zwar vollmundig, die Art des Vortrages zurückgesetzt. Fast so, als ob er es nicht nötig habe zu schreien oder jemandem wie ein Fischverkäufer seine Idee, seine Vision anzudrehen. Auch das macht den Mythos Jobs aus. Es reichte sogar, die vielen immer wieder in den Medien genannten Mißstände in den Produktionsstätten und Zulieferbetrieben von Apple zu überdecken. Jobs konnte selbst das überstrahlen – während andere Unternehmen schon längst gegensteuern hätten müssen, und Millionen für Imagekampagnen ausgeben müßten, nahm Apple einfach seine Ikone, und ließ diese unbeirrt dahinwerken, und so die vielen regelmäßigen kritischen Anmerkungen zu Arbeitsbedingungen, Geschäftspraktiken und dergleichen verstummen.

Wir ziehen jedenfalls unseren Hut vor einem der ganz Großen im Geschäft. Man muss eben kein Applehead oder Jünger einer nicht näher definierten Religion rund um all die oben genannten Produkte sein, um dennoch Respekt für das Lebenswerk von Jobs zu empfinden.