„Pepper“: die Roboter kommen

Sagenhafte 1.000 Exemplare seines Roboters „Pepper“ hat das japanische Kommunikationsunternehmen SoftBank verkauft – innerhalb einer Minute! Sind Roboter alltagstauglich geworden?

Pepper: humanoider Roboter mit komplexer Technik

Vor einen guten Jahr kündigte das japanische Kommunikationsunternehmen „SoftBank“ mit „Pepper“ einen Roboter-Boom an: wenn Pepper kommt, solle es kein Halten mehr geben. Mittlerweile ist Pepper da. Günstiger, als bei der Vorstellung anvisiert. Und erfolgreicher, als man wohl angenommen hätte: binnen einer Minuten waren die 1.000 Exemplare restlos ausverkauft!

Offenbar fanden sich 1.000 Menschen, die bereit waren, umgerechnet rund 1.400 Euro für den humanoiden Helfer hinzublättern. Jedoch existieren auch Folgekosten: rund 180 Euro geben die stolzen Pepper-Besitzer zusätzlich für Garantieleistungen sowie Cloud-Services aus. Immer noch ein recht humaner Preis, wenn man bedenkt, dass „Pepper“ ein echter Alltagshelfer ist und voll mit technischen Raffinessen ausgerüstet wurde!

Roboter zeigt sich emotional

Ziel war es für die SoftBank, einen „emotionalen“ Roboter zu kreieren. Das, was die SoftBank als „Gefühle“ bezeichnet, ist natürlich nichts anderes als Algorithmen. Die jedoch lassen den kleinen Pepper emotional erscheinen: Pepper soll gelernt haben, anhand unserer Stimme und unserer Mimik Emotionen zu erkennen und darauf zu reagieren. Mehr als 200 Apps hat die SoftBank für Pepper bereits im App-Store hinterlegt; bislang steht das meiste ausschließlich in japanischer Sprache bereit.

Pepper sei laut SoftBank „glücklich“, wenn er mit Menschen reden kann und er soll seine Fähigkeiten mit der Zeit weiter ausbauen können, sodass kein Pepper-Roboter mehr dem anderen gleicht. Im Haushalt packt der Elektro-Freund jedoch nicht mit an. Tatsächlich wird Pepper als eine Art Gefährte, als technischer Freund verkauft. Was so ein Gefährte alles kann, zeigte SoftBank in einer Präsentation:

Roboter erobern unseren Alltag

Pepper ist deshalb so außergewöhnlich, weil er der erste Roboter ist, der gar nicht das Ziel verfolgt, zum Alltagshelfer zu werden. Die SoftBank möchte auf emotionaler Ebene ansetzen. Auf helferischer Ebene sind die Roboter bereits unter uns: erst halfen sie in der Industrie und waren gute Forschungsassistenten, mittlerweile erobern sie auch den privaten Alltag.

Saug- oder Mähroboter sind bereits in Wohnzimmer und Vorgärten eingezogen; insbesondere die Saugroboter kosten nur noch wenige hundert Euro. Noch sind Roboter Spezialisten: würdest du deinen Saugroboter in den Vorgarten setzen, sähe er dort wohl ziemlich verloren aus. Erste Kombinationen existieren jedoch schon; mit dem nötigen Kleingeld kannst du dir einen wischenden Saugroboter zulegen. Auch Pepper ist ein Spezialist – nur eben fürs Emotionale, nicht zum Verrichten einer bestimmten Aufgabe. Während diese Roboter zweifelsfrei ihre Berechtigung haben, existieren auch immer mehr spezialisierte Modelle, die eher nach PR-Gag aussehen.

Beispielsweise der 8 Kilo schwere Roboter „Tomatan“: er nimmt auf den Schultern von Sportlern Platz, um sie während des Laufens mit Tomaten zu füttern. Damit es auch nicht zu Verwechslungen kommt, ist „Tomatans“ Kopf wie eine Tomate gefüllt. Auf dem Rücken trägt der Roboter selbst das rote Gemüse – Nachschub muss sein!

Tomatan

Der Tomaton Robert füttert seine Besitzer, während des Laufens, mit Tomaten. (Screenshot: Meet Tomatan, a wearable robot that feeds you tomatoes as you run)

Roboter als Kameraden

In Industrie und Medizin kaum wegzudenken, beschränken sich Roboter, die wir privat nutzen können, also noch auf recht einfache Aufgaben. Die Optik ist entsprechend zweckgebunden; das Menschliche, das „Pepper“ auch optisch auszeichnet, geht Mäh- und Saugrobotern gänzlich ab. Von „Rosie“, der sympathischen Roboter-Gehilfen aus dem 60er-Jahre-Zeichentrick „Die Jetsons“ sind wir leider noch weit entfernt.

Witzige Ansätze gibt es jedoch schon. Kennst du WowWee MiP? Die Spielzeug-Roboter-Familie kannst du über eine App steuern. Der kleine Roboter bewegt sich ähnlich wie du es von einem Segway kennst; er balanciert sich über zwei Räder aus. Bis zu 50 Befehle merkt sich MiP im Trick-Modus, im Track-Modus verfolgt MiP beliebige Objekte und im Erkundungs-Modus entdeckt der Roboter die Welt. Eine bereits begeisterte Community („MiPsters“) erlaubt viel gemeinsame Aktivität mit dem Roboter, den es auch im Saurier- und Hundeformat gibt.

Da MiP sein Körpergewicht mit Leichtigkeit trägt, kann er hier und da auch hilfreich sein: sitzt du gerade so gemütlich und der Durst übermannt dich, kann MiP das Getränk für dich tragen. Zwischen den Community-Mitgliedern finden auch Wettrennen gegen Hunde, Drachenflug-Action und weitere Highlights statt. Reicht dir der Spielzeug-Roboter nicht, kannst du deinen Roboter auch selbst basteln.

mip Roboter WowWee

Der Spielzeug – Roboter WowWee hat schon viele Fans gefunden. (Screenshot: MiP Self Balancing Robot Friend by WowWee. Hands-On Review)

Die Zukunft: Alleskönner Roboter

Die Zukunft möchte keine Spezialisten mehr. Der Weg geht eher dahin, dass ein Roboter sowohl im Alltag als auch emotional unterstützt. Ein in Entwicklung befindlicher Kandidat dafür ist „Mahru-Z“, ein Haushaltsroboter, der vom Korea Institut für Wissenschaft und Technik realisiert wird. Vom Zubereiten der Speisen übers Servieren bis hin zum Putzen zeigt sich dieses Helferlein schon deutlich vielseitiger.

Viel realistischer wirkt diese hübsche Roboter-Dame: ActroidDER wurde von der Carnegie Mellon-Universität entwickelt. In knallengen Jeans und mit ordentlich Stahl unter der Bluse macht sie optisch ordentlich was her, funktional beschränkt sich ihr Tun jedoch auf hübsch sein. Einer von vielen Roboter-Zwischenstufen, sozusagen: was ist alles möglich?

Ein bisschen gruselig mag dem einen oder anderen „Bina48“ vorkommen: der Roboter besteht nämlich aus einem Kopf auf Schultern. Hanson Robotics hat den quasselnden Kopf entworfen, um eine Art Unsterblichkeit zu erreichen – Mensch soll mit Maschine verschmelzen. Dass das funktioniert, und zwar in ziemlich menschlicher Optik, wenn man davon absieht, dass der Roboter nur aus Kopf und Schultern besteht, zeigt dir dieses Video, in dem die New York Times „Bina48“ interviewt:

Es dauert noch, bis Roboter universell einsetzbar werden. Noch sind Roboter Spezialisten, die optisch nichts oder wenig mit uns Menschen gemein haben. SoftBank hat es hingegen geschafft, sich auf emotionale Komponenten zu stürzen: Pepper schaut dich mit großen Augen an und erkennt, was du fühlst. Wenn sich nun langsam alles vereint – der Rasenmäher, der Staubsauger, der Emotionale und bitte noch mehr funktionales – kommen wir dahin, wo wir doch alle sein wollen: wir haben daheim einen Freund, der uns die Hausarbeit abnimmt.

Vielleicht kann er bei der Gelegenheit auch gleich selbstständig für uns tanken, beim Prepaid-Handy rechtzeitig Guthaben aufladen oder Musik machen – ich jedenfalls würde mir einen solchen Allrounder gerne zulegen!


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