Für Modellbau Speedjunkies: Jetmodelle mit Turbinenantrieb

Windschnittig und extrem robust gebaut sind die Modelljets.

Windschnittig und extrem robust gebaut sind die Modelljets. (Bild: Rookie Meeting 2013 Gnas – 70 von mt.photographie ; Lizenz: CC BY-SA 2.0).

Düsenjet-Sound und Geschwindigkeitsrekorde vom Feinsten – das ist die Welt der Turbinenjets!

Beim Stichwort Modellflieger dachtest du bislang an großflächige Segler oder benzinbetriebene Doppeldecker im Retro-Stil? Dann solltest du unbedingt weiterlesen, um dich ganz schnell von diesem Klischee zu verabschieden. Im Modellflug geht es nämlich nicht nur um entspanntes Segeln oder gemächliches Dahingleiten.

Für alle, die es etwas rasanter lieben, sind Jetmodelle das Maß aller Dinge. Deren äußerst schnittige Form ist auf geringsten Luftwiderstand ausgelegt. Je nach Antrieb schießen die Modelljets dann auch mit Geschwindigkeiten über den Platz, die alle in Staunen versetzen. Was nötig ist, um die 300km/h- Grenze zu durchbrechen, erfährst du hier.

Schnittig und robust – die bekanntesten RC Jetmodelle

Zum einen gibt es Jets, die keinem realen Modell nachempfunden sind. Bekannte Vertreter dieser Kategorie sind zum Beispiel die Modelle Hotspot von Graupner, Rookie von CARF,  Harpoon von Grauper und Futura Jet von Tomahawk. Diese Modelle sind vor allem für Jet-Einsteiger gut geeignet. Die Scale-Jets wiederum sind maßstabsgetreue Nachbauten realer Jets. Sehr beliebt sind Eurofighter, SU-27, F14, F15, F16, kurzum alle bekannten Jetmodelle. Im Video seht ihr einen F14-Modelljet – unbedingt den Sound anschalten!

Die meisten Jet-Rümpfe werden aus Glasfaser (GFK) gefertigt, um die maximale Stabilität zu erreichen. Flächen werden auch aus GFK oder in Sandwichbauweise mit Holzbeplankung gefertigt. Über die massivste Bauweise verfügen Modelle aus Kohlefaser (CFK). Diese sind aktuell aufgrund der Preislage allerdings noch sehr selten anzutreffen.

Die meisten Modelljets besitzen ein Einziehfahrwerk. In der Regel wird dieses pneumatisch (mit Druckluft) betrieben. Der Trend geht hier zum elektrischen Einziehfahrwerk. Ein starres (nicht einziehbares) Fahrwerk stellt einen hohen Luftwiderstand dar, den man natürlich möglichst vermeiden will. Auch echte Jets verfügen über ein Einziehfahrwerk, was von manch einem in liebevoller Detailarbeit nachgebaut wird. Die meisten Fahrwerke verfügen außerdem über eine Bremsanlage. Der Restschub der Turbine würde ansonsten verhindern, dass das Modell auf einer Teerpiste zum Stillstand kommt. Die Bremskraft erlaubt, das Modell innerhalb kürzerer Zeit zum Stehen zu bringen. Doch das sind nicht die einzigen Aspekte, die den Jet-Modellflug von anderen Modellflugsparten unterscheiden. Auch beim Antrieb der Jetmodelle gibt es einige Besonderheiten.

Der Antrieb: Modellturbinen

Dank Modellturbinen können die Piloten auch den original Kerosinduft schnuppern.

Dank Modellturbinen können die Piloten auch den original Kerosinduft schnuppern. (Quelle: „Miniature jet turbine“ von Wikipedia, Lizenz: CC BY 2.5)

Viele Modelljet-Piloten wollen beim Start ihres Jets auch den Kerosinduft schnuppern – eben wie im Original. Unter anderem deshalb verbauen sie in ihren Jets sogenannte Modellturbinen. Dabei handelt es sich um Gasstrahltriebwerke mit einer durchschnittlichen Schubkraft von 80 bis 160 N (Newton).  Turbinenschubkräfte werden in Newton gemessen. 10 Newton entsprechen 1 kg. Ein Jet mit 80 N hat zum Beispiel die Kraft, 8 kg senkrecht zu heben. Kleinstturbinen leisten einen Schub von 15 bis 35 N. Diese lassen sich auch in Schaummodelle wie den bekannten Funjet von Multiplex  einbauen. Turbinen für Großmodelle können bei weitem mehr als 220 N Schub liefern. Namhafte Hersteller von Modellturbinen sind Jetcat, Frank Turbine und Jet Central.

Als Treibstoff wird Kerosin (Jet A 1) oder alternativ Petroleum oder Diesel verwendet. Normale Tankgrößen bewegen sich zwischen 2-3 Litern (im Fall einer 80-220 N -Turbine) und ergeben Flugzeiten zwischen 5 und 8 Minuten. Einige Turbinen benötigen zum Start Gas (Gasstart). Diese Turbinen laufen dann bis zu einer gewissen Drehzahl und Temperatur mit Gas und stellen dann auf Kerosin um. Neuere Turbinen sind mit einem Kerosinstart ausgerüstet, der es ermöglicht, direkt mit Kerosin zu starten (Kerobrenner, Kerostart). Wer die Gelegenheit hat, den Start eines solchen Turbinen-Jetmodells zu sehen, sollte sich diese auf keinen Fall entgehen lassen!

Eine echte Herausforderung: Die Steuerung des Jets

Die Besonderheit bei diesen Modellen ist, dass Strahltriebwerke nicht sofort auf voller Leistung sind.  Sie weisen eine gewisse Verzögerung beim Beschleunigen und Herunterfahren auf. In Gefahrensituationen oder wenn gerade Leistung benötigt wird, muss daher bereits vor dem Manöver der Schub erhöht werden, so dass rechtzeitig genügend Leistung vorhanden ist. Eine weitere Herausforderung für den Piloten ist die hohe Geschwindigkeit der Jetmodelle. Diese setzt eine gute Reaktion und ein gewisses Feingefühl bei der Steuerung voraus. Die Bandbreite liegt hier von Werten um die 80km/h bis hin zu rekordverdächtigen 500km/h. Durchschnittliche Jets können mit um die 300 – 350km/h aufwarten. Im Video seht ihr den Geschwindigkeitsrekord von 709 km/h – damit schaffte es der Pilot in das Guiness Buch der Rekorde!

Als Zuschauer eines Jetflugs wird man sehr schnell feststellen, dass es äußerst schwierig ist, dem Jet bei solchen Geschwindigkeiten mit dem Auge zu folgen. Ein solches Modell zu steuern, wirkt da erst recht unmöglich. Als Modellflug-Anfänger sollte man sich daher erst einmal an einfachere und vor allem langsamere Modelle halten. Selbst Profis im Jetmodellflug benötigen höchste Konzentration für diese anspruchsvolle Leistung. Da wird auch klar, dass die Flugzeit von maximal 8 Minuten ausreicht: Dann ist nicht nur der Tank des Modells leer, sondern auch der Pilot bzw. dessen Konzentrationsfähigkeit braucht eine Pause. Dass es ein unglaublich tolles Gefühl ist, ein solches Modell zu steuern, ist wohl klar. Die Begeisterung für den Jetflug ist den Piloten anzusehen – da wird man schnell neidisch!

Besondere Sicherheitsvorkehrungen für Turbinenjets

Aus Sicherheitsgründen hat jeder einen zweiten, ebenfalls erfahrenen Jetpiloten bei sich.(

Aus Sicherheitsgründen hat jeder einen zweiten, ebenfalls erfahrenen Jetpiloten bei sich. (Quelle: „Ebenheid – Flugtag 3013 17“ von Carsten Frenzl, Lizenz: CC BY 2.0)

Die im Modell verbaute Turbine erfordert besonders umsichtiges Vorgehen. So muss bei jedem Turbinenstart wegen der erhöhten Brandgefahr ein Feuerlöscher griffbereit sein. Außerdem muss eine zweite Person anwesend sein. Die meisten Jetpiloten haben hier einen mindestens ebenso erfahrenen Jet-Flieger neben sich. Bei extremer Trockenheit kann das Fliegen mit Turbinenmodellen sogar komplett untersagt werden, um Feldbrände zu verhindern. Jetmodellbau erfordert generell ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Genauigkeit – sowohl bei der Wartung der Turbine als auch während des Flugs.

Fazit

Der Jetflug gehört mit Sicherheit zu den extremsten Sparten des Modellflugs. Hier ist nicht nur ein gutes Auge und entsprechende Flugerfahrung gefragt. Auch regelmäßiges Fliegen mit dem Jet muss sein, um nicht aus der Übung zu kommen. Im Gegensatz zu Seglern oder langsamen Schaummodellen ist ein Jet kein Modell, welches man schnell für einen Feierabendflug auf der Wiese nutzt. Ein Jetmodell gehört unbedingt auf einen Flugplatz. Dort aber wird man als Jetpilot schnell die Aufmerksamkeit der Kollegen und Besucher auf sich ziehen. Auch bei Flugtagen sind Jetpiloten gern gesehene Gäste – ihre Flugshows sind unglaublich spektakulär. Diese Sparte des Modellflugs erfreut sich denn auch steigender Beliebtheit. So finden bereits eigene Veranstaltungen speziell für Jetpiloten und auch verschiedenste Meisterschaften im Jetflug statt. Sollte ein solches Event in eurer Nähe geplant sein, dann nichts wie hin!


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