Löten – wie macht man das?

Löten - aller Anfang ist schwer und noch ist kein Meister vom Himmel gefallen. Wir geben Tipps für den Einstieg.

Löten – aller Anfang ist schwer und noch ist kein Meister vom Himmel gefallen. Wir geben Tipps für den Einstieg.

Löten – aller Anfang ist schwer und noch ist kein Meister vom Himmel gefallen. Um dir den Start in die Welt des Lötens zu erleichtern haben wir in diesem Artikel die wichtigsten Fakten und Basics zusammengetragen.

Zunächst einmal benötigst du zum Löten einen Lötkolben – logisch, oder? Um dir die Auswahl leichter zu machen, schau dir diesen Artikel samt Video an, und entscheide dich anschließend für das Modell deiner Wahl.

Welches Lötzinn soll ich verwenden?

Genauso wichtig wie ein guter Lötkolben ist das Lötzinn selbst. Da das Lötzinn die Verbindung zwischen den elektrischen Bauelementen herstellt und somit für eine gute mechanische und elektrische Verbindung sorgt, solltest du hier nicht an der falschen Stelle sparen.

In der Hobbyelektronik verwendet man meist Lötzinn mit 60 % Zinn und 40% Blei. Diese Legierung schmilzt schon bei etwa 180 Grad. (Bild: Screenshot „Löten für Tekkies: Lötkolben & Lötstation im Vergleich – Tekkie Hacks“ von Conrad Electronic)

Gute Lote kommen von Stannol oder Fluitin und sind Noname-Produkten mit unbekannter Legierung und Flussmittelanteil in jedem Fall vorzuziehen.

Das Lötzinn hat die Aufgabe eine stoffschlüssige Verbindung zwischen den zu verlötenden Teilen herzustellen. Dafür sind Eigenschaften wie ein niedriger Schmelzpunkt, ein hochwertiges Flussmittel und schnelles Erstarren notwendig.
Im Gegensatz zur Industriellen Anwendung sind bleihaltige Lote im Privatbereich noch erlaubt: Sie lassen sich leichter löten und bei niedrigeren Temperaturen verarbeiten, was sie für Anfänger und Hobbylöter ideal macht. Die meisten käuflichen Lote sind flussmittelhaltig, das heißt sie besitzen eine Seele die mit dem Flussmittel gefüllt es. Dies erleichtert das Löten und verbessert durch Benetzung den Wärmeübergang zu den betreffenden Bauteilen.

Welche Materialstärke des Lotes braucht es nun?

Löten Zubehör

Das Bauteil muss an der Lötstelle heißer als die Schmelztemperatur des Lötzinns werden. Probleme bereiten sehr große Metallflächen mit guter Wärmeleitung, weil der Lötkoben sie nicht ausreichend erhitzen kann. (Bild: Screenshot „Grundlagen Löten – Teil 1“ von Kondensatorschaden)

Die Materialstärke des Lotes hängt von der Anwendung ab. In der Praxis hat sich 0,8 mm Lot für universale Arbeiten bewährt. Wer hauptsächlich Kabel verzinnt, wählt ein dickeres Lot, für filigrane Arbeiten auf Platinen gern ein feineres, etwa 0,5 mm. Für SMD Lötarbeiten empfehlen sich Lote um die 0,2 mm Stärke.

Auf die Lötspitze kommt es an!

Lötspitzen gibt es in unterschiedlichen Formen. Verbreitet sind zum Beispiel runde kegelförmige und flache Spitzen. Die meisten Lötkolben haben austauschbare Spitzen. (Bild: Screenshot „Grundlagen Löten – Teil 1“ von Kondensatorschaden)

Wie bei der Auswahl des passenden Lötzinns gibt es auch für die verschiedenen Arbeiten diverse Formen an Lötspitzen.
Meißelförmige Spitzen eignen sich besonders gut zum Verzinnen von (starken) Kabeln.

Bleistiftspitzen sind  universeller einzusetzen. Auch hier ist man für den Anfang mit einer 0,8 mm oder 1,0 mm Spitze gut beraten. Für SMD Arbeiten darf es auch gerne kleiner sein. Der englischsprachige Begriff surface-mount device SMD bedeutet übersetzt oberflächenmontiertes Bauelement. SMD ist ein Fachbegriff aus der Elektronik. SMD-Bauelemente haben keine Drahtanschlüsse, sondern werden mittels lötfähiger Anschlussflächen direkt auf eine Leiterplatte gelötet.

Mit 0,6 mm lassen sich größere SMD Bauformen wie die USB Buchse des Handys noch passabel verarbeiten, während die kleinsten Bauteile oder feinsten Pins eines ICs noch kleinere Spitzen mit bis zu 0,2 mm erforderlich machen. Darunter endet in der Regel die Fähigkeit des handgeführten Lötens, ab hier müssen Maschinen übernehmen.

Wie verzinne ich ein Kabel richtig?

Das Verbinden von Kabeln und Bauteilen stellt bei vielen Hobbyanwendern die Hauptaufgabe des Lötens dar, dennoch ist es gut zu wissen, wie man Kabel richtig verzinnt und verlötet.

Das Verzinnen dient in erster Linie dazu, flexible Kabel mit starren Enden zu versehen, um diese in Schraub- oder Steckerverbindungen wie Wagoklemmen und Lüsterklemmen anschließen zu können, oder sie in einer Platine richtig zu verlöten. Ein ideal verzinntes Kabel ist vollständig mit Lötzinn benetzt, jedoch mit gerade so viel wie nötig ist. Was braucht man zum korrekten Verzinnen von Kabeln?

Eine Dritte Hand (auch Löt- und Montagehilfe) dient der Hilfe beim Löten in der Elektronik. (Bild: Conrad Electronic Online Shop)

Wir beginnen damit, das Kabel auf passender Länge abzuisolieren. In der Praxis sind ca. 8,0 mm ein gutes Maß. Zum Abisolieren kann man eine spezielle Abisolierzange, eine einfache Kneifzange oder ein Messer verwenden, dabei jeweils auf die Arbeitssicherheit achten. Ist das Kabel auf gewünschter Länge abisoliert, verdrillen wir die Adern zwischen den Fingern. So lassen sie sich einfacher Handhaben und spreizen sich beim Verzinnen oder einstecken nicht auf.

Anschließend spannen wir das Kabel in die dritte Hand ein. Je dicker das Kabel ist, desto mehr Hitze muss dem Kabel zugeführt werden, und Kupfer ist ein sehr guter Wärmeleiter. Damit wir uns nicht die Finger verbrennen und das Kabel vor Schreck fallen lassen, bietet sich eine dritte Hand gerade bei starken Kabeln an.

Nun sind alle Vorbereitungen getan, der Lötkolben kommt ins Spiel. Bei Kabeln unter 1,0 mm² im Durchmesser kann man der Einfachheit halber auch eine größere Spitze im Bleistiftformat (1,0 mm) verwenden, bei größeren Kabeln lohnt der Wechsel zur Meißelspitze. Diese hat dann der flachen Seite eine bessere Wärmeübertragung und erhitzt das Kabel folglich schneller.

Beim Verzinnen soll die heiße Lötspitze etwa gleichzeitig mit dem Lötzinn an den Draht gebracht werden. (Bild: Screenshot „Löten für Tekkies: Lötkolben & Lötstation im Vergleich – Tekkie Hacks“ von Conrad Electronic)

An die Spitze des Lötkolbens geben wir nun einen Tropfen neues Lötzinn, da das Enthaltene Lötzinn den Wärmeübergang zum Kabel deutlich verbessert. Nun halten wir die Spitze an das zu Verzinnende Kabel und warten einen kurzen Moment ab. Das Kabel ist auf Temperatur, wenn das Lötzinn an den Kupferlitzen selbst schmilzt, und nicht nur am Lötkolben.  Stimmt die Temperatur, fließt das Lötzinn von selbst zwischen die einzelnen Litzen und benetzt diese. Die Struktur der verdrillten Litzen sollte nach dem Verzinnen noch zu erkennen sein, dann hast du alles richtig gemacht.

Sollen nun zwei Kabel miteinander verlötet werden, werden zunächst beide Kabel ausreichend verzinnt. Im nächsten Schritt den Schrumpfschlauch überschieben (nach der Lötung unter Umständen nicht mehr möglich) und so weit wie es geht von der Lötstelle wegschieben, damit er sich nicht vorzeitig zusammenzieht.

Jetzt platzieren wir beide Kabel in der Dritten Hand so, dass die Lötstellen parallel zu einander sind, und sich auf größtmöglicher Fläche berühren. Nun von unten mit dem Lötkolben aufheizen bei das Lot zu schmelzen beginnen, dann frisches Lot zugeben bis der Spalt zwischen den Kabeln gut sichtbar verschlossen ist.
Die fertige Lötstelle nun ein paar Minuten abkühlen lassen, den Schrumpfschlauch überschieben und mit dem Feuerzeug zusammenschrumpfen. Fertig.

Wie löte ich eine Platine?

Nach den ersten Gehversuchen mit luftverdrahteten Bauteilen steht in der Regel das Löten auf einer Platine an. Egal ob es dabei um eine Reparatur eines Elektrogerätes oder einer Eigenentwicklung geht, die Handhabung von Platinen ist immer ähnlich.

Löten - Platine

Bei fertigen Bausätzen mit Platinen kommen die meisten Fehler durch schlechte Lötstellen und durch das Löten beschädigte Bauteile (Bild: Conrad Electronic, alle Rechte vorbehalten)

Wir gehen davon aus, dass es sich in diesem Fall um eine neue Lochrasterplatine handelt, oder das alte Bauteil schon aus der Platine entfernt wurde. Zunächst muss als das Bauteil oder das zuvor bereits verzinnte Kabel durch das entsprechende Lötauge gesteckt werden – so heißen die Kupferpunkte aus der Platine, die keine Leiterbahnen darstellen. Eine Lochrasterplatine besteht also nur aus Lötaugen, während eine industrielle Platine solche nur an den für Bauteilen benötigen Stellen besitzt.

Ist das Bauteil an Ort und Stelle, muss es fixiert werden. Entweder man hält es mit der Pinzette fest, biegt die Beine um oder klemmt es über die dritte Hand an Ort und Stelle fest.
Nun setzt man auch hier den Lötkolben an, eine runde Bleistiftspitze ist hier gefragt. Diese erhitzt nun zunächst nur das Lötauge, ein wenig Lötzinn hilft auch hier. Sobald das Lötzinn schmilzt und sich mit dem Kupfer verbindet, drücken wir den Lötkolben auch gegen das Bauteilbein und warten einige Sekunden bis auch dies heiß geworden ist. Nun frisches Lötzinn an das Bein geben und warten, bis sich das Lötzinn flächig auf dem gesamten Lötauge verteilt hat. Dann sollte sich das Lötzinn auch am Bein des Bauteils oder des Kabel „hochzugezogen“ haben. Dicke Pfropfen oder ringförmige Ausbildungen auf dem Lötauge zeugen von mangelhafter Verbindung zwischen den beiden Teilen.

Übung macht den Meister!

Lötübung

Ein Kennzeichen einer Lötverbindung ist die Intermetallische Verbindung. In dieser dünnen Schicht bilden der Grundwerkstoff und das Lot eine Legierung und gehen eine feste Verbindung ein. (Bild: Conrad Electronic, alle Rechte sind vorbehalten)

Wie bei allen Handwerken, ist es auch beim Löten eine Frage der Übung, bis Lötstellen auf Anhieb gut gelingen. Gerade mit alten, oxidierten Kabeln oder Platinen die mit grünem Schutzlack behandelt wurden, macht man sich als Anfänger das Leben unnötig schwierig.

Hier empfehlen wir neues Material zu verwenden, um daran die grundsätzlichen Fähigkeiten zu erlernen. So stupide es auch klingen mag:

Am besten eine kleine Rolle Litzenkabel kaufen, und jeweils ein kurzes Stück abisolieren und anschließend komplett abschneiden. Hiervon etwa 50 Stück als Übungsmaterial anfertigen. Als nächstes kommt nun die Platine ins Spiel: die vorbereiteten 50 Kabelenden jeweils in ein Lötauge einlöten. Du wirst feststellen, spätestens nach der Hälfte der Kabel sollte es dir deutlich besser gelingen.

Wenn du es dir zutraust, kannst du nun kleinere Bausätze aus unserem Sortiment in Angriff nehmen, und diese Aufbauen und Löten.

Wichtig: Endkontrolle muss sein

Auch wenn eine Lötung auf den ersten Blick gut aussieht, alleine mit einer Sichtprüfung ist es nicht getan. Zur Überprüfung deiner Lötstellen benötigst du ein Multimeter mit Widerstandsmessung oder besser: gleich eins mit Durchgangsprüfung. Nachdem alle Verbindungen gelötet wurden überprüfst du nun alle Lötstellen auf Durchgang beziehungsweise ihren ohmschen Widerstand. Dieser sollte auf einem normalen Messgerät nahe Null sein, anderenfalls musst du die Lötstelle unter Zunahme von frischem Lot erneut erwärmen.

Wir wünschen frohes gelingen!

Für Interessierte bieten wir regelmäßig Lötkurse an. Diese werden,  im Auftrag von Conrad, von Löt-Profis an verschiedenen Orten in Österreich durchgeführt.
Bei Interesse findest du hier mehr Infos zum Lötkurs für Anfänger.


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