Künstliche Intelligenz: Von Maschinen, die Menschen besiegt haben

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Künstliche Intelligenz schreitet immer mehr voran – Menschen sind nicht mehr unschlagbar. (Foto: „brain power“ von Allan Ajifo, Lizenz: CC BY 2.0)

Maschinen, die Menschen besiegen: das gibt es. Weil die Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz stetig voranschreitet. Grund zur Panik? Keineswegs!

Deep Learning & Hawkings Ängste

Maschinen, die die Menschheit ausrotten – ein Schreckensszenario, vor dem nicht mal große Helden wie der Astrophysiker Stephen Hawking zurückschrecken. Visionen solcher Art verdanken wir dem Deep Learning, einem Wegbereiter in der Künstlichen Intelligenz (KI). Sind diese Horrorvisionen berechtigt? – Wohl kaum, denn noch leben wir in einem Zeitalter, in dem Maschinen das Lernen erst lernen. Jedoch existieren bereits Ansätze, über die wir gerne staunen dürfen – von der Atari zockenden Maschine bis zum Poker-Computer.

KI wird vom Atari-Profi zum Autofahrer

Video Pinball

Für die KI sind Spiele wie Video Pinball von Atari keine Herausforderung mehr. (Bild: YouTube)

Im vorigen Jahr hat Google das auf KI-Forschung spezialisierte Unternehmen DeepMind gekauft. Im Februar vermeldeten die Medien, dass es der KI gelungen sei, 49 Atari-Games erfolgreich zu meistern: DeepMind daddelt erfolgreich Klassiker wie Space Invaders oder Video Pinball. Beim Zocken soll es nicht bleiben; die spielstarke KI zeigte lediglich, wie weit das Prinzip Deep Learning funktioniert: gigantische Datenmengen werden analysiert und verborgene Muster erkannt. Aus diesen Mustern heraus können neue Handlungskonzepte selbstständig abgeleitet werden. Erfolg und Misserfolg führen so zu einer Lernkurve, sodass die KI – zumindest auf diesem Niveau – imstande ist, selbstständig neue Situationen zu meistern. Diese Idee würden Techniker zu gerne bei selbstfahrenden Autos oder sprachgesteuerten Smartphones umsetzen können. Die Regeln der jeweiligen Spiele brachte sich Googles Programm selbstständig bei. Googles Programm, „DQN“ abgekürzt (Deep-Q Network), verbesserte in 43 Fällen bisherige Spitzenwerte, die ihrerseits ebenfalls von früheren KIs vorgelegt wurden. Bislang unbekannte Spielstrategien überraschten auch die Forscher.

Im Guardian wurde Demis Hassabis als DeepMind-Gründer zum Projekt zitiert: „Das ist nur ein kleiner Baby-Schritt hin zu einem großen Ziel, aber ein Wichtiger“, erklärt Hassabis die Tatsache, dass DQN anspruchsvolle Aufgaben bewältigen kann, die auch für uns Menschen eine Herausforderung bilden. DeepMind beobachtete zunächst einzelne Spielzüge, um dann selbst wahllos wirkende Entscheidungen zu treffen. Aus Erfolg und Misserfolg lernt das Programm nun – KI entscheidet ergebnisorientiert. Wege, die funktionieren, werden weiter gegangen, woraus sich neue Wege ergeben. Die Zukunft von DeepMind ist bereits verplant: Der New York Times erklärte Hassabis, dass man die KI derzeit an das Niveau von 90er-Jahre-Games anpasse, um als Zwischenziel dreidimensionale Autofahrten á la GTA zu schaffen. Hassabis hält einen Zeitraum von fünf Jahren für realistisch und ist überzeugt: Kann die KI erst mal Fahrzeuge in Rennspielen steuern, „sollte es theoretisch auch ein Auto“ in unserer realen Welt steuern können. 2014 sorgte Google für mediales Aufsehen, als der Konzern erste selbstfahrende Autos vorstellte, und noch in diesem Jahr soll eine Testflotte von 150 Fahrzeugen auf die Straße.

Unbesiegbare Poker-Software

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Nie zuvor hat es eine Maschine geschafft gegen einen Menschen und in diesem Fall sogar gegen einen Profispieler im Poker zu gewinnen. (Foto:„Poker hand and Chips“ von Images Money, Lizenz: CC BY 2.0)

Einem Forscherteam der University of Alberta, Kanada, ist es gelungen, mittels KI Profi-Pokerspieler zu besiegen. Im Fachblatt Science berichtet das Team um Mike Bowling darüber, dass bis zu diesem Zeitpunkt alle Versuche gescheitert waren, Maschinen im Poker siegen zu lassen. Die Krux an der Sache: Während beispielsweise beim Schach alle Figuren offen dastehen, der Computer also vollständige Informationen besitzt, spielt sich beim Poker ein Großteil hinter verborgener Hand ab – niemand kennt die Karten seines Gegenübers. Somit können lediglich aus den Spielzügen des Gegenübers Rückschlüsse auf dessen Blatt gezogen werden. Und das ist so schwierig, dass Bowling erklärt: „Seit mehr als 40 Jahren war Poker eine Herausforderung für Künstliche Intelligenz“. Ausschließlich beim sogenannten Heads-up Limit Texas Hold’em, bei dem zwei Personen mit limitierten Einsätzen gegeneinander spielen, ist es nun gelungen, dass KI einen Menschen schlägt.

Diese Poker-Variante erlaubt laut den Forschern 3,16 x 1017 mögliche Spielszenarien. Mithilfe des intelligenten Brute-Force-Ansatzes wollten die Forscher für jede dieser Szenarien den optimalen Spielzug herausfinden. Anfangs zufällige Aktionen wählend, spielte der Computer gegen sich selbst und begann, eigene Spielzüge auf Erfolg und Misserfolg hin zu bewerten. Der Computer wiederholte dies so lange, bis für jedes Szenario die ideale Aktion gefunden wurde: 70 Tage lang rechneten 200 2,1-GHz-CPUs, was das Zeug hält, um die Ergebnisse in einer 11 TB großen Datei zu speichern. Das Forschungsteam hat diese Seite aufgesetzt, auf der auch du gegen die KI spielen kannst.

Die Roboter kommen: KI im Alltag

Knightscope

Der Knightscope übernimmt die Funktion eines Polizisten und regelt den Verkehr. (Bild: YouTube)

Wenn Forscher Maschinen das Spielen beibringen, hat das wenig mit Spaß an der Freude zu tun, als eher damit, herauszufinden, wie wir in Zukunft leben können. Künstliche Intelligenz zieht immer deutlicher in unseren Alltag ein: einem Forschungsteam der University of Maryland ist es gelungen, einem Kochroboter mithilfe von YouTube-Videos das Kochen beizubringen. Praktischer in unserem Alltag eingeflossen sind jene Roboter, die wir nur bedingt selbst mitbekommen:

Versandzentren lassen die Lagerarbeit immer mehr durch Roboter übernehmen. Unter anderem hat die Krones AG Lösungen entwickelt, die Waren auf verschiedene Weise zum Packer bringen. In diesem Video wird eine automatisierte Anlage gezeigt, die Paletten selbstständig entlädt, mischt und entsprechend vorliegender Bestelllisten neu zusammenstellt. Am Düsseldorfer Flughafen sorgt der Parkroboter Ray dafür, dass Passagieren das Einparken abgenommen wird. Bei der US Navy befinden sich Feuerwehrroboter an Bord, die Schiffsbrände löschen sollen. Eine US-Firma möchte ihr Sicherheitspersonal durch Sicherheitsroboter der Firma Knightscope ersetzen, die sich sogar vor Übergriffen auf sich selbst wehren können sollen.

Wir leben also bereits mit Künstlicher Intelligenz zusammen. Sie soll unser Leben revolutionieren, soll es vereinfachen und verbessern. Kritiker verweisen in regelmäßigen Abständen auf Arbeitsplätze, die in der Folge verloren gingen, sowie auf die Unsicherheit, die von der Vorstellung ausgeht, Maschinen könnten uns bald schon in Allem besiegen. Befürchtungen dieser Art sollten wir ernst nehmen, indem, wie bereits von mehreren Wissenschaftlern gefordert, einheitliche Leitlinien für KI entworfen werden. Noch allerdings sind wir in einer Forschungs-Ära. In einer Ära, in der wir bestaunen dürfen, wie Maschinen lernen, uns das Leben zu vereinfachen. Zu den von mir favorisierten Anschaffungen würde zweifelsfrei der Kochroboter zählen: ein zu jeder Zeit verwöhnter Gaumen, ohne sich selbst vor den Herd zu stellen – eine tolle Vorstellung! Wofür würdest du einen Roboter einsetzen, wenn du die Wahl hättest?


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