Ich steh im Wald, und weiß nicht wo

In der letzten Ausgabe des ÖAMTC-Klubmagazins bin ich über einen interessanten Kommentar von Steffen Kerbl, ÖAMTC-Techniker gestolpert. Auf Seite 27 des „auto touring“ Ausgabe 7-8/2011 ärgert er sich über die fehlenden oder zu spät aktualisierten Daten von Navis. Konkret spricht er das alte und leidige Problem der zeitweise langen Wartezeiten für die Aufnahme von neuen Straßen oder Umfahrungen und anderen Änderungen im Kartenmaterial an. Leider bleibt er aber dabei den Grund schuldig, warum Aktualisierungen dann doch bis zu einem halben Jahr oder länger in manchen EU-Ländern dauern.

Ich habe mich daher mal bei den Technikern von Garmin, mit einer Mitarbeiterin eines Telematikzulieferers und natürlich mit Mitarbeitern von TomTom unterhalten, und diese mit dem Kommentar aus dem ÖAMTC-Magazin konfrontiert. Und überall der selbe Tenor: „Ja, wenn wir die Daten freigegeben bekommen, dann dürfen wir diese auch verwenden.“. Also konkret: so lange die Behörden des jeweiligen Landes die erfaßten Daten nicht freigeben oder diese liefern, so lange wird die neue Schnellstrasse oder das neue Autobahnteilstück auch nicht in den Kartendaten der Navis erfaßt und angegeben. Besonders krass wird das dann in Ländern wie Griechenland oder der Türkei, wo sogar ganze Strassenzüge aus welchen Gründen auch immer wieder nachträglich aus den Kartendaten herausgenommen werden müssen. Oder auch erst erfaßt werden können. Zudem gibt es oftmals kleinere Kartenfirmen, die dann Urheberrechte auf das jeweilige gebiet haben, und man ist erst recht wieder monatelang gehemmt.

Screenshot vom Garmin Nüvi 3790

Natürlich gibt es auch noch einen anderen Grund für so manche Verspätung: vor allem nachrangige Straßen (also kleinste Schotterwege oder Zufahrten zu Siedlungen) werden zwar in den jeweiligen Katastern des Bundes oder der Länder und Gemeinden geführt, die Information über diese dann aber mit extremer Verspätung weiter gegeben. Nun lassen genau aus diesen Gründen die beiden großen Kartenhersteller Navteq (gehört Nokia) und Teleatlas (gehört TomTom) beständig Vermessungsautos fahren, aber auch wenn diese neueste und genaueste Daten liefern, müssen die Hersteller immer wieder auf Freigaben warten.

TomTom Go 1000 in Action

Was hilft also? Das Beste ist immer Fehler, die einem auffallen melden – also sowohl falsch eingezeichnete oder überhaupt fehlende Strassen. Alle großen Navihersteller und auch die Kartenlieferanten verfügen über Meldestellen auf ihren Websites bei denen fehlende oder falsch hinterlegte Kartendaten gemeldet werden können. Werden diese Fehler gemeldet, so wird entsprechend umgehend nachgegangen, und es wird versucht an die richtigen Daten samt Bestätigung durch die zuständigen Behörden rascher heranzukommen. Die Kartografierungsautos fahren ebenso umgehend aus, und schauen sich das jeweilige Gebiet an. Werden solche Fehler dagegen nicht gemeldet, so kann es schon passieren, dass nicht mit dem kommenden Kartenupdate der Mißstand behoben wird, sondern eben erst mit dem übernächsten oder überübernächsten.

Um allgemein zu verhindern eines Tages im Wald zu stehen, und nicht zu wissen wo der genau sich befindet, sollte man zudem regelmäßige Kartenupdates beim Navi machen. Garmin hat dafür das „Lifetime Update“ (einmal zahlen, ein Geräteleben lang regelmäßige Kartenupdates – ca. einmal alle 3 Monate). Bei TomTom gibt es die Möglichkeit mit einer Rubbelkarte 24 Monate lang alle Kartenupdates zu bekommen (auch hier: einmal zahlen, 2 Jahre lang ca. alle 3 Monate ein Kartenupdate via Internet beziehbar). Gleiches gilt für Becker und Navigon, jedoch kann man diese Update-Abo für 2 Jahre dann nur direkt bei den beiden Herstellern auf der Website kaufen. Damit kann man zumindest sicherstellen, dass man immer das aktuellste Kartenmaterial sein eigen nennt – auch wenn dieses nicht immer 100% das gebiet abdeckt.

Achja, und noch was: immer auf das Kleingedruckte achten. Alle Navihersteller geben bei den Kartenabdeckungsangaben eine Prozentzahl mit an (ist normalerweise auf den Websites der Hersteller herauslesbar). 100% wird man dabei eigentlich nie finden. meistens zwischen 90% und 99% – weil es bekanntlich Unsicherheiten gibt. Die Zukunft schaut aber sowieso anders aus. Garmin hat uns bereits vor ca. 18 Monaten darüber unterrichtet, dass das klassische Kartenmaterial in den kommenden Jahren hinfällig wird. Die Zukunft heißt dann GoogleEarth. Der Kunde saugt sich aus GoogleEarth oder einem anderen Anbieter für Satellitenfotos das jeweilige gebiet herunter, kalibriert alles, und hinterlegt zu guter Letzt alles noch mit Geodaten (also Adressangaben und Straßennamen und dergleichen). Bis das kommt (bei Outdoornavis bereits in Umsetzung) sind noch ein paar Hürden zu überspringen – z.B. die Aktualisierungsrate der Satellitenbilder. Aber es ist einmal ein Blick in die Zukunft. Bis dahin (und das werden wohl noch ein paar Jährchen werden) heißt es regelmäßige Kartenupdates und mit offenen Augen fahren sind die besten Vorkehrungen vor bösen Überraschungen.

Hier noch die Fehlermeldestelle der beiden großen Kartenhersteller: