Hobby Schatzsuche: Sondengehen leicht gemacht

Das Hobby „Sondengehen“ weckt uralte Such- und Sammlerinstinkte und ist alles andere, als langweilig. Mehr als 70.000 Personen im deutschen Sprachraum gehen mittlerweile diesem Hobby nach und machen bei ihrer Schatzsuche immer wieder mal überraschende Entdeckungen: Das während der Kriegswirren hektisch vergrabene Familiensilber, der bei der Gartenarbeit verloren gegangene Ehering, im Schneechaos verschwundene Schlüssel oder Werkzeuge…

Bei einer Münzsuche am nahegelegenen Badesee kommt nicht nur das eine oder andere Euromünzlein zum Vorschein: Spannung, Frischluft und Bewegung sind bei der Schatzsuche garantiert!

Stichwort Münzen: Nach Berechnungen der europäischen Münzmeister gehen pro Jahr zwischen 1 % und 5 % des ausgegebenen Münzgeldes verloren – davon verschwinden ca. 0,25% (das sind immerhin noch 38 Mio. €!) in Wald, Wiese oder im Wasser.

Die Mehrzahl der Sondengänger sind Hobbysondler, die wegen der Spannung und dem Nervenkitzel viel Zeit in der freien Natur verbringen. Natürlich gibt es auch hier, wie bei jedem andern Hobby auch die berühmten „schwarzen Schafe„, welche glauben, auf gekennzeichneten Bodendenkmälern herumwühlen zu müssen und sich so strafbar machen – also: Finger weg von archäologischen Fundplätzen und Bodendenkmälern!

Sollte einmal ein offensichtlich wertvoller Fund dem Boden entrissen werden: Der Gang zum Fundamt lohnt sich immer und es tut gut, jemandem ein verlorenes Erinnerungsstück wiederbeschafft zu haben – meistens gibt es sogar Finderlohn und sollte sich niemand zum Fund melden, nach der gesetzlichen Ablauffrist geht der Fund ins Eigentum des Finders über. Sollte es sich um einen historisch wertvollen Fund handeln: Melden Sie den Fund umgehend den entsprechenden Behörden!

Munitionsfunde

In den vergangenen Kriegen wurde etliches an Munition in den heimischen Wäldern versteckt oder ist bei Kampfhandlungen verloren gegangen. Hier gilt es im Fundfall wirklich Vorsicht walten zu lassen und die Munition nach Möglichkeit im Fundzustand im Boden zu lassen – Achtung: Munitionsfunde sind meldepflichtig und zudem sehr gefährlich.

Die lange Zeit im Boden hat den diversen Zündern im Normalfall nicht gut getan und schon eine geringe Umlagerung kann zur Explosion führen!! Im Zweifelsfall also nichts in die Hand nehmen, was nach Sprengmitteln oder auch nach Patronen aussieht, den Fundplatz markieren und sofort melden!

Rund 70-80% der Funde kommen aber undefinierbar aus dem Boden und es ist viel Recherchearbeit notwendig um das Fundstück zu deklarieren. Im Zuge der Nachforschungen lernt man so auch über die diversesten Online-Foren immer wieder Sondlerkollegen kennen, die durch dieses Hobby zu wahren Experten für verschiedene Epochen oder zu bestimmten Sammlergebieten wie z.B. Pilgermedaillen, Münzen, Militaria usw. geworden sind.

Meine Tipps zum Sondengehen

Ausrüstung für die Schatzsuche

Ausrüstung: Nie zu viel und nie zu wenig mitnehmen – immer passende Reservebatterien einpacken: Nichts ist ärgerlicher, wie wenn mitten im Feld die Batterien leer sind und die zuvor spannende Suche frustriert abgebrochen werden muss.

Regenschutz: Für nahezu jeden Metalldetektor gibt es passende Wetterschutzgehäuse oder -hüllen zum Nachrüsten, diese sind eine sehr gute Investition – spätestens wenn zum ersten Mal (und meist auch zum letzten Mal) Wasser ins Dektorgehäuse eintritt, ist enormer Schaden angerichtet – zur Not tut es häufig auch ein Nylonsackerl das mit Gummiringen befestigt bei Platzregen die empfindliche Elektronik schützt.

Spulenschutz: Die Hauptaufgabe eines Metalldetektors übernimmt die Suchspule, welche aufgrund diverser elektromagnetischer Vorgänge die Bodenabtastung übernimmt – ist die Spule von tiefen Furchen durchsetzt, sodass der Elektronikkern sichtbar ist, nutzt der beste Detektor nichts mehr – Fehlsignale sind so vorprogrammiert. Es gibt für nahezu jede Detektorenspule den passenden Spulenschutz um wenig Geld (meist unter 30,- €) zum Nachkaufen. Sollte Ihre Spule ein Sondermaß haben oder der Spulenschutz schlichtweg nicht mehr aufzutreiben sein: Mit etwas Geschick läßt sich aus einem dünnen Plastikdeckel wie z.B. von Farbeimern oder dergleichen ein Spulenschutz basteln, der mit Plastikkabelbindern an der Spule befestigt wird.

Ein kleiner Klappspaten oder spezielle Tools wie Pinpointer, etc. haben ein geringes Packmaß und helfen bei der Schatzsuche bzw. erleichtern die Fundbergung ungemein.

Kopfhörer: Die meisten Detektoren verfügen über einen eingebauten Lautsprecher, der ein Suchen auch ohne Kopfhörer zulässt – allerdings sind die Detektor-Töne schon über viele 100 Meter im Wald hörbar und die Suche bleibt so zumeist nicht ungestört. Die Verwendung eines Kopfhörers hat zudem den Vorteil, dass die Batterien geschont werden und man längere Suchtouren unternehmen kann, weiters können die einzelnen Signaltöne besser bei Verwendung eines Kopfhörers unterschieden werden. Sollten einmal unübliche Störgeräusche bei Kopfhörerverwendung dazukommen: Ein wasserverdrängendes Öl (z.B. MOS2) in die Kopfhörerbuchse sprühen und mit dem Kompressor ausblasen – es handelt sich bei diesen Störgeräuschen meist um kondensiertes Wasser in der Buchse.

Von der Verwendung von Kopfhöreradaptern sei abgeraten, da diese durch den ständigen Zug am Kabel leicht „ausleiern“ und so Fehlsignale aufgrund von Kontaktfehlern liefern.

Ist man mit mehreren Sondlerkollegen unterwegs, sollte auch beachtet werden, dass sich die Detektoren gegenseitig stören können – ein Abstand zwischen den Suchern von ein paar Metern hilft hier meistens schon ab. Wenn mehrere Sondler gemeinsam auf „Tour“ gehen, sollten auch fixe Treffpunkte vereinbart werden und ein kleiner Marschkompass im Gepäck oder ein GPS-Outdoornavigationsgerät haben so manchem schon den Rückweg zum Treffpunkt oder zum Auto erleichtert (denken Sie an dichte Bewaldung – ein paar Mal im Kreis herumgesondelt und schon ist der richtige Weg zum Auto/zum Treffpunkt nicht mehr erkennbar.

Kontakte: Nicht zu unterschätzen sind die Kontakte zur den Anwohnern. Ganz wichtig: Ist man nicht sicher, auf wessen Grund und Boden man sondelt – immer nachfragen, das vermeidet Besitzstörungsklagen! So wird sondeln in „Nacht und Nebel-Aktionen“ vermieden und durch das meist nett geführte Gespräch erhält man oft interessante Anhaltspunkte. Konfrontationen nie aus dem Weg gehen, sondern immer erklären, warum man dieses Hobby ausübt – meistens hilfreich sind auch die Argumente, dass man das Altmetall mitnimmt und so der Umwelt hilft. Speziell Jäger und Förster freuen sich oft über gefundene Musketenkugeln und geben meistens bereitwillig den einen oder anderen Tipp zu Fundorten oder kennen geschichtliche Hintergründe zum Fundgebiet. Im schlimmsten Fall wird die Suche verweigert oder man wird als „Spinner“ belächelt und die Schatzsuche geduldet.

Schrott: Sollte einmal nur Altmetall zum Vorschein kommen, helfen Sie der Natur und entsorgen Sie diesen Metallschrott fachgerecht in den Altstoffsammelzentren (gerade Blei-, Bronze- und Kupferoxidationen sind sehr giftig und verseuchen Wald, Flur und Grundwasser).

Löcher und so: Sollten Sie einen potentiellen Fund ausgraben müssen – alle gegrabenen Löcher wieder zuschütten – nichts ist ärgerlicher, als wenn ein Wald oder Wiesenstück nach dem Sondeln aussieht, wie wenn das Bundesheer neue Granaten erprobt hätte. Von durch nicht zugeschüttete Löcher verursachte Beinbrüche mal ganz abgesehen – es sollte jeder Sondengeher den Wald, die Wiese usw. wieder in dem Zustand verlassen, wie vor dem Dektektorschwenken.

Jederzeit „gut Fund“und viel Spaß bei der Schatzsuche,
wünscht Euch Sandra

Interessante Links bzw. Foren

Gastautor: Sandra Reisenbichler


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6 Kommentare

  • Michael sagt:

    Möchte nur anfügen das profundes historisches / geschichtliches Wissen über das zu begehende Gebiet von grossem Nutzen sind. Weiters auch die Verwendung von gutem Kartenmaterial / Luftbilder/ SatAufnahmen… bei der Vorbereitung sehr hilfreich sind. Gute Vorbereitung ist der halbe Frust…

  • Archäologin sagt:

    Ohne ein abgeschlossenes Archäologiestudium ist Graben in Österreich GESETZLICH VERBOTEN! Bitte rufen Sie niemanden zu Strafhandlungen auf!
    Jedes Loch, das in archäologische Schichten „hineingestierdelt“ wird, löscht einzigartige Informationen zu Kontexten aus, die unwiederbringlich verloren sind. Der Schaden für die Wissenschaft (und damit für die Gesellschaft, die von den Erkenntnissen der Wissenschaft profitiert) ist extrem.

    Das Gesetzt ist hier für jeden einzusehen: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10009184

  • Karl sagt:

    Das von „Juristin“ angeführte generelle Verbot ist zu relativieren. Der Gesetzestext besagt dass Grabungen verboten sind zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale. Was ein Denkmal ist bestimmt letztlich die Behörde. Die häufigsten Funde wie römische Münzen sind keineswegs selten und haben meist Bagatellwert. Hat man auf einem Feld die Erlaubnis des Eigentümers, ist das Feld nicht im Grundbuch als Bodendenkmal ausgewiesen, dann ist das Sondeln erlaubt. Bei einem Ackerboden der Jahrzehnte bestellt wurde ist auch davon auszugehen dass beim Nachgraben keine archäologische Schicht zerstört wird. Tatsächlich haben wir in Österreich das wahrscheinlich strengste Gesetz Europas, sodass man annehmen muss dass Funde verheimlicht werden, der Schaden wirklich beträchtlich ist.

  • Reinhard sagt:

    Der Schaden ist allerdings noch größer, weil sich die Wissenschaft nie auf die Suche macht. Ich habe in meinen 50 Jahren nie einen Wissenschaftler in meinem Bezirk auf der Suche gesehen! Nur verbieten reicht nicht – man muss auch was tun.

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