HbbTV im Test

„Was um alles in der Welt ist HbbTV?“, mögen sich viele angesichts der etwas gewöhnungsbedürftigen weiteren Abkürzung in den weiten Welten der TV-Empfangs­technik denken. Auch ich habe vor ca. 12 Monaten als die ersten ernstzunehmenden Ankündigungen seitens der Hersteller von TVs und Empfangsgeräten gekommen sind so gedacht. Sich also schlau machen war angesagt: „HbbTV“ bedeutet „Hybrid Broadcast Broadband TV“. Okay, klingt spannend, nur was bedeutet das in der Realität? Aha, also die endgültige Vermengung von TV- und Internet-Angeboten, eine Art Teletext-Ersatz. Hmmm, und wie schaut das wirklich aus? Funktioniert das auch in Österreich, oder sind wir wieder einmal ein paar Jahre hinten? Bringt das auch was? Fragen über Fragen, weshalb ich einfach mal das Ganze ausprobiert habe…

Zu aller erst einmal die Grundvoraussetzungen abchecken: Breitband-Internetzugang und digitaler Empfang (in meinem Fall digitaler Kabel-Empfang) sind vorhanden. Fernseher ist ebenfalls vorhanden, nur kann der kein HbbTV. Also muss eine Kabel-Digi-Box her, die diesen Standard beherrscht. Die Wahl fällt auf den neuen DVB-C-Receiver von Technisat, „ISIO C“. Paßt, ich kann also loslegen.

Technisat DVB-C Receiver ISIO C

Zuerst einmal die neue Box überall anschließen: TV (via HDMI natürlich), Antennen-Dose, Netzwerk (via LAN-Kabel, weil der ISIO C für WLAN einen eigenen Dongle benötigt). Das Gerät einschalten und die Auto-Installation abwarten. Während Programme gesucht und automatisch angeordnet werden, Softwareupdates gesammelt und eingespielt werden und auch noch die Funktion „SFI“ (eine Art Programmguide von Technisat) auf den neuesten Stand gebracht wird, beschäftige ich mich mit der Kurzanleitung. Ganz im Gegensatz zu meinem „normalen“ Verhalten bei Installation eines neuen Gerätes vertraue ich dieses Mal lieber den gedruckten Worten als meiner angeborenen Neugierde. Ich will ja schließlich nix falsch machen (was mir aber – wie man weiter unten lesen kann – dann doch noch widerfährt).

Ca. 30 Minuten nachdem alles angehängt und eingeschalten wurde, ist der Receiver voll einsatzbereit und brennt darauf durchgetestet zu werden. Wie bei einem neuen Auto beginne ich mal mit einigen einfachen Aufwärmübungen: sich durchschalten durch alle Programme, ein wenig die automatische Sortierung ansehen, auf mein Heimnetzwerk zugreifen und austesten ob auch wirklich alle Inhalte gefunden werden. Schließlich habe ich den Netzwerkzugang nicht selbst konfiguriert, sondern das hat sich das Gerät selbst zusammengesucht. Das Interesse an derlei Tests ist bei meiner neben mir sitzenden Frau so gut wie nicht vorhanden, und bis auf ein leicht desinteressiertes „Aha“ nicht viel zu hören (unsere Tochter haben wir angesichts der unpackbaren Spannung, die mich bei der ganzen Geschichte begleitete lieber gleich ins Bett gelegt). Gut, dieses offensichtliche Desinteresse ist also der Startschuß – es muß was passieren. Nochmals kurz in die Bedienungsanleitung geschaut, sich vergewissert, dass wirklich alles richtig eingestellt ist, und los geht´s.

Und dann? Nichts. Nada. Gar nix! Da ist nix, da tut sich nix. Genau gaaaar nix. Keine vielgelobte Fusion von Internet-Inhalten und TV-Programm. Wo liegt also der Fehler? Herumgesuche ob die Netzwerkeinstellungen stimmen, ob auch wirklich jedes Kabel dort hängt wo es hängen sollte. Ist die Software auf dem neuesten Stand? Nix, alles paßt. Warum dann kein Zugriff? Jetzt beginnt sich angesichts meines drohenden Scheiterns wieder meine Frau für die ganze Sache zu interessieren (war ja zu erwarten). Herumgesuche, bis dann ein „Hast Du mal darauf geachtet, ob der eingestellte TV-Sender das komische Hbb… oder wie das heißt unterstützt?“ meine Ohren erreicht. Kurzer Blick auf den TV – ich sehe oben rechts das Logo des ORF. Schamesröte. Okay, das österr. Staatsfernsehen unterstützt diese neue Technologie noch nicht. Switch auf ZDF. Und hier: ja, es geht. Sofort und ohne Widerstand baut sich ein Fenster auf, zeigt mir all die HbbTV-Angebote der zweiten deutschen offentlich rechtlichen TVs. Triumphierendes gesicht meiner besseren Hälfte, immer noch Schamesröte in meinem Gesicht.

Was finde ich vor: eine Mediathek mit allen Sendungen die das Copyright des ZDFs haben, und in den letzten 7 Tagen ausgestahlt wurden. Eine weitere Mediathek mit Highlights aus allen Sendungen, auf die der ZDF die Rechte hat. Zusatzinfos, weiterführende Informationen zu bestimmten Themen und Sendungen. Für einen Informationsgetriebenen wie mich ein Schlaraffenland. Sofort wird natürlich die Highlight-Mediathek angetestet (ich habe die letzten 5 Folgen der grandiosen Satiresendungen „Heute Show“ verpasst), und schon flimmert nach wenigen Sekunden Gernot Hassknecht mit einem seiner legendären Kommentare zum Zeitgeschehen am TV. Perfekt. Qualität sehr gut, Geschwindigkeit auch okay (die Wartezeit bis sich Bild & Ton aufgebaut haben ist mit jener eines Youtube-Videos in 720p vergleichbar).

Interneinbindung bei Technisat-receiver

Natürlich muss ich noch andere Sender zwecks HbbTV antesten. Egal ob öffentlich rechtliche Sender oder deutsche Privatsender wie Pro7, Sat1 oder RTL – überall der selbe Eindruck: Geschwindigkeit und Auswahl der Sendungen echt okay. Viele Infos, schöner als jeder Teletext. Wobei der Qualitätsunterschied sofort rüber kommt: die Öffentlich Rechtlichen in Deutschland verfügen über ein riesiges Angebot in ihrer Mediathek (ARD, ZDF und Co. dürfen nämlich von Gesetzes wegen nicht einfach Sendungen und Serien zukaufen, und sind so auf Eigenproduktionen angewiesen, was sich hier nun bezahlt macht), während die Privaten hier etwas hinterherhinken (quantitativ und vor allem qualitativ). Am Besten aber kommt das Ganze auf ARTE rüber, wo sich hunderte von Sendungen ohne Probleme und mit echt guter Bild- und Tonqualität aufrufen lassen. Schade dabei ist nur eines: unser allseits geliebter ORF hat HbbTV nicht im Portfolio. Angeblich wird zwar an einer Einbindung der ORF-Mediathek in das System gearbeitet, nur wie, wann und wo ist immer noch nicht klar. Warten wir also mal ab, vielleicht erleben wir es ja noch (der Seitenhieb mußte sein).

Fazit: Wer über einen digitalen Zugang zu TV (also Sat oder Kabel) und eine vernünftige Internetverbindung verfügt, und zudem Interesse an den öffentlich rechtlichen deutschen Sendern und deren Programminhalte hat, für den ist HbbTV wie geschaffen. Anstatt wie bisher sich doch teilweise sehr mühsam auf den Websites von ZDF, ARD, ARTE und Co die verpaßten Sendungen rauszusuchen und am PC anzusehen, kann man jetzt am TV in aller Ruhe in guter Qualität einfach und leicht die verpaßten Programme nachsehen. Auch sonst ist der Info-Umfang recht ansehnlich, die Bedienung einfach und intuitiv. Schön wird es aber erst, wenn wirklich alle relevanten Sender auf den zug aufspringen – also auch ORF und Co. Ich drücke mal die Daumen dass das schnell kommen wird. Bis dahin vertreibe ich mir die Zeit indem ich mir Hassknechts Kommentare täglich immer wieder mal reinziehe…

Mehr Infos zum Thema unter anderem auf http://www.hbbtv-infos.de/