Fitness und Gesundheit – die Vielfalt des Self Tracking

Eine Vielzahl an Apps misst die eigenen Aktivitäten.

Eine Vielzahl an Apps misst die eigenen Aktivitäten (Bild: Caledos Runner von Nicola Lizenz: CC BY 2.0).

Die Möglichkeiten zur Vermessung des eigenen Körpers sind beeindruckend! Ein Überbegriff für diesen Trend ist das Quantified Self – das gemessene Selbst.

Self Tracking – zu Deutsch Selbstvermessung – ist ein Trend, der immer mehr Lebensbereiche umfasst. Unter Self Tracking versteht man das Messen, Speichern und Auswerten der eigenen Körperwerte und des eigenen Verhaltens. Dazu werden spezielle Self Tracking Tools oder das eigene Smartphone genutzt. Häufig anzutreffen ist die Kombination aus einem Tool wie z.B. einem Armband zur Datenaufzeichnung und dessen Anbindung an eine App. Das Tool misst die jeweiligen Werte, die App dient zur Visualisierung der Messergebnisse und deren Auswertung.

Selbsterkenntnisse durch Tracking

Ein Überbegriff für diesen Trend ist das Quantified Self – das gemessene Selbst. Anhänger dieses Megatrends verfolgen das Ziel, das eigene Ich in Zahlen zu erfassen. Aus den erfassten Werten wollen sie etwas über sich selbst lernen, das sie weiterbringt. Das kann das Abstellen schädlicher Verhaltensmuster sein oder auch der Weg hin zu einem gesünderen und glücklicheren Leben. Der Kern dieser Bewegung beruht auf dem Prinzip „self knowledge through numbers“ – Selbsterkenntnis durch Zahlen.

Ins Leben gerufen beziehungsweise erstmals in Worte gefasst wurde dieses Phänomen vom amerikanischen Journalisten Gary Wolf und dessen Kollegen Kevin Kelly bereits im Jahr 2007. In einer höchst interessanten TED-Rede fasst Gary Wolf die Quintessenz des Trends in 5 Minuten zusammen:

Er erläutert dabei freimütig seine eigenen Trackingergebnisse wie Schlafdaten, Konsum von Koffein und Alkohol, sportliche Tätigkeiten und Herzfrequenz und auch etwas obskurere Werte wie sein Ranking auf der Narzissmus-Charakter-Skala. Er ist überzeugt, dass Zahlen dem Menschen helfen, sich selbst zu verbessern.

Der logische Schritt geht daher von der Selbstvermessung zur Selbstoptimierung: Nur wer sich selbst, sein Verhalten und seine Problembereiche kennt, kann sich ändern.  Dieses Ziel verfolgen Personen, die mit bestimmten Aspekten in ihrem Alltagsleben nicht zufrieden sind oder sich Verhaltensweisen abgewöhnen möchten. Dazu notieren sie eingenommene Mahlzeiten, Stimmungen, Beschwerden, kurz gesagt alles, was sie beschäftigt.

Früher hätte man solche Dinge in einem Notizbuch festgehalten oder schlicht Tagebuch geführt. Im 21. Jahrhundert jedoch werden die Daten digital notiert. Unser ständiger Begleiter im Alltag, das Smartphone bietet dazu unzählige Möglichkeiten. Schnell wurde bemerkt, dass man mit darauf ausgelegten Apps sehr viel mehr mit den Daten anstellen kann, als einfach nur Buch zu führen. Kurz darauf kamen die ersten Apps auf den Markt, welche die Daten selbst erheben oder die eingegebenen Daten analysieren. Im Zuge des Booms der sozialen Medien werden die Daten zunehmend auch mit anderen Menschen geteilt, seien es Bekannte oder auch vollkommen unbekannte Menschen in speziellen Self-Tracking-Foren und -Gruppen. Dabei werden völlig verschiedene Lebensbereiche getrackt. Am bekanntesten und typischsten für Self Tracking ist das Fitnesstracking.

Fitnesstracking für ehrgeizige Sportler

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Die Auswahl an Fitness-Gadgets ist groß. (Bild: „Misfit FLASH Fitness & Sleep Monitor“ von Maurizio Pesce, Lizenz: CC BY 2.0)

Ein populäres Feld des Self Tracking ist die körperliche Aktivität und Fitness. Self Tracking bietet die Möglichkeit, verschiedene sportliche Betätigungen, wie z.B. Joggen, zu tracken. Hier kommt eine große Datenmenge und Vielfalt an möglichen Messwerten und Aufzeichnungsmethoden zusammen. Fitnessarmbänder messen, wie lange und mit welcher Geschwindigkeit gelaufen wird. Auch ist es über diverse Tools möglich, den eigenen Puls zu messen. Wer kein Fitnessarmband besitzt, nutzt häufig die App Runtastic. Diese zeichnet über eine Google-Maps-Integration auch die gelaufene Strecke auf einer Karte auf.

Fitness-Tracking ist aktuell absolut im Trend.

Fitness-Tracking ist aktuell absolut im Trend. (Quelle: www.conrad.at)

Auch Laufschuhe verfügen bereits über Sensoren zur Aktivitätsmessung. Der Nike+ umfasst ein System, das die Trainingsdaten des Läufers aufzeichnet. Gemessen beziehungsweise errechnet werden Geschwindigkeit, Distanz, verbrauchte Kalorien und Zeit. In der dazugehörigen Community diskutieren die Nutzer des Nike+ ihre Werte und messen sich mit anderen Usern.

FitBit – hinter diesem Namen versteckt sich ein amerikanisches Fitness-Unternehmen, das unter anderem Fitnessarmbänder herstellt. Der im Armband integrierte Tracker erfasst die gelaufenen Schritte. Um vernünftige Auswertungen zu bekommen, gibt der User einige Daten zu seiner Person ein wie Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht. Der Tracker gibt darauf basierend Werte wie die gelaufene Entfernung und den Kalorienverbrauch aus. Auch der Schlaf kann im Schlafmodus des Armbands aufgezeichnet werden. Der Fitbit-User lädt sich die dazugehörige Fitbit App aufs Smartphone. Smartphone und Armband werden im Normalfall über Bluetooth synchronisiert. Die Fitbit-Daten können – wenn gewünscht – auch in sozialen Netzwerken geteilt werden.

Diese Werte können per Self Tracking erfasst werden.

Diese Werte können per Self Tracking erfasst werden (Quelle: Was-ist-Quantified-Self.de).

Self Tracking für die Gesundheit

Neben Fitness ist auch Gesundheit ein Thema im Bereich "Self Tracking".

Neben Fitness ist auch Gesundheit ein Thema im Bereich „Self Tracking“. (Bild: „Runkeeper and health on iPhone“ von Jason Howie, Lizenz: CC BY 2.0)

Nicht nur für Sportler, sondern auch für Menschen mit gesundheitlichen Problemen gibt es sinnvolle Self-Tracking-Anwendungen. Zum Beispiel gibt es für chronisch kranke Personen spezielle Tools, die ihnen – so komisch es klingen mag – dabei helfen, ihre Krankheit zu managen. Dazu gehören Erinnerungsfunktionen an die Tabletteneinnahme oder Messgeräte für Blutdruck oder Blutzucker, die die Daten an Smartphones oder PC übermitteln. Das lästige manuelle Aufzeichnen der Werte entfällt durch die automatische Kommunikation und Speicherung in speziellen Datenbanken.

Fazit

Beim Self Tracking können alle möglichen Daten des Körpers aufgezeichnet werden.

Beim Self Tracking können alle möglichen Daten des Körpers aufgezeichnet werden.

Klar, viele Menschen stehen dem Self Tracking eher skeptisch gegenüber. Schließlich geht es um die eigenen Daten. Außerdem stellt sich oft die Frage: Was soll mir das bringen? Die Vorteile des Self Tracking zeigen sich oft erst, wenn man diesen Trend selbst testet und dessen vielfältige Möglichkeiten kennenlernt. Zum einen helfen Self Tracking Tools, den eigenen Körper besser kennenzulernen. Probleme, wie Schwierigkeiten beim Einschlafen oder ein unruhiger Schlaf, können zahlenmäßig erfasst und auf dieser Basis bekämpft werden. Ein hervorragendes Mittel ist Self Tracking vor allem zum Erreichen sportlicher Ziele – egal ob es die Gewichtsabnahme oder der 10 km Lauf in einer bestimmten Zeit sind. Entgegen der landläufigen Meinung muss Self Tracking auch nicht teuer sein: Die Basisversionen von Apps wie Runtastic sind meist kostenlos. Zudem kann man selbst bestimmen, welche Werte man messen und digital aufzeichnen möchte. Je nach Interessen und Geschmack eignen sich unterschiedliche Self Tracking Tools. Die Devise lautet hier: Einfach mal ausprobieren!

Wer von euch hat schon Erfahrungen mit Self Tracking gemacht? Welche Funktionen seht ihr als sinnvoll an?


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