Fairphone: Das steckt hinter dem umweltbewussten Smartphone

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Das Fairphone – woher es kommt, was es kann und wohin es will

Aus vollem Herzen für den Umweltschutz? Bewegungen wie Zero Waste, Unverpackt und Fridays For Future haben sich genau das auf die Fahnen geschrieben. Mit großem Erfolg: Allein auf dem österreichischen Instagram-Kanal von Fridays For Future verfolgen über 10.500 Menschen die Aktivitäten umweltbewusster Bürger/innen. Junge Start-Ups wie „Ein guter Plan”, die für ihre Terminplaner mit klarem Fokus auf die mentale Gesundheit und Achtsamkeit bekannt sind, achten auf nachhaltige Materialien wie vegane Leime oder Pflanzenfarben. Und auch in der Technikbranche bekommen ökologische Argumente immer mehr Gewicht: Das niederländische Unternehmen Fairphone etwa möchte bereits seit ein paar Jahren die Welt mit seinen nachhaltigen Produkten, die darüber hinaus unter fairen Arbeitsbedingungen produziert sind, ein wenig besser machen.

Fairphone für alle – das Konzept der Gründer

Anspruch der Gründer ist es, eine Diskussion über fair hergestellte Produkte voranzutreiben, um das Bewusstsein der Gesellschaft mehr in Richtung Nachhaltigkeit zu lenken. Der Markt für ethische Produkte soll vergrößert werden, um über diesen Weg einen positiven Einfluss auf die Wertschöpfungskette insgesamt zu nehmen, so der Hersteller im Fairphone Factsheet. Die Idee zum fairen Smartphone entstand vor exakt 10 Jahren. 2013 ging das Start-Up mit Hauptsitz in Amsterdam dann als Sozialunternehmen an den Markt. Und das junge Unternehmen bleibt hartnäckig: Aktuell hat es mit dem Fairphone 3+ die vierte Generation des Fairphones gelauncht.

Teil defekt? – Einfach tauschen!

Doch was macht das smarte Telefon aus dem Hause Fairphone so besonders? Es ist zu 40% aus recyceltem Kunststoff gefertigt und vereint so umweltbewusste Materialien mit einem modularen Design, das auf Praktikabilität ausgerichtet ist. Der Austausch defekter Teile ist damit für den Endverbraucher selbst durchführbar – in den Augen vieler umweltbewusster Nutzer/innen ein deutlicher Vorteil gegenüber gängigen Smartphones. Ein weiteres Plus der modularen Bauweise: Das ältere Fairphone 3 kann z.B. mit der Kamera des neuen Fairphone 3+ upgegradet werden, womit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Kund/innen müssen sich kein neues Smartphone kaufen, obwohl es noch einwandfrei funktioniert, sondern können stattdessen mithilfe der Anleitungen des Herstellers das Teil schnell und einfach tauschen.

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Die vierte Generation: Neues Modell mit verbesserter Kamera

Generell ist das Fairphone 3+, das natürlich auch bei Conrad erhältlich ist, ein Smartphone der oberen Mittelklasse und bietet Anwender/innen genau das, was täglich gebraucht wird: Telefonieren, im Internet surfen, WhatsApp-Nachrichten verschicken, SMS schreiben und den Instagram-Feed checken. Im Vergleich zum Vorgängermodell bietet es ein verbessertes Kameramodul mit 48 Megapixeln und Audiosystem. Außerdem ist es mit einem 5,65 Zoll Full-HD-Display mit LCD-Technik ausgestattet und sein Arbeitsspeicher beträgt standardmäßige 4 GB. Der Datenspeicher wiederum ist 64 GB groß und kann über eine Micro-SD-Karte erweitert werden, sodass noch mehr Bilder sowie Musik Platz haben. Der Akku des Fairphone 3+ verspricht acht Stunden Laufzeit bei voller Auslastung. Wenn man ihn weniger intensiv nutzt, hält er bis zu zwei Tage bevor er per USB-C Kabel wieder aufgeladen werden muss.

Von hervorragend bis ungenügend

Nutzer/innen des Fairphones bewerten das Smartphone z.B. auf Trustpilot mit 3,3 von 5 möglichen Sternen – ein akzeptables Ergebnis. Die Meinungen gehen jedoch weit auseinander: 29% bewerten es als “hervorragend” während ebenfalls 29% das Smartphone nur als “ungenügend” empfinden. 32% der Käufer/innen sind der Ansicht, mit dem Fairphone ein solides Smartphone erworben zu haben – und damit vermutlich auch Pluspunkte auf das eigene Konto der ökologischen und sozialen Verantwortung. Und trotzdem formuliert Rafael Zeier in seinem Artikel in der Süddeutschen Zeitung treffend: „Gerade wenn man sieht, dass im Alltag immer noch bald zehn Jahre alte iPhones im Einsatz sind und dass es für das weniger alte Fairphone 1 bereits kein Zubehör mehr gibt, wird deutlich, dass die Firma noch einen steilen Weg vor sich hat – so löblich der Ansatz auch ist.“

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Die Messlatte liegt hoch

Das Handy ein ganzes Jahrzehnt nutzen oder auf nachhaltige Produkte setzen: Umweltbewusstsein statt Massenkonsum scheint so oder so eine prima Idee zu sein. Fragt sich nur, ob eine solche Entwicklung nicht auch Schattenseiten hat? Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zum Beispiel sind sicher nicht zu unterschätzen. Denn braucht eine funktionierende Wirtschaft in den heutigen digitalen und globalen Zeiten nicht gerade diese schnellen Produktlebenszyklen, um zu überleben? Und wie sehr insbesondere auch viele kleine Zulieferer vom Umsatz der großen Player abhängig sind, hat spätestens die Coroana-Krise noch einmal unter Beweis gestellt.

Die Messlatte, die Fairphone für sich selbst formuliert, liegt hoch: „Wir möchten die Elektronikindustrie verändern“, sagt Fairphone CEO Eva Gouwens. „Unser Ziel ist es, dass unsere Käufer/innen ihr Smartphone fünf Jahre behalten“ berichtet sie gegenüber der Süddeutschen. Natürlich gibt es Smartphone-User/innen, deren Beruf eine enorm hochwertige, schnelle und fortschrittlichen Technik und die innovativsten Features verlangt. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Die meisten von uns müssen keine High End-Produktionen mit ihrem Handy abliefern. Reicht da also nicht auch einfach ein älteres oder upgegradetes Modell? Eigentlich schon.

Fairphone – Ein Projekt mit Zukunft?

Was heißt das alles für das junge Unternehmen mit seinen über 70 Angestellten und dessen Zukunft? Was Fairphone sicherlich zugutekommt, ist die Tatsache, dass bahnbrechende Innovationssprünge in Bezug auf Smartphones in den letzten Jahren weniger geworden sind und Fairphone dies als Chance für sich nutzen kann. Und doch hängt der Erfolg des Projekts von dessen Leistungen und vom Umweltbewusstsein der Gesellschaft ab.

Wenn wir an Fridays For Future und ähnliche Bewegungen pro Umwelt denken, dann lässt sich schnell erkennen, dass die Generation Y, Digital Natives und Co. sehr wohl ein ausgeprägtes Bewusstsein für einen ethisch vertretbaren Lebensstil haben, der die Umwelt im Blick hat. Doch inwieweit sind auch junge Konsument/innen bereit, den echten Sinn und Wert hinter einem solchen Schritt für sich und das eigene Leben zu erkennen? Meine Meinung: Nicht nur Firmen wie Fairphone sollten Wert auf Umweltschutz und fair produzierte Produkte legen, sondern jede und jeder Einzelne von uns. Für alle Technik-User/innen bleibt also die individuelle Gewissensfrage: Jede Innovation mitmachen oder hier und da eben auch an die Umwelt denken?

Text verfasst von Luzi Engelfried-Hornek


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