Der Traum vom Fliegen: wann kommt das Flugauto?

Conrad - Der Traum vom Fliegen - Flugauto

Foto: Terrafugia 2014 von Damir Kovacec (Lizenz: Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) )

Flugauto für 2017 angekündigt

Es ist eine gigantische Vorstellung: die Straßen sind einmal mehr dicht, aber dich stört das nicht, weil du einfach die Flügel deines Autos ausfahren lässt und abhebst. Ein Flugauto – davon träumen wir schon lang! Vor zwei Jahren ging durch die Presse, dass das slowakische Unternehmen Aeromobil ein solches Flugauto konzipiert habe, das 2017 auf den Markt kommen solle.

Der „Flying Roadstar“ war als Zweisitzer konzipiert, dessen ausklappbaren Tragflächen für eine Verwandlung in ein Sportflugzeug sorgen konnten. Mit 200 km/h sollte es durch den Himmel gehen und eine Tankfüllung für gute 700 km genügen. Ein Rettungsfallschirm sollte den Menschen samt Flugauto bei technischen Störungen heil gen Boden zurückbringen.

Die Idee ging nicht ohne ein Aber: Es wäre ein Pilotenschein notwendig, um das Gefährt steuern zu dürfen – vorausgesetzt, du hast so viel Geld, dass du dir das innovative Gefährt überhaupt leisten kannst. Denn mehrere hunderttausend Euro dürften schon einkalkuliert werden. Die konzipierenden Köpfe von Aeromobil hatten sich das Ganze wie im folgenden Video gedacht:

Ein Blick auf die Website von Aeromobil verrät, dass die Pläne keinesfalls eingestampft wurden. „The Future is coming“, liest man dort – im Hintergrund zeichnet sich ein designstarkes Flugauto ab. Nun sind wir jedoch bei einem offiziellen Marktstart im Jahre 2020 angekommen. Die Kosten, die sich zwischen 1,2 bis 1,5 Milliionen Euro befinden, dürften einem richtigen Durchbruch deutlich im Wege stehen.

Vielleicht ist das Flugauto der falsche Ansatz?

Lars Thomsen, Schweizer Zukunftsforscher, ist überzeugt, dass das Flugauto kommen wird – es sei „eine greifbare Technik“ und keine Utopie mehr. Jedoch rückt Thomsen ab von der Idee, die Aeromobil antreibt. Er denkt, Autos mit Straßenzulassung, die sich per Knopfdruck in ein Flugzeug verwandeln, wird es nicht geben – zu groß seien die Hürden.

Thomsen sieht das Flugauto eher als eine Art Flugtaxi oder Robo-Drohne. Das wäre dann eine Drohne, die Menschen ähnlich abholt, wie Busse das heute tun. Dubai bläst ins selbe Horn: Noch diesen Sommer werden dort die Aero-Taxen von einem chinesischen Hersteller abheben und Menschen von A nach B befördern.

Es gibt also verschiedene Ansätze, um Menschen ganz alltäglich in die Luft zu kriegen: Autos, die sich in Flugzeuge verwandeln, oder Drohnen als Massenbeförderung.

Hohe Investitionen ins Flugauto

Welches Konzept auch gewinnen wird: die Global Player investieren derzeit in die Forschung nach einem funktionierenden Flugauto. Google-Gründer Larry Page investierte 100 Millionen Dollar in die Start-ups Kitty Hawk und Zee-Aero. Beide Unternehmen arbeiten an Roboterdrohnen.

Uber hingegen hat sich den NASA-Experten Mark Moore geschnappt. Moore soll autonome Lufttaxen weiterentwickeln, das der Konzern „Uber Elevate“ nennt. In Karlsruhe hat der Volocopter bereits seinen Jungfernflug absolviert. Allerdings zum einen mit Pilot, zum anderen ist der Volocopter ausschließlich für den Lufteinsatz gedacht.

Anfang März offenbarte noch jemand sein Interesse am Flugauto: Auf dem Genfer Autosalon stellte Flugzeugbauer Airbus ein entsprechendes Konzept namens Pop.up vor. Eine Carbonzelle, die zwei Passagieren Platz bietet, bildet den Kern. Von dort aus wird ein Zentralrechner verwaltet, der sich an verschiedene Transportsysteme koppeln kann: Wenn die Carbonzelle über motorisierte Bodenplatten Straßenkontakt hat, wird sie zum Elektroauto. Hängt sie dagegen an einem Gestell, das von elektrischen Rotoren angetrieben wird, ist die Zelle als Flugdrohne unterwegs. Die flexible Pop.up-Zelle lässt sich auch auf Züge stellen oder durch Magnetröhren schießen.

Autonomes Fahren oder Flugautos – wer macht das Rennen?

Die FAZ hat den Zukunftsexperten Aric Dromi interviewt, der Autokonzerne auf ihre Zukunftsfähigkeit hin berät. Dromi glaubt fest an fliegende Autos – und zwar sogar daran, dass diese vor den autonom fahrenden Autos kommen. „Jedenfalls in den Städten“, schränkt Dromi ein.

Bei autonom fahrenden Autos sieht Dromi noch zu viele Herausforderungen. Er glaubt nicht daran, dass Fahrer autonomer Autos dieselben Straßen nutzen könnten wie andere Verkehrsteilnehmer. Bis diese Infrastruktur geschaffen sei, sei das Auto längst in der Luft.

Das Flugauto hat laut Dromi deutliche Vorteile: „Erstens sind wir es von Flugzeugen schon gewohnt, dass sie die meiste Zeit vom Autopiloten gesteuert werden. Und zweitens ist die Infrastruktur für sie schon vorhanden, sie fliegen ja in der Luft und brauchen keine Straßen.“

Voraussetzung für das Funktionieren des neuen Luftverkehrs ist für Dromi jedoch, dass es vernünftige Regulierungen gibt. Er sieht ein Steuerungssystem als unabdingbar, an das sich alle Drohnenhersteller gemeinschaftlich halten. Auch Städten kommt eine tragende Rolle zu: „Denken Sie an Science-Fiction-Filme, in denen sich kleinere Raumschiffe von einem Traktorstrahl führen lassen müssen, sobald sie in die Nähe einer großen Raumstation kommen. Die Großstädte sind unsere Raumstationen, sie sollten die Algorithmen festlegen, nach denen der Verkehr innerhalb ihrer Grenzen fließt.“

Das sind in der Tat gigantische Herausforderungen! Denken wir an Drohnen, also an die kleinen Flugkörper, existieren bereits zahlreiche Vorschriften und Regularien. Ganz so frei, wie der Himmel zu sein scheint, wird der Flugverkehr in Flugautos sicher nicht sein. Es gilt, wirklich sinnvolle Regularien zu schaffen, die Sicherheit bieten, ohne das Flugerlebnis zu sehr einzuschränken.

Zum Ausprobieren: Helikopter als Bausatz

Wer in den Genuss eines Flugs kommen möchte, kann sich an einen japanischen Hersteller wenden: der GEN H-4 ist ein Helikopter-Bausatz, mit dem du dir den Wunsch des Fliegens erfüllen kannst. Die Entwickler versprechen, das sei nicht schwieriger als Fahrradfahren. In Japan benötigt man auch keine Fluglizenz.

Der Einmann-Heli wird von vier zweizylindrigen Motoren angetrieben; die Rotorblätter sorgen für den Auftrieb. Maximal kannst du 1.000 Meter hoch fliegen – und das bei bis zu 90 km/h. 30 Minuten Flugspaß kannst du mit einer Tankfüllung genießen. Allerdings muss dein Geld locker sitzen: 46.000 € kostet der Bausatz bei Gen-Corporation. Einen Eindruck von dem Heli bekommst du in diesem Video:


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