Der Tekkie in der Marktnische

Gerhard Nussbaum mit seinen aktuellen steuerbaren Modellen

Dipl. Ing. Gerhard Nussbaum ist leidenschaftlicher Modellflieger. An sich nichts Besonderes, aber er fliegt die verschiedensten Modelle (Helikopter, Quadrocopter) von seinem Rollstuhl aus, mit einem eigenentwickelten Mund-Joystick.

Gerhard Nussbaum hilft Menschen mit Beeinträchtigungen ihr Leben mit Technik zu verbessern, sei es durch geeignetes Spielzeug, Smart Homes oder barrierefreie Webseitenerstellung.

Gerhard Nussbaums Smart Home Testumgebung

Diese Smart Home-Testumgebung kann durch Entwicklungen am Kompetenznetzwerk KI-I mit verschiedensten Möglichkeiten – Tastendruck bis Augenzwinkern – bedient werden. Gerhard Nussbaum kann sie beispielsweise mit seiner Rollstuhlsteuerung fernsteuern.

Selbst auf den Rollstuhl angewiesen, weiß Gerhard Nussbaum über die Probleme und Bedürfnisse von Personen mit Beeinträchtigungen bestens Bescheid. Er ist technischer Leiter des Kompetenznetzwerk Informationstechnologie zur Förderung und Integration von Menschen mit Behinderungen. Ziel der Forschungseinrichtung ist es, behinderten Menschen ein Stück Selbstständigkeit zurückzugeben.

Die Anforderungen sind hier sehr vielfältig, von Entwicklung im Bereich der Assistierenden Technologien, der Website-Erstellung für das barrierefreie Internet, über die Transformation von schwer verständlichen (Gesetzes)-Texten für kognitiv beeinträchtigte Personen, bis hin zu Qualitätsevaluierung von Behindertenwerkstätten und Wohneinrichtungen durch selbst betroffene Interviewer.

Gerhard Nussbaum und sein Kollege beim Carrera-Bahn spielen

Dipl. Ing. Gerhard Nussbaum und sein Kollege Dipl. Ing. Stephan Pölzer spielen mit der Carrera-Rennbahn – durch eine Adaptierung kann sie mit der Rollstuhlsteuerung oder anderen Sensoren gesteuert werden.

Mehr Selbstständigkeit im alltäglichen Leben

Das KI-I kümmert sich aber auch um Einzellösungen. Zum Beispiel kann eine Person nur mehr einen Finger bewegen, dann würden die meisten denken, dass hier totale Unselbstständigkeit herrscht. Nicht so Gerhard Nussbaum, er stellt sich nun die Frage, was kann man alles mit nur einem Finger steuern? Hier gibt es viele Möglichkeiten: Mit nur einem Finger oder auch nur einem Augenzwinkern kann man einen Computer, einen Fernseher, eine Stereoanlage oder auch die ganze Wohnung steuern.

Dadurch eröffnet sich für diese Person eine vollkommen neue Perspektive. Der Betroffene ist aber trotzdem noch auf Hilfe angewiesen, nur durch diese kleinen Hilfsmittel kann dieser aber zum Beispiel trotzdem das Fernsehprogramm umschalten. Diese Eigenständigkeit wirkt sich meist sehr positiv auf die Psyche aus.

Für jedes Problem gibt es eine Lösung

Für alltägliche Dinge findet sich in den meisten Fällen relativ schnell eine Lösung. Leider wird dabei oft der Spaß außer Acht gelassen. Bei der Recherche nach Spielzeug für beeinträchtige Kinder, Jugendliche und Erwachsene fand Gerhard Nussbaum aber nur eine handvoll Möglichkeiten. Und die, die er fand, war meist nur Spielzeug, das für Kleinkinder gemacht worden war.

Modellbau faszinierte den Ingenieur schon immer, und so suchten seine Arbeitskollegen und er eine Lösung, dass Menschen mit Behinderung Quadrocopter und Modellflugzeuge fliegen, Modellautos und Modellboote steuern können. Soweit es seinen Kollegen und ihm möglich ist, suchen sie für fast jedes Problem eine technische Lösung.

Mund-Joystick

Mit einer normalen Handfernsteuerung kann man mit beiden Händen z.B. ein Quadrocopter nach vorne, hinten, links, rechts, oben und unten steuern und um die eigene Hochachse nach links oder rechts drehen. Doch wenn man nur den Kopf bewegen kann, ist das schon eine ziemliche Herausforderung.

Gerhard Nussbaum und sein Team überlegten, wie sie diese Bewegungsmöglichkeiten zum Steuern eines Modellflugzeugs ausnützen können. Vor, zurück, links und rechts, das kann man alles mit dem Kopf machen, aber ein Modellflieger muss z.B. auch nach oben und unten fliegen können.

Ein bisschen um die Ecke denken, und schon war die Lösung gefunden: Der Joystick wird mit dem Mund bedient. Mittels eines Joysticks, eines Saug- und Blassensors und einer zusätzlichen z-Achse kann man nun alle wichtigen Funktionen eines Flugmodelles optimal steuern.  Schon nach einigen Versuchen war der Prototyp fertiggestellt.

Obwohl diese revolutionäre Entwicklung vielen Menschen helfen würde, ist leider aktuell an eine Massenproduktion nicht zu denken. da sich bisher keine Firma finden ließ, welche ein derartiges Projekt unterstützt. Für die meisten Firmen ist bei solchen speziellen Produkten der Absatzmarkt zu gering. Mit diesem Joystick lassen sich aber nicht nur Modellbauspielzeuge steuern, sondern man kann damit einen Computer oder eine Playstation steuern, und somit stehen einem viele Möglichkeiten offen.

Nur wenige beschäftigen sich mit Spielzeugen für Behinderte – hier ist das Team rund um Gerhard Nussbaum ein Vorreiter. Für ihn wäre es wünschenswert, wenn bei mehr Firmen das Interesse und Bewusstsein wachsen würde, denn dann könnten mehr Spielzeuge Menschen mit Beeinträchtigung zugänglich gemacht werden.


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