Der Philips DVT7500 Musikrecorder im Produkttest

DVT7500 in der Box

Fragt man einen Musiker, wie der optimale Aufnahmeprozess gestaltet sein sollte, so wird man in den meisten Fällen folgende Antwort erhalten: Einfach, schnell, kostengünstig aber mit höchst möglicher Tonqualität. Zeit und Geld sind knapp. Punkt.

Hält man sich diese Anforderungen vor Augen, so erscheint der Philips DVT7500 VoiceTracer mit seinem Richtpreis von knapp unter 300,00 Euro und dem in der Produktwerbung angeführten Versprechen, mit dem Gerät „Hi-Fi-Musikaufnahmen der Extraklasse“ zu erhalten, als durchaus attraktive Recordingmöglichkeit, die es lohnt, getestet zu werden.

Unboxing und erster Eindruck vom Philips DVT7500

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Geliefert wird der DVT7500 in einer stabilen Kartonbox. Im Karton befindet sich zuoberst das Aufnahmegerät, darunter findet man einen aufsteckbaren XLR-Adapter, einen Windschutz und eine Schutzhülle, die ein USB- und ein Line-in-Kabel (3,5 mm) enthält. Des Weiteren liegt eine Schnelleinführung bei.

Das Aufnahmegerät

Der Recorder ist solide verarbeitet und liegt gut in der Hand. Das Gehäuse besteht aus einem hochwertigen Kunststoff, der sich gut anfühlt – nicht unwesentlich bei einem handheld Gerät. Alle Tasten am Gerät sind gut zu erreichen, ausreichend groß und haben einen schön spürbaren Druckpunkt. Der Farbbildschirm mit 320 x 240 p Auflösung (ca. 4,2 x 3 cm) ist für einen handheld Recorder relativ groß und gut lesbar. Auf der Rückseite des Gehäuses befindet sich ein Lautsprecher. Das Abhören von Aufnahmen ist somit auch ohne angeschlossene Kopfhörer möglich, doch aufgrund der geringen Wiedergabequalität eher nur für „schnelles Reinhören“ bzw. zur Überprüfung auf arge Aufnahmefehler geeignet.

Ein Batteriefach sucht man beim VoiceTracer vergeblich: Das Gerät wird über einen fix eingebauten Lithium-Polymer-Akku mit Strom versorgt. Geladen wird über das mitgelieferte USB-Kabel. Die Akkukapazität beträgt 1300 mAh. Je nach ausgewähltem Aufnahmemodus hat man somit bis zu 30 Stunden Aufnahmezeit zur Verfügung. Um das Aufnahmegerät vollständig zu laden, sollte man eine Ladezeit von 2 bis 3 Stunden einplanen. (Achtung: Der XLR-Adapter hat einen eigenen Akku und muss separat geladen werden. Auch beim Adapter dauert das Laden ca. 2 Stunden.)

Als weiteres praktisches Feature verfügt der Philips DVT7500 über einen 16 GB großen NAND Flashspeicher – vor allem für vergesslichere Musiker, die ihre microSD-Karten im Proberaum liegen lassen, ein enormer Pluspunkt. Über den seitlich angebrachten microSD-Kartensteckplatz kann der Speicher auf bis zu 64 GB erweitert werden. Bei der Verwendung von externen Speicherkarten ist allerdings zu beachten, dass nur Aufnahmen in MP3-Qualität mit 128 kBit/s möglich sind. Je nach eingestellter Aufnahmequalität hat man somit theoretisch zwischen 8 und 290 Stunden (intern) und maximal 1088 Stunden (extern) Aufnahmezeit zur Verfügung.

Der XLR-Adapter

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Auch das Gehäuse des XLR-Adapters besteht aus Kunststoff. Der Adapter wird über das untere Ende des Aufnahmegerätes geschoben. Er sitzt sehr straff und kann mit Hilfe von zwei Fixierungsschrauben sogar fest mit dem Recorder verbunden werden. Durch den Adapter wird der Anschluss von bis zu zwei XLR-Quellen an den Recorder möglich.

Wie bereits weiter oben erwähnt, verfügt der Adapter über einen eigenen Akku. Die Ladung erfolgt über einen USB-Anschluss. Der USB-Anschluss am Adapter dient nur zum Aufladen. Eine Datenübertragung zu einem Computer ist über diesen Anschluss nicht möglich. Dies ist insofern unpraktisch, da der USB-Anschluss des Recorders bei aufgestecktem XLR-Adapter nicht zugänglich ist. Mit anderen Worten, will man Daten auf seinen Computer speichern, muss zuvor der XLR-Adapter entfernt werden. Bei angezogenen Fixierungsschrauben kann dies in der Praxis durchaus nerven.

Die Schutzhülle

Die Schutzhülle ist veloursüberzogen und leicht gepolstert. Sie bietet allerdings nur dem Recorder Platz. Mit aufgestecktem XLR-Adapter kann das DVT7500 nicht in der Schutzhülle transportiert werden. Für die Praxis bedeutet dies, dass man sich entweder noch eine andere, größere Schutztasche besorgt oder das komplette Set in der doch eher sperrigen Kartonschachtel der Originalverpackung transportiert. Schade ist auch, dass die Schutzhülle kein Extratäschchen zur Aufbewahrung von externen Speicherkarten hat.

Einstellungsmöglichkeiten und Recording Setups

Besonderer Blickfang des DVT7500 sind die drei, am oberen Ende des Recorders angebrachten Mikrofone. Über die beiden seitlich positionierten, nur gemeinsam nutzbaren Mikrofone können Stereoaufnahmen gemacht werden. Das Mikrofon in der Mitte wird von Philips als „Center-Mikrofon“ bezeichnet.

Der VoicTracer7500 bietet, und dies lässt ihn aus recordingtechnischer Sicht interessant erscheinen, eine große Anzahl an Kombinationsmöglichkeiten von unterschiedlichen Eingangsquellen. Folgende Eingangsquellen können genutzt und kombiniert werden:

  • Stereo-Mikrofon (L/R): Für die Aufnahme werden die beiden integrierten Mikrofone links und rechts am Gerät verwendet.
  • Line-in: Für die Aufnahme werden externe Mikrofone verwendet.
  • XLR: Für die Aufnahme wird ein XLR-Kanal verwendet.
  • Center-Mikrofon: Für die Aufnahme wird das integrierte Mikrofon in der Mitte des Geräts verwendet.
  • XLR + Stereo-Mikrofon (L/R): Für die Aufnahme werden ein XLR-Kanal und die beiden integrierten Mikrofone links und rechts am Gerät verwendet.
  • Center-Mikrofon + Stereo-Mikrofon (L/R): Für die Aufnahme werden die drei integrierten Mikrofone (links, Mitte und rechts) verwendet.
  • Line-in + Center-Mikrofon: Für die Aufnahme werden ein externes Mikrofon und das integrierte Mikrofon in der Mitte des Geräts verwendet.
  • Line-in + XLR: Für die Aufnahme werden ein externes Mikrofon und ein XLR-Kanal verwendet.

An Aufnahmeformaten stehen PCM und MP3 zur Verfügung:

  • PCM:
    • 24 Bit/96 kHz, Bitrate: 4608 kBit/s
    • 16 Bit/96 kHz, Bitrate: 3072 kBit/s
    • 16 Bit/48 kHz, Bitrate: 1536 kBit/s
    • 16 Bit/44.1 kHz, Bitrate: 1411 kBit/s
  • MP3:
    • 16 Bit/44.1 kHz, Bitrate: 192 kBit/s
    • 16 Bit/44.1 kHz, Bitrate: 128 kBit/s

Um die Aufnahmequalität zu beeinflussen bzw. zu verbessern, bietet der Recorder einen Mikrofonverstärkungsregeler zum Auspendeln der Aufnahme, einen Noise cut per Rauschunterdrückungsschalter, einen Limiter und einen Low cut Filter an.

Bedienung und Aufnehmen

Die Bedienung des DVT7500 ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Manche Funktionsweisen erschließen sich nicht intuitiv wie z.B. die Focus-Taste. Es ist deshalb schade, dass nur der sehr knapp gehaltene Schnelleinstieg in gedruckter Form mitgeliefert wird. Das Benutzerhandbuch ist zwar in digitaler Form im internen Speicher abgelegt, kann aber am Recorder selbst nicht gelesen werden. Man muss das Gerät mit einem Computer verbinden und kann dann entweder das Pdf am Bildschirm lesen oder ausdrucken. Zugegeben, dies ist zwar heutzutage durchaus Usus bei elektronischen Geräten, doch gerade bei einem handheld Device, das dazu einlädt, es auch mobil einzusetzen, wäre ein Handbuch praktisch, in dem man Nachschlagen kann während man gleichzeitig das Gerät zu bedienen versucht. Hat man die Logik des Recorders aber einmal verstanden, so ist er einfach zu bedienen.

Aufnahmeprozess

Vor dem eigentlichen Aufnehmen wählt man in den Einstellungen die benötigten Eingangsquellen aus. Im Einstellungsmodus kann man auch die Mikrofonempfindlichkeit anpassen. Man kann die Empfindlichkeit auf „Hoch“, „Mittel“ oder „Niedrig“ einstellen. Auch der Limiter und der Low cut Filter können nur vor und nicht auch während einer Aufnahme ein- bzw. ausgeschaltet werden.

Hat man seine Recording Grundeinstellungen getroffen, reicht ein Drücken der Aufnahmetaste um den Aufnahmevorgang zu starten. Eine weitere Eigenart des VoiceTracers kommt nun zum Tragen: Das Einpegeln der Mikrofone über den Mikrofonverstärkungsregler ist nur während einer laufenden Aufnahme möglich – die Auswirkungen auf den Sound können dabei über Kopfhörer verfolgt werden. Übersteuert die Aufnahme, so gibt die Peak-Anzeige am Gerät darüber Auskunft.

Wie sich beim Testen herausgestellt hat, reagiert der DVT7500 sehr empfindlich auf Berührungen während der Aufnahme. Diese machen sich durch laute Geräusche in der Aufnahme bemerkbar. Ursache hierfür wird wahrscheinlich eine schlechte Körperschall-Abschirmung und/oder Entkopplung der Mikrofone sein. Von einem Festhalten des Recorders während einer Aufnahme ist somit eher abzuraten. Wenn möglich, sollte man das Gerät im Aufnahmezustand gar nicht berühren, oder noch besser auf einem Stativ fixieren. Ein entsprechendes Gewinde findet man auf der Rückseite des XLR-Adapters. Um den VoiceTracer auf einem herkömmlichen Mikrofonständer befestigen zu können, benötigt man allerdings einen Adapter, der nicht im Lieferumfang enthalten ist.

Da viele der Recordingeinstellungen nur vor und das Einpegeln nur während einer laufenden Aufnahmen gemacht werden können, und da man jede Berührung des Geräts auf der Aufnahme hört, eignet sich der DVT7500 nur bedingt für das Anfertigen von Live-Mitschnitten ohne vorherigen Soundcheck bzw. sollte es einem zumindest bewusst sein, dass man den Beginn des aufzunehmenden Ereignisses wahrscheinlich nicht in der, für den Recorder bestmöglichen Qualität aufzeichnen können wird. Oder, um es mit den Worten von Philips zu sagen:

„Wir empfehlen, eine Testaufnahme zu machen, um optimale Voreinstellungen für Ihre Aufnahme zu finden und so bestmögliche Aufnahmeergebnisse zu erzielen.“

Soundqualität des DVT7500

Alle Aufnahmen, die mit dem Philips DVT7500 gemacht werden, weisen ein hörbares Grundrauschen auf. Selbst bei niedrigster Mikrofonempfindlichkeit und maximal zurückgedrehter Mikrofonverstärkung ist dieses Rauschen wahrnehmbar. Je höher die Mikrofonempfindlichkeit und die Mikrofonverstärkung eingestellt werden, desto lauter wird das Rauschen. Zurückzuführen ist das Rauschen wahrscheinlich auf die eingebauten Preamps und A/D-Wandler.

Des Weiteren neigt das Gerät bereits ab einer relativ geringen Lautstärke zum Verzerren und Übersteuern. Bei eher leiseren Instrumenten, wie z.B. einer Akustik Gitarre kann man das Verzerren noch in den Griff bekommen, doch ein rockig gespieltes Schlagzeug bzw. die Aufnahme einer ganzen Band, überfordert den Recorder. Von „hervorragender Definition und außergewöhnlicher Klarheit“ kann in einem Live-Bandkontext leider keine Rede mehr sein. Aufgrund seiner „Lärmempfindlichkeit“ ist der VoiceTracer somit auch nicht besonders zum Mitschneiden von Live-Konzerten geeignet.

Soundbeispiel 1: Akustik Gitarre

Soundbeispiel 2: Grundrauschen (niedrigste Mikrofonempfindlichkeit) + Griffgeräusche

Soundbeispiel 3: Proberaum (niedrigste Mikrofonempfindlichkeit) + Auswirkung Mikrofonlautstärke

Soundbeispiel 4: Proberaum (niedrigste Mikrofonempfindlichkeit) Bandkontext + Auswirkung Mikrofonlautstärke

Soundbeispiel 5: Live-Mischnitt Konzert (niedrigste Mikrofonempfindlichkeit)

Fazit

Der VoiceTracer 7500 kann seine Abstammung von einem Diktiergerät nicht verleugnen. Nomen ist in diesem Fall Omen. Das Anfertigen von Aufnahmen in Studioqualität ist aufgrund des lauten Grundrauschens und dem Verzerren bei höherer Aufnahmelautstärke leider nicht möglich. Aber, um hier nicht zu negativ zu erscheinen, das Gerät verfügt über ein paar Funktionen, die es zumindest zum praktischen Übungsbegleiter machen:

  • Für das schnelle Festhalten von (musikalischen) Ideen bis zur Produktion von einfachen Demoaufnahmen ist die Tonqualität ausreichend.
  • Der DVT7500 ist ein vollwertiger Musikplayer, der Musik in folgenden Formaten wiedergeben kann: MP3, WMA, WAV, AAC, FLAC, APE, OGG, M4A
  • Die Wiedergabegeschwindigkeit kann reduziert werden, was das „Heraushören“ von schwierigen Passagen erleichtert.
  • Im „A-B wiederholen“-Modus können einfache Loops gebaut werden, die man als Backing Track zum Üben verwenden kann.

Positiv

  • Integrierter Akku
  • Integrieter Speicher
  • Alle Eingänge und Mikros kombinierbar
  • Relativ handlich
  • XLR adaptierbar (etwas umständlicher dafür kleiner)

Negativ

  • Kein neutraler Klang
  • Gewöhnungsbedürftige Bedienung
  • Hohe Aufnahme der Geräusche bei Handbedienung (Schlechte Körperschall-Abschirmung/Entkoppelung der Mics)
  • Auf der externen Speicherkarte können nur Aufnahmen in MP3-Qualität mit 128 kBit/s gespeichert werden.
  • XLR Adapter muss separat geladen werden
  • Datenzugriff nur über USB 2.0
  • Keine echten Mehrspuraufnahmen möglich

Systemvoraussetzungen:

Betriebssystem: Windows 10, Windows 8, Windows 7, Windows Vista, Windows XP, Mac OS X 10.7, OS X 10.8
Anschluss: USB

Link zum Benutzerhandbuch.

Bildergalerie

Credits

Tester: Benedikt Hölzl, Musiker in Six-Score und Pasty Clan.
Fotos: Thomas Schierer


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