Citizen Science – Österreich forscht: Wissenschaft wird bürgerlich

citizen-science

„Citizen Science“ braucht dich und mich: Durch uns Österreicher wird die Forschung vorangetrieben. Wie auch du zum bürgerlichen Wissenschaftler wirst, zeigen wir dir heute!

„Citizen Science“: Was ist das denn?

Wissenschaft ist spannend und kreiert Neues. Gerade wir Tekkies haben uns doch alle schon mal gewünscht, unsere schulische Bildung genauer genommen zu haben und in die Wissenschaft einzutreten. „Citizen Science“ macht es auch interessierten Wissenschafts-Amateuren möglich, einen eigenen Beitrag zu leisten.

Bei dieser Arbeitsmethode werden bestimmte Aufgabengebiete an eben diese interessierten Amateure gegeben. Nach dem Motto „Österreich forscht“ kannst du auf der Website von Citizen Science Projekte entdecken und dich aktiv an der Wissenschaft in und für Österreich beteiligen.

Vier Ebenen der Beteiligung

Das Buch „Citizen Science and Volunteered Geographic Information: Overview and Typology of Participation“ gilt als Vorlage der vier Ebenen der Beteiligung von Bürgern an der Wissenschaft. Vom reinen sensorischen Erfassen von Daten auf Ebene 1 streckt sich die mögliche Beteiligung bis auf Ebene 4, bei der du als Bürger in sämtliche Schritte eingebunden wirst. Konkreter:

Ebene 1 bei Citizen Science: „Crowdsourcing“

Möchtest du dich bei Citizen Science auf Ebene 1 beteiligen, wirst du mit Sensoren ausgestattet. Diese senden entweder Daten an die Wissenschaftler oder sie sorgen fürs Bereitstellen von Rechenleistung deines Rechners oder Smartphones. Ein Beispiel für eine solche „Crowdsourcing“-Beteiligung ist das Projekt seti@home:

Wissenschaftler der University of California sind federführend bei diesem Projekt. „SETI“ kürzt „Search for Extraterrestrial Intelligence“ – du suchst also nach außerirdischer Intelligenz, wenn du dich am Projekt beteiligen möchtest. Mithilfe der Methode „radio SETI“ wird nach schmalbandigen Funksignalen aus dem Weltall gesucht.

citizen-science-seti

ALMA-Antennen unter der Milchstraße; Foto von José Francisco Salgado (Lizenz: CC BY 4.0)

Ebene 2 bei Citizen Science: „Verteilte Intelligenz“

Es gibt Aufgaben, zu deren Lösung Computer entweder nicht in der Lage sind oder aber viel zu viel Zeit bräuchten. Dazu gehört zum Beispiel das Auswerten von Bildern aus Fotofallen. Ein prima Job für Bürger, die die Wissenschaft unterstützen möchten! Projekte dazu findest du auf Zooniverse.

Die Projekte dort sind extrem vielfältig und verfolgen das Ziel, Amateure und Wissenschaftler Hand in Hand arbeiten zu lassen. Das bereits angesprochene Auswerten von Fotofallen wird beispielsweise im „Western Shield – Camera Watch“-Projekt gefordert.

„Decoding the Civil War“ ist ein komplett anderes Projekt. Verschiedene Organisationen arbeiten hier gemeinsam daran, Bürgerkrieg-Telegramme zu verstehen und so die Geschichte wahrhafter werden zu lassen.

Wer es weder mit Tieren noch mit Kriegen hat, ist vielleicht in der Galaxis prima aufgehoben: Das „Milky Way Project“ lebt von Wissenschaftlern und Amateuren, die gemeinsam die Milchstraße kartographieren.

Ebene 3 bei Citizen Science: „Partizipative Wissenschaft“

Diese Ebene bindet uns Bürger bereits vor der eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit ein: Wir sind bereits mit dabei, wenn die Frage- und Problemstellungen und/ oder Datensammlungen vorbereitet und geplant werden. Wir Bürger sind aufgefordert, mit offenen Augen durch unsere Umwelt zu gehen und Umweltveränderungen über die Citizen Science-Projekte an Wissenschaftler weiterzugeben.

Diese bereiten unsere Beobachtungen entsprechend auf und veröffentlichen sie oder geben sie nach Analyse sowie Interpretation an zuständige Behörden weiter. Durch die zügige Teilung der Erkenntnisse von Bürgern können Probleme verhältnismäßig rasch gelöst werden.

citizen-science-butterfly-project

Foto: „Part of the citizen science team poses on Sauk Mountain.“ von Cascades Butterfly Project Team (Lizenz: CC BY 2.0)

Mehrere Beispiele verdeutlichen, wo du dich hierbei einsetzen kannst:

  • Flora & Fauna beobachten – Projekt „Roadkill“: Natur und Mensch kommen sich seit jeher in die Quere; Routen, die Tiere seit Jahrzehnten nutzen, werden plötzlich durch Straßen unterbrochen. An solchen „Hotspots“ sind vermehrt tote Tiere an und auf den Straßen anzutreffen. Das Projekt Roadkill möchte eben solche Hotspots kennenlernen und sie entschärfen. Du kannst als wissenschaftlicher Bürger Österreichs deine Beobachtungen in eine Karte eintragen und aktiv mithelfen, solche Hotspots aufzulösen.
  • Naturbeobachtung.at: Wo hast du wann welche Pflanze oder welches Tier bei was beobachten können? Das möchte naturbeobachtung.at wissen, um dann Erkenntnisse mit anderen Interessierten zu teilen und auch wissenschaftlich zu nutzen. Durch dich und mich entstehen so Naturführer, du kannst dich mit Naturinteressierten sowie Experten austauschen und viel über Flora und Faune in Österreich lernen.
  • Historik erforschen – Verein für Computergenealogie: Unter Genealogie versteht man Familiengeschichts- bzw. Ahnenforschung. So kann man beispielsweise im Adressbuch von Aachen aus dem Jahre 1929 auf Seite 318 Emil Schumann auffinden – vielleicht ein entfernter Verwandter von deiner Großmutter? Geschichtsinteressierte Hobbyhistoriker finden hier eine schöne Plattform, um sich wissenschaftlich zu beteiligen.

Ebene 4 bei Citizen Science: „Extreme Citizen Science“

Genügt dir das nicht, kannst du auch schon vor der eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit dabei sein. Auf Ebene 4 werden Bürger in sämtliche Schritte eingebunden. Also von der Problematik über das Sammeln von Daten bis hin zur Analyse bist du beteiligt. Vor allem in der Astronomie und in der Vogelkunde wird vielfach auf diese Zusammenarbeit von Bürgern und Wissenschaftlern gesetzt.

Ein Beispiel für diese Ebene ist das Projekt „Reden Sie mit“. Psychisch erkrankte Mitbürger – also Betroffene, aber auch Interessierte – sind von der Ludwig Boltzmann Gesellschaft eingeladen, am Forschungsprozess, vor allem aber auch am Generieren von Forschungsfragen mitzuwirken.

Europaweit ist dies das erste Projekt dieser Art. Betroffene, aber auch Angehörige oder rein interessierte Bürger treffen auf Pflegende, auf Ärzte sowie Therapeuten. Erfahrungen, Fragen und Probleme können mitgeteilt werden. Durch das Anonymisieren aller Beiträge fallen Hemmungen bei Betroffenen und Angehörigen.

„Citizen Science“: So wirst du Bürger-Wissenschaftler

Sehr vielfältige Forschungsbereiche laden ein, die Wissenschaft zu entdecken – und sich aktiv dran zu beteiligen. Wir Tekkies bei Conrad möchten Bildung ebenfalls auf verschiedenen Sektoren fördern. Mit unserem Sponsorship beispielsweise unterstützen wir Projekt- und Diplomarbeiten mit Materialien oder unserem Know-how.  Auch unterstützen wir junge Innovationen mit unserem StartUp-Support.

Ist der Wissenschaftler in dir geweckt worden und hast du Lust, dich ebenfalls zu beteiligen? Neben dem bereits erwähnten citizen-science.at findest du auch im Zentrum für Citizen Science spannende Anregungen und Projekte. Wie immer interessiert uns deine Meinung zur bürgerlichen Wissenschaft:

Hast du Lust, solche Projekte zu unterstützen? Welche sprechen dich besonders an? Oder hast du bereits Projekte unterstützt? Dann berichte doch mal von deinen Eindrücken!


Produkte, die Sie interessieren könnten


Sag uns deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.