Augmented Reality: Auswirkungen in der Gesellschaft

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Augmented Reality ist eine meist visuelle Erweiterung der Realität (Quelle: „ARglassesSingapore“ von WIKITUDE, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Augmented Reality erweitert unsere Realität – aber erweitert sie auch unsere Gesellschaft? Wir begeben uns auf Spurensuche.

Augmented Reality & die Idee des Real Life-Social-Networks

Noch sind soziale Netzwerke getrennt von unserer realen Welt – Social Media findet im World Wide Web statt. Wir teilen bereitwillig Informationen über uns; zuweilen interessante Facts, zuweilen durchaus überflüssige Inhalte. Und nun stell‘ dir vor, du sitzt mit Freunden in einem Café und über den Köpfen deiner Freunde flimmern Infos auf: Name, Alter, Wohnort, Anzahl der Freunde, Anzahl gemeinsamer Freunde … Das wäre Augmented Reality, gekoppelt mit der Idee des Real Life Social-Networks.

Einer, der Pionierarbeit auf diesem Gebiet leistet, ist das Unternehmen Tagwhat. Ähnlich wie Wikitude stellt Tagwhat einen AR-Browser bereit – jedoch wird dieser von den Usern selbst gepflegt: du hast als Nutzer die Möglichkeit, den Browser mit Informationen zu füttern und diese Informationen ziemlich simpel mit anderen zu teilen. Diese Informationen werden als „Augmented Reality Tag“ bezeichnet. Schmeißt du die App an, scannt sie die Umgebung und bildet verfügbare Tags ab.

Tagwhat setzte anstelle der Geo-Lokalisierung bereits RFID-Chips zum Taggen ein. Würde sich diese Technologie durchsetzen, entstünden gänzlich neue Möglichkeiten, Informationen zu konsumieren oder selbst zu verbreiten. Welche Informationen dies sein könnten, ist bislang noch ziemlich abstrakt: würden RFID-Chips in Kleidung eingesetzt, wäre etwa denkbar, mehr über das Label in Erfahrung zu bringen oder Preis und Größe einzusehen.

Dies könnte es mit sich bringen, dass künftig die Gesellschaft über „gut“ und „böse“ bestimmt: nehmen wir an, Label A verkauft seine Kleidung günstig, Label B ist hingegen teuer. Wir können derzeit davon ausgehen, dass sich die meisten für Label A entscheiden würden. Würden Verbraucher nun jedoch Informationen über den Herstellungsprozess der Kleidung in Erfahrung bringen können – einfach dadurch, dass sie den Pullover mit dem Smartphone scannen, und würde sich dadurch herausstellen, dass Label A über Kinderarbeit produziert, während Label B sozial und fair herstellt, kann sich das wandeln.

AR weiter gedacht: RFID-Chips in Menschen

Gehen wir noch einen Schritt weiter und denken uns solche RFID-Chips als Implantat, wäre das Social Network im Real Life nur noch eine Frage der Zeit. Du könntest durch die Straßen spazieren und der Öffentlichkeit deinen Namen und etwa deinen Gemütszustand preisgeben, während nur Freunde deinen Familienstand und dein Alter einsehen könnten. Denken wir nur mal an das Zwischenmenschliche: die große Liebe zu finden, wäre wohl einfacher, da man(n) sich sicher nicht mehr an vergebene Frauen halten würde …

Aber ernsthaft: Augmented Reality könnte aus unserer jetzigen Gesellschaft die Wissensgesellschaft machen, die Manuel Castells bereits in seiner dreibändigen, in den 90er Jahren entstandenen Studie „The Rise of the Network Society“ vor sich sah. Eine flexibel-dynamische, offene Netzwerkarchitektur mit unendlicher Erweiterungsfähigkeit, die es gestattet, ungebrauchte Komponenten zu umgehen – wie der Single, der verheiratete Frauen umgehen würde. Eine Vorstellung, die die Grenzen der Fantasie zu sprengen scheint, könnte jetzt wahr werden!

Augmented Reality setzt Wissen frei

Seit einigen Jahren erleben wir einen extremen Umbruch: jüngere Generationen kämpfen dafür, dass Wissen allgemein zugänglich gemacht wird – Wissen „gehört“ der Gesellschaft, postuliert diese Generation und fordert ein, dass Global Player nicht mehr ihre Interessen durchsetzen, sondern dass freie Netze ohne Zwang entstehen. Ein globales Miteinander, in dem Wissen selbstverantwortlich geteilt wird. Ein bisschen Wikipedia im Real Life, was voraussetzt, dass staatliches und privates Wissen zusammenwachsen bzw. die Grenzen dazwischen aufgebrochen werden.

Mit Augmented Reality-Apps wie Tagwhat fütterst du die Wissensgesellschaft selbst, du wirst wesentlicher Bestandteil dieser Gesellschaft. Das wandelt alles, denn: Wissen ist Macht. Wissen war einst nur bestimmten Gesellschaftsschichten vorbehalten und die älteren Generationen sind durchaus noch in diesem Muster verankert. Deshalb kräht sie auch nach wie vor nach Vorratsdatenspeicherung, Urheberrechten, Patenten & Co. – es fehlt an Fantasie für die Idee des geteilten Wissens, vielleicht auch an der Lust oder Bereitschaft, Wissen – und damit Macht – zu teilen.

Gefahren einer Augmented Reality-Gesellschaft

Es gibt zwei mögliche negative Konsequenzen, wenn wir über eine AR-Gesellschaft nachdenken: die erweiterten Möglichkeiten, uns zu überwachen und falsche Informationen über uns zu verbreiten, und das Ausschließen derjenigen, die Augmented Reality für sich ablehnen.

Diese Gedanken sind jedoch gar nicht so AR-bezogen, wie das auf den ersten Blick scheinen mag. Allein mit dem Internet haben die Möglichkeiten, aus uns gläserne Bürger zu machen, immens zugenommen. Jedes Handy ist trackbar, jedes Profil auf Facebook und Co. mehr oder minder einsehbar. Letztlich müssen wir schlicht und ergreifend noch mehr Selbstverantwortung übernehmen und uns darüber bewusst werden, dass wir persönliche Informationen mit der ganzen Welt teilen – mit gänzlich Fremden, mit Freunden, mit dem Staat, mit dem Arbeitgeber. Ein Bewusstmachen dieser Tatsache und ein konsequentes Beibehalten dieses Bewusstseins kann den Schrecken diesbezüglich bereits nehmen.

Und das Ausschließen der Nicht-AR-Gesellschaft? Nun ja, diese Gefahr bringt jeder technologisch-gesellschaftliche Wandel mit sich – sie ist letztlich Teil einer jeden Wandlung. Bislang ging es immer gut: Letzten Endes wird ein Teil der Gesellschaft Augmented Reality sofort, der andere eben erst später, ein kleiner Teil womöglich nie nutzen.

Augmented Reality: es bleibt spannend!

Wir befinden uns im Wandel: wir dürfen erleben, wie dank AR und VR die reelle Welt, wie wir sie kennen, mit der digitalen Welt verschmilzt – unsere Körper und unsere Sinne werden technologisiert. Noch sind nicht alle gesellschaftlichen Fragen beantwortet, das ist allerdings auch gar nicht möglich, denn eben diese Fragen sind ein wesentlicher Teil des Wegs in die AR-Gesellschaft, auf die wir zusteuern, wenn sich die Technologie durchsetzt.

Spannend Augmented Reality

Es dauert nicht mehr lang, bis Augmented Reality bald in jedem Smartphone und Tablet integriert werden könnte(Quelle: „Playing with Augmented Reality from GE“ von TJ Ryan, Lizenz: CC BY 2.0)

Seien wir ehrlich:

wir wollen diesen Wandel. Wir wollen Zugang zu Wissen, wir wollen Informationen teilen – wir sind die Sharing-Gesellschaft und auf dem besten Wege zur Netzwerkgesellschaft, die Castells und andere bereits erdacht haben. Das birgt – wie jeder Wandel – Gefahren, aber auch riesige Chancen. Und die sollten wir nutzen.

Was denkst du: Kannst du dir ein Leben vorstellen, in dem du die Straßen entlanggehst und Infos über deine Mitmenschen über deren Köpfe eingeblendet siehst? Gefällt dir die Idee, immer und überall Informationen zu erhalten? Welche Steine liegen uns dafür im Weg?


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