3D TV im Wohnzimmer unerwünscht?

Seit Wochen schreiben sich österreichische und deutsche Technik- und Wirtschafts-Zeitschriften die Finger wund. Das Thema: 3D im Wohnzimmer und die angebliche Ablehnung der Konsumenten dieser Technologie gegenüber. Auslöser dieser Artikelserien sind die (angeblich) schleppenden Verkaufszahlen bei 3D TVs im Handel. Für uns als Händler nicht ganz nachvollziehbar, merken wir doch tagtäglich dass Kunden sehr wohl nach Fernsehern mit 3D-Technologie suchen und auch gerne kaufen. Aber vielleicht liegt die negative Berichterstattung auch an etwas anderem?

Die Überschriften in den verschiedenen Zeitungen und Magazinen sprechen eine eindeutige Sprache – der Tenor: der Absatz bei 3D TV Geräten hinkt den Erwartungen hinterher, die Kosumenten lehnen die momentane Technologie ab. Stimmt so nicht ganz, sage ich. Viele Käuferinnen und Käufer sind zugegeben skeptisch wenn es um Fernsehen in der dritten Dimension geht, was wohl durch das noch immer nicht wirklich vorhandene Angebot von Inhalten im Portfolio der TV-Sender begründet ist. Auf der anderen Seite aber rechnen gute Fernseher normale Inhalte schon sehr gut in ein 3D-Bild um. Voraussetzung ist lediglich ein vernünftiges Signal, am Besten in HD-Qualität, was ja bei ORF und Co seit geraumer zeit kein Problem mehr ist. Außerdem sind die aktuellen TVs mit 3D-Panelen auch bei der Wiedergabe von normalen zweidimensionalen Inhalten im Bild feiner und brillanter als reine 2D-Geräte.

An was liegt es dann, dass 3D angeblich für die meisten Konsumenten uninteressant ist? Ich persönlich sehe hier eine ganz anderen Grund für diese Meldungen. Der Verkauf hinkt dort hinter den Erwartungen her, wo auch die Technologie den Kunden nicht überzeugt.

Shutterbrille von SamsungAlso konkret: wo Shutter-Brillen zum Einsatz kommen winken viele potenzielle Käuferinnen und Käufer ab. Während die aus dem Kino bekannte Polfilter-Brille den meisten wohlbekannt ist, und auch entsprechend akzeptiert wird. Genau hier sehe ich nämlich den eigentlichen Hund begraben. Auf Shutter-Technik setzt vor allem der Branchenprimus und laut Verkaufszahlen Marktführer Samsung. Und auch hier merken wir, dass 3D ein niederrangiges Verkaufsargument ist.

Die Shutterbrillen sind den meisten Konsumenten einfach zu schwer, nicht angenehm zu tragen und vor allem ganz einfach zu teuer. Wer sich einen 3D TV um € 1.000,– kauft wird wohl kaum gerne nochmals € 100,–pro (!!!) 3D Brille ausgeben wollen. Der argumentierte Vorteil, dass man nur bei dieser Brillentechnologie das Bild in echtem FullHD genießen kann zieht unter diesen Umständen bei den meisten Kunden ganz einfach nicht.

Im Gegensatz dazu wird wie oben beschrieben die passive Polfiltertechnik sehr wohlPolfilterbrille von Philips akzeptiert. Leichtere Brillen, geringere Anschaffungskosten und eine durch die Kinos gute eingeführte Technik überwiegen bei den Meisten gegenüber dem vermeintlichen Nachteil nur „halbes FullHD“ zu sehen – so wie dies immer wieder von Befürwortern der Shutter-Technik ins Feld geführt wird. Wobei ich hier persönlich anmerken möchte, dass dieses Argument mir noch von keinem Kunden wirklich bestätigt werden konnte. Oder anders gesagt: ich habe bis heute noch keinen Menschen getroffen, der diesen Unterschied in der Auflösung gesehen hätte.

Was wir im täglichen Geschäft und in den tausenden Beratungsgesprächen jedes Monat merken ist konträr zu der von den oben erwähnten Medien geschriebenen negativen Headline rund um 3D im Wohnzimmer. Im Gegenteil: viele Konsumentinnen und Konsumenten fragen gezielt nach Fernsehern mit 3D. Und es wird gezielt dabei nach TVs mit Polfiltertechnologie gesucht. Womit ich wieder beim Ausgnagspunkt meines Blogbeitrages wäre. Warum also wird von vielen Medien berichtet, dass die Menschen keine TVs mit 3D haben wollen, und dass die Verkäufe hinter den Erwartzungen zurückbleiben? Nun, zum einen liegt es natürlich daran, dass die Industrie sich selbst absurde Wachstumszahlen verordnet hat, die trotz wachsender Verkaufszahlen bei Fernsehern nie und nimmer erreicht werden können. Hier hat man sich ganz gelinde gesagt einfach verschätzt. Zum anderen trifft eine gewisse Ablehnung zu, wenn es um die oben beschriebene aktive Shutter-Technologie geht. Und dies trifft wiederum den Branchenprimus, der mit Abstand den größten Marktanteil in Österreich und Deutschland hält. Man kann sich also ausrechnen, was es statistisch bedeutet, wenn ebendieser Marktführer im Gegensatz zu seinen schärfsten Konkurrenten nicht die Anzahl an Fernsehern verkauft wie es zu Beginn eines Wirtschaftsjahres geplant wurde.

3D TV von LG aus der LM620S-SerieViele Hersteller haben übrigens bereits erkannt, dass ein großteil der Kunden lieber auf die altbekannte und am Markt durchaus akzeptierte passive Polfiltertechnik zurückgreift. Neben LG kommt jetzt Philips mit einer Range an Polfilter-Geräten. Auch andere Hersteller haben bereits angekündigt diesen Weg einzuschlagen. Und sollte ich Recht behalten (wovon ich ganz einfach ausgehe), dann werden wir in einem Jahr in der Medienlandschaft folgende Headline lesen können: „3D der große Verkaufsschlager bei Fernsehern!“.



Sag uns deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.