360-Grad-Videos: als Zuschauer mittendrin

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Festsaal im Schloß Hellbrunn, Foto: MatthiasKabel (Lizenz: CC-BY-SA-2.5)

Statische Panoramabilder begeistern seit Jahren schon professionelle und Amateur-Fotografen. Vom einstigen mühsamen Zusammenstellen aus vielen, vielen Einzelbildern schaffen Spezialprogramme für Fotografen heute schon zügigere und dennoch detailgetreue Panoramaaufnahmen.

Jetzt aber kommt ein neuer Trend: das Statische wird zum Bewegten. 360-Grad-Videos, die den Zuschauer mitten in die Manege beamen, bereiten gerade eine spannende Zukunft vor!

Die Technik in den 360°-Cams

360°-Videos entstehen durch spezielle Kameras. Man spricht von omnidirektionalen Kamerasystemen: Bilder werden aus sämtlichen Richtungen, also horizontal und vertikal, erzeugt. Je nach Kamera-Modell können verschiedene Bauformen eingesetzt werden: Mosaikbasierte Kameras oder Weitwinkelobjektive.

Das mosaikbasierte System setzt auf mehrere Kameras, die parallel zueinander werkeln. Jede Kamera ist für einen Einzelbereich zuständig und die Einzelbilder werden dann zu einem Gesamtbild. Ein Beispiel für eine solche 360-Grad-Kamera ist Nokias Ozo Camera. Erstmals zur Fußball-EM 2016 wurden die Ozo-Kameras eingesetzt, um einem kleinen Nutzerkreis 360°-VR-Content zugänglich zu machen.

Deutlich unkomplizierter und preisgünstiger sind spezielle Weitwinkelobjektive, die dank extrem weiter Sichtbereiche Video-Panoramen aufnehmen können. In der Fotografie sind diese „Fisheye“-Objekte längst Alltag geworden. Im Video-Bereich hat sich die Technik erst jüngst so verbessert, dass Video-Panoramen einfacher sind.

Ricoh offeriert beispielsweise mit den stiftgroßen Theta-Cams Lösungen, die mit zwei nach links und rechts ausgerichteten 160°-Fisheye-Linsen arbeiten. Dieses Minimum an Technik ermöglicht unterm Strich vollsphärische 360 Grad-Videos.

360-Grad-Videos: Bauform entscheidet über Qualität

Die verschiedenen Bauformen der 360°-Cams bringen auch verschiedene Qualitäten mit, die die Preisunterschiede deutlich erklären. Während Weitwinkelobjektive bei 2K-Auflösungen an ihre Grenzen kommen, punkten mosaikbasierte Kameras mit bis zu 6K-Auflösungen und 30 Bildern pro Sekunde.

Dafür sind Weitwinkelobjektive in der Anschaffung günstiger und in der Bedienung wesentlich einfacher. Leichter und kompakter im Design, sind sie schnelle und einfach zu bedienende Begleiter.

Weiterentwicklung soll auch durch Nutzer vorangestrieben werden

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Oculus chief scientist Michael Abrash on stage at Facebook’s F8 2015 by Maurizio Pesce (Lizenz: CC BY 2.0)

Facebook nutzte die alljährliche Entwicklerkonferenz F8, um das hauseigene 360-Grad-Kamerasystem zu präsentieren. Praktisch: mit dieser Cam können Rundum-Aufnahmen vor allem für VR-Brillen-User der Facebook-Tochter Oculus erstellt werden. Spannend ist das Konzept:

Hardware- und Software-Pläne hat Facebook unter einer Open Source-Lizenz auf GutHub veröffentlicht. Auch eine Anleitung für den Zusammenbau kannst du herunterladen (PDF). TechCrunch hat sich das mal genauer angeschaut: vier Stunden Arbeit und rund 30.000 US-Dollar stecken in dieser Kamera.

Wie gewohnt, möchte Facebook gerne das Feedback der Community haben. Dafür wurde eine Facebook-Gruppe eingerichtet. Facebook verschweigt auch aktuelle Herausforderungen nicht: Riesige Datenmengen, die verarbeitet werden müssen, gehören dazu. Daneben muss die Aufnahme-Fehlerquote gen null gehen. Denn wenn Fehler in der Aufnahme passieren, kann beim Zusammenfügen der Einzelbilder kein gelungenes VR-Erlebnis entstehen.

Wozu das Ganze?

360-Grad-Videos zeigen nicht nur Panoramen, sondern Zuschauer können sich auch einzelne Perspektiven herauspicken, die sie anschauen möchten. Du kannst entscheiden, aus welchem Blickwinkel du sehen möchtest. Hier sind wir im Fun-Bereich angekommen:

Angenommen, ein Segelflieger erstellt ein 360-Grad-Video aus deinem Bundesland. Während du vielleicht die Perspektive wählst, in der besonders viel vom Boden zu sehen ist, um deinen Wohnort zu finden, möchten andere vielleicht lieber die Perspektive des Piloten einnehmen.

Auch im Business sind 360°-Videos eine spannende Idee. Immobilienmakler verwenden die Technologie bereits weniger zögerlich, wenn es darum geht, virtuelle Touren durch Objekte anzubieten. Interessenten brauchen sich nicht mehr von der Couch hochzubewegen, denn sie gehen virtuell auf Entdeckungstour im neuen Haus. Auch Hotels und Krankenhäuser bzw. Reha-Zentren zeigen durch 360 Grad-Videos, wie ihre Anlagen aussehen.

We think people will share a lot more 360 content in the future, especially as technology makes it easier to record it themselves. (Mark Zuckerberg)

360°-Videos erobern YouTube

Es war im März 2015, als sich YouTube für 360-Grad-Videos öffnete. Betrachtest du ein solches Video, kannst du durchs Bewegen des Endgeräts (Smartphone oder Tablet) unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Auch am Rechner kannst du dich durch Klicken auf die Pfeiltasten umschauen. Probiere es mal:

Zu Beginn wollten nur einige Nerds mehr davon. Deutschsprachige 360-Grad-Videos waren Mangelware. Das hat sich nun ein wenig geändert, wenngleich englischsprachiger Content nach wie vor die Nase vorn hat. Eine Übersicht über vorhandene 360°-Videos findest du hier.

Wiener Prater in 360° erleben

Im Tourismus werden 360°-Videos vermehrt eingesetzt. Ist ja auch toll, Sehenswürdigkeiten erst mal virtuell erkunden zu können, um dann hinzureisen und sich vor Ort fesseln zu lassen! Das dachte sich wohl auch die Stadt Wien und entschied, einen Film vom Prater zu erstellen:

Ohne VR-Brille ist dieses Video zwar nett, die Bildqualität lässt aufgrund der 360°-Technologie jedoch zu wünschen übrig. Mit der Ednet VR-Brille findest du einen günstigen Einstieg in die virtuellen Realitäten und hast deutlich mehr Spaß am Schauen solcher Videos! Wir haben die Brille für dich bereits getestet.

360-Grad-Videos in einer virtuell-realen Zukunft

360°-Videos und Virtual Reality gehören einfach zusammen – und beidem gehört die Zukunft. Medien wie die New York Times wissen und nutzen dies bereits. Mit nytvr startete das Medium einen Sender für 360°-VR-Content. So konntest du beispielsweise Reden der US-Präsidentschaftskandidaten verfolgen, als wärst du selbst dabei gewesen.

Spinnen wir den Faden doch weiter. Was wird mit 360°-Videos noch möglich sein? Nehmen wir Produktionsbedingungen als weiteres Beispiel. Würden sich Unternehmen mit fairen Arbeitsbedingungen in 360-Grad-Videos präsentieren, würden Verbraucher hinterfragen, wie es bei anderen Unternehmen läuft.

Ein recht prominentes Beispiel fairer Arbeitsbedingungen und gelebter Humanität ist Sina Trinkwalder mit ihrem Unternehmen manomama: Menschen, die auf dem restlichen Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben, finden hier ein „Arbeitszuhause“. Diese sicherlich einzigartige Arbeitsatmosphäre ließe sich durch 360°-Videos fantastisch zeigen. Das kann Verbraucher motivieren, bei Unternehmen mit solch fairen Bedingungen zu kaufen.

Weitere Beispiele für VR und 360°-Videos findest du in unserer VR-Vision. Fallen dir weitere Beispiele ein, wo 360-Grad-Videos noch eingesetzt werden können? Was macht solche Filme für dich so faszinierend?


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Ein Kommentar

  • Hans Huber sagt:

    Ich finde diesen Beitrag ganz toll, der kauf so einer kamera ist in nächster Zeit nicht ausgeschlossen, weniger Rolle spielt dabei der Preis als die Einsatzmöglichkeit. (wasserdicht)
    Entscheidend wird auch sein wie man die Videos in kelneren oder auch größeren Gruppen präsentiert.

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