Im Test: Komplett-PC im Tastaturformat

Ein ganzer PC in einem Keyboard untergebracht: Diese ungewöhnlichen Komplett-PC bietet die deutsche Firma Joy-it in mehreren Modellen an. Die Idee ist gut, der Prozessor allerdings etwas zu schwach, wodurch die Tastatur-PCs im Grunde Netbooks ohne Displays und Akku sind.

Die Idee den kompletten Rechner in ein Gehäuse zu packen, das nicht größer als eine gewöhnliche PC-Tastatur ist, ist nicht neu. Sogar Asus hat sich mit Eee Keyboard PC – wenn auch wenig erfolgreich – an diesen Formfaktor gewagt. Die deutsche Firma Joy-it bietet die Komplett-PC im Tastaturformat in mehreren Ausstattungsvarianten an. Die futurezone hat zwei davon getestet.

Formfaktor des Joy-it Komplett-PC

Optisch sind alle Versionen gleich, sie unterscheiden sich nur in RAM und Festplattengröße. Länge und Breite entspricht einer gewöhnlichen PC-Tastatur. Die Joy-it Tastatur-PCs sind sogar etwas flacher als eine normale Tastatur. Für den Schreibekomfort ist das nicht optimal, da es, im Gegensatz zu einem normalen Keyboard, keine Standfüßchen gibt, um den Winkel der Tastatur zu verändern.

Obwohl das Gehäuse des Tastatur-PCs komplett aus Plastik besteht, macht es einen soliden Eindruck. Auch die Verarbeitung ist in Ordnung, es gibt keine unnötigen Spalten, überstehende Plastikreste oder scharfe Kanten. An der Unterseite gibt es zwei mit jeweils einer Schraube gesicherte Schnellöffnungen, um zu den RAM-Riegeln und der Festplatte zu gelangen.

Anschlüsse

Bei den Anschlüssen sind die Tastatur-Komplett-PC nahezu komplett ausgestattet. Mit fünf USB 2.0-Anschlüssen sind die den meisten Net- und Notebooks überlegen. An der linken Seite gibt es noch zwei 3,5mm-Klinkenstecker für den Tonaus- und Mikrofoneingang. Ein Ethernet-Anschluss ist ebenso vorhanden wie WLAN.

Am falschen Ort wurde bei den Bildschirm-Anschlüssen gespart. Hier gibt es nur einen VGA-Ausgang. Es ist zwar im Gehäuse eine Buchse für einen HDMI-Ausgang vorgesehen, aber keiner vorhanden. Das schränkt die Möglichkeiten des Komplett-PC deutlich ein. Zwar haben viele Flat-TVs auch noch VGA-Eingänge, aber per HDMI schließt es sich einfacher an und es kann auch ein Audiosignal übertragen werden. Schwacher Trost für den fehlenden HDMI-Anschluss: eine serielle Schnittstelle.

Der VGA-Anschluss und ein daneben liegender USB-Anschluss können mit zwei Schrauben gesichert werden. So soll der Tastatur-PC, bzw. die angeschlossene Maus, zumindest vor Gelegenheits-Dieben gesichert werden, falls er etwa in öffentlichen Räumen eingesetzt wird.

Das Netzteil des Komplett-PC ist kompakt und entspricht in seiner Größe in etwa den Netzteilen von Ultrabooks.

Tastatur und Maus

Die Tasten der Tastatur sind flach wie bei einem Notebook, ausreichend groß und auch der Abstand zueinander ist gut, was Vertippern vorbeugt. Allerdings sind die Tasten etwas zu schwer zum Drücken und haben ein leichtes Spiel nach links und rechts, wodurch sie sich schwammig anfühlen und das Tippen längerer Texte anstrengend ist.

Im Lieferumfang der Komplett-PC ist eine Drei-Tasten-Maus mit Scrollrad enthalten. Die Beschichtung des Scrollrad ist zu rutschig, weshalb das Rad nach einiger Zeit wahrscheinlich kaum noch nutzbar sein wird. Ansonsten ist die Maus in Ordnung.

Leistung

Die Komplett-PC sind mit einem Dual-Core Intel Atom CPU mit 1,8 GHz ausgestattet. Für die Grafik ist ein Intel GMA3150-Chip zuständig, der als interne Grafikkarte bei Netbooks zum Einsatz kommt. Bis auf die günstigste Version haben alle Joy-it-Tastatur-PCs 4 GB RAM. Der Leistungstest wurde mit dem Spitzenmodell gemacht, das statt einer 256 GB oder 500 GB-Festplatte mit einer 60 GB SSD ausgestattet ist.

Aufgrund des schwachen Prozessors fallen die Benchmarks entsprechend schlecht aus. 3D Mark 06 vergibt 165 Punkte, Cinebench 11.5 0,56 Punkte im CPU-Test. Youtube-Videos in 720p werden noch flüssig wiedergegeben, bei 1080p beginnt das Ruckeln. Dasselbe gilt für Videos, die mit dem VLC-Player abgespielt werden. 720p ist in Ordnung, bei 1080p gibt es Aussetzer. Halbwegs aktuelle Computerspiele können nicht gespielt werden, meistens wird der Grafikchip nicht einmal unterstützt. Sims 3, Diablo 3 und World of Warcraft verweigerten den Start.

Die Komplett-PC haben einen Lautsprecher eingebaut, der überraschend passable Töne hervorbringt. Zwar nicht besonders laut, dafür aber klarer als der von vielen Netbooks. Betriebsgeräusche bringen die Tastatur-PCs kaum hervor. Beim Betrieb erhöht sich die Temperatur am stärksten an den Lüftungsschlitzen der Unterseite. Auch an der Oberseite wird der PC wärmer. Da hier aber ohnehin nur die Finger auf den Tasten sind, während die Hände großteils am Tisch aufgestützt werden, wird die Temperaturerhöhung nicht als störend empfunden.

Leere Platte
Nur eines der insgesamt vier Modelle wird mit Windows 7 als Betriebssystem ausgeliefert. Die anderen enthalten nur eine Treiber-CD. Dass die Tastatur-PCs kein Laufwerk haben, ist nicht weiter schlimm, da die Treiber auf der CD ohnehin veraltert sind. Für Windows 7 sind kaum Treiber vorhanden, Grafik- und WLAN-Treiber muss man sich aus dem Netz holen.

Neben Windows 7 auf dem SSD-Modell, wurde auf dem zweiten Tastatur-PC die Consumer Preview von Windows 8 installiert. Windows 8 lief relativ problemlos und auch simple App-Games konnten mit wenig Ruckeln gespielt werden.

Fazit

Die Komplett-PC von Joy It sind eher als günstige Stationen in Hotels, Betrieben oder öffentlichen Räumen gedacht. Hier ist die robuste Bauweise und die Möglichkeit die Maus und den VGA-Anschluss „abzusperren“, von Vorteil.

Für den Privatgebrauch bieten die Komplett-PC zu wenig Leistung und der fehlende HDMI-Anschluss verhindert, dass sie als Abspielstation für heruntergeladene Filme fungieren. Als Privatperson hat man von einem Netbook mit HDMI-Ausgang mehr, das in vergleichbarer Ausstattung auch etwa gleichviel Euro kostet.

Text & Bild: Gregor Gruber @futurezone.at

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